Deutsche Bischofskonferenz

Ackermann zieht sich vom Amt des Missbrauchsbeauftragten zurück

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Matthias Katsch (Geschäftsführer von "Eckiger Tisch", links) bei einer Kunstaktion zur Bischofskonferenz im Herbst 2020 im Gespräch mit Stephan Ackermann (Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischöfe)
Matthias Katsch im Gespräch mit Stephan Ackermann

Der bisherige Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz Stephan Ackermann wird diese Aufgabe nicht weiter ausüben, die auf eine breitere Basis gestellt werden soll. Vertreter von Betroffenenorganisationen begrüßen den Schritt.

Wie die Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekannt gab, wird ihr bisheriger Beauftragter für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, Bischof Stephan Ackermann, das Amt zur Herbstvollversammlung der Kirchenmänner niederlegen. Ackermann hatte die Position seit ihrer Schaffung im Jahr 2010 ausgeübt. "Die personelle Verantwortungsstruktur für Fragen des sexuellen Missbrauchs" solle laut Pressemitteilung nun "auf eine breitere Basis" gestellt werden. Dies brauche es, "damit die katholische Kirche in Deutschland der Vielschichtigkeit der Thematik und der Dimension des Aufgabenfeldes künftig noch mehr gerecht werden" könne, heißt es vom bisherigen Amtsinhaber dazu. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing lobte Ackermann, der "über mehr als zwölf Jahre eine weitreichende und mit unermüdlichem Engagement ausgefüllte Aufgabe kompetent übernommen" habe.

Weniger positiv fällt die Bilanz auf Seiten der Betroffenenverbände aus: Es sei gut, dass Bischof Ackermann nach zwölf Jahren die Aufgabe als Missbrauchsbeauftragter abgebe, findet Matthias Katsch, Geschäftsführer des Eckigen Tisches. "Gerade auch durch seine eigenen Verstrickungen in den Umgang mit Fällen sexueller Gewalt in seinem eigenen Bistum war das eigentlich schon länger notwendig. Die kürzliche namentliche Nennung einer Betroffenen, die, aus guten Gründen, ihren Namen nicht öffentlich gemacht haben wollte, war da nur die letzte Fehlleistung." Ähnlich sieht das auch der Verein MissBiT, der sich für Missbrauchsopfer und Betroffene in Ackermanns Bistum Trier einsetzt. Vorstand Jutta Lehnert findet, der Bischof sei mit seiner Aufgabe überfordert gewesen. Sein eigenes Bistum gehöre "auch noch nach über zehn Jahren Zuständigkeit (…) bei der Aufarbeitung zu den Schlusslichtern". Ein unabhängiges Gutachten wie in anderen Bistümern habe er konsequent vermieden. "Er sprach zwar von einer 'Kultur der Aufmerksamkeit', tat aber nichts dazu, sie durch eine Auseinandersetzung mit MissBiT e. V., bei den BistumsmitarbeiterInnen und in den Pfarrgemeinden zu fördern."

Katsch sieht jedoch die Schuld nicht allein beim scheidenden Missbrauchsbeauftragten: "Bischof Ackermann hat sich im Rahmen der ihm vorgegebenen Möglichkeiten bemüht, seiner Rolle als Missbrauchsbeauftragter gerecht zu werden. Die Schwächen, die dabei zutage traten, fallen auch in die Verantwortung seiner Mitbrüder, die ihn dafür beauftragt haben. Ein Beauftragter kann nur so stark agieren, wie ihn die Auftraggeber lassen." Der Geschäftsführer des Eckigen Tisches stellte auch positive Aspekte heraus, so sei in den vergangenen zwölf Jahren viel in der Präventionsarbeit auf den Weg gebracht worden. Dem Austausch mit Betroffenen habe Ackermann sich gestellt, hob der Betroffenenvertreter anerkennend hervor, "auch wenn das oft im Ergebnis folgenlos blieb, wie etwa in dem gemeinsamen Bemühen, eine echte Entschädigungsregelung auf den Weg zu bringen". "Hier haben ihn am Ende seine Mitbrüder wie auch Vertreter der Laien im Regen stehen lassen, und mit ihm die Betroffenen, die Hoffnungen auf diesen Gesprächsprozess gesetzt hatten", so Katsch.

Man begrüße die angekündigte Neukonzeption der Arbeit der Stelle des Missbrauchsbeauftragten der katholischen Kirche und frage zugleich, welche Rolle dabei die Laienvertretungen und die Betroffenen, die die Kirche auf ihren eigenen Wunsch hin beraten, spielen werden. Die Trierer Betroffeneninitiative geht an dieser Stelle noch einen Schritt weiter: "MissBiT hofft darauf, dass die Deutsche Kirche diesen Rücktritt nutzt, die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Kirche völlig in unabhängige Hände zu geben. Kein Bischof sollte diese Aufgabe übernehmen, denn die Bischöfe sind Teil des Problems und nicht der Lösung."

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