Aufklärung und Kritik 1/2026 erschienen

Das aktuelle Heft von Aufklärung und Kritik (A&K), der umfangreichen Vierteljahreszeitschrift der Gesellschaft für Kritische Philosophie Nürnberg (GKPN), ist erschienen. Die Redaktion hat dem hpd wieder das Vorwort zur Verfügung gestellt.

Das Heft wird eröffnet von der zweiten Kyoto-Rede Karl R. Poppers, übersetzt von Hans-Joachim Niemann, mit dem Titel "Der Ursprung der abendländischen Kultur und ihre literarischen und wissenschaftlichen Wurzeln". Darin verficht und belegt Popper die Geschichtshypothese, dass das athenische Wunder, die Erfindung von Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Demokratie in nur einem Jahrhundert, mit der schriftlichen Verbreitung der Epen Homers zusammenhänge. Er belegt diese These anhand interessanter Beispiele und parallelisiert sie mit der Erfindung des Buchdrucks und dessen Folgen.

In seinem Beitrag "Habermas und die griechische Antike" untersucht Nikolaos Loukidelis, inwieweit Jürgen Habermas – bei allem Respekt vor dessen Lebensleistung – Standards der Wissenschaftsethik in Bezug auf seine Behandlung der griechischen Antike nicht eingehalten habe. Dies belegt er anhand der Zitierung von Habermas'schen Texten und der Analyse von deren Bedeutung für dessen Argumentation im Zusammenhang der Bereiche Theorie und Öffentlichkeit. Der Autor findet ideologisch bedingte Engführungen, selbst noch in der zuletzt verfassten Philosophiegeschichte.

Im hier vorliegenden Teil 2 von "Die dunkle Metaphysik. Ein philosophiehistorischer Versuch zur Wiedergewinnung der Dunkelheit (Heraklit, Heidegger) gegenüber den Denkern des Lichts (Platon, Augustinus, Hegel)" beginnen die Autoren Iraklis Pantazis und Jan Kerkmann mit einer Darstellung von Heideggers Begriff der "Lichtung" als Gegenprogramm zur Monopolisierung des Lichts, die zu ausschließender, utilitaristischer Rationalität führe. Die Entstehung von deren Vorherrschaft in der Moderne wird anhand von Heideggers Hegelkritik nachvollziehbar gemacht, ebenso dessen Nihilismusbegriff. Am Schluss werben die beiden Autoren für eine Integration beider gegenseitig abhängiger Perspektiven in eine gelingende philosophische Haltung.

Prof. em. Gerhard Tulodziecki geht es in "Zur Begründung oder Erklärung von Handlungen: intentionalistisch oder kausalistisch – oder besser systemisch denken?" darum, vor der Bewertung menschlichen Handelns – sei es in Selbstreflexion oder vor Gericht – ein Verfahren anzuwenden, das die Komplexität menschlichen Handelns berücksichtigt, und er stellt dazu ein mögliches Modell vor.

Bruno Heidlberger präsentiert in "Arendt – Vordenkerin einer europäischen Föderation und transnationalen Staatsbürgerschaft" Hannah Arendts Argumente für eine transnationale Staatsbürgerschaft, die diese aus ihren Erfahrungen mit Flucht und Vertreibung gewonnen habe. Im Mittelpunkt stehen dabei ihre Auseinandersetzung mit dem Zusammenhang von Nationalismus und Imperialismus mit der Entstehung von Antisemitismus und Rassismus und ihre Forderung, Menschenrechte international abzusichern.

"Hegels 'Geist' aus Sicht von Kants kritischer Vernunft" wird der Leserschaft von Thomas Krumm in drei Schritten erläutert. Zunächst erklärt er zwei Sichten auf 'Geist', die sich aus Hegels Werk ergäben, woraus verschiedene Funktionen des Geistes in der Geschichte und für den Menschen entstünden. Sodann stellt er Kants Betonung der individuellen Moral und dessen gattungsbezogenes Geschichtsbild vor, besonders die sich daraus ergebende individuelle Freiheit und Verantwortung. Diese vermisst er bei Hegels Aussagen, ihre Notwendigkeit untermauert er zusätzlich mit Argumenten Poppers.

Tobias Jung setzt seine Reihe "Immanuel Kant und die Naturwissenschaft. Bemerkungen zu den Bedingungen der Möglichkeit der Physik als Wissenschaft in der Kritik der reinen Vernunft" mit Teil 5 fort, in dem es um die Logik der Wahrheit und die Logik des Scheins geht. Da die Physik sicheres Wissen aus dem Bereich der Erfahrungen gewinne, bewege sie sich auf recht sicherem Boden. Wichtig sei aber das Mitbedenken von Kants Antinomien der reinen Vernunft, was hier am Beispiel der kosmologischen Antinomie vorgeführt wird, denn diese böten Denkanstöße zur Ergebnisüberprüfung und -einordnung.

In seinen Reflexionen über "Das Komische als Element zwischen dem Radikalen Bösen und dem Radikalen Guten. Überlegungen im Anschluss an Arthur Schopenhauers Ethik" geht Prof. Rudolf Lüthe von dem Bewusstsein der menschlichen Unvollkommenheit als Basis von Witz und Komik aus. Nach der Darstellung von Gegenargumenten, gewonnen aus Schopenhauers Mitleidsethik, gelangt er zu einer Kulturtheorie, die das Komische in den Bereich der menschlichen Selbstkultivierung zurückholt.

"Kann und soll der Mensch durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden?" Mit dieser Frage befasst sich Prof. Dr. Dagmar Fenner in ihrem hochinformativen Text, in dem sie versucht, den Anspruch der digitalen Ethik einzulösen, einen Beitrag zu leisten zu kritischem Bewusstsein und ethischer Sensibilisierung im Hinblick auf KI. Dazu beleuchtet sie eine Vielzahl von Einzelbereichen, vom Intelligenzbegriff über die Kompetenzen von KI bis zur Frage nach deren Moralfähigkeit und Bewusstsein.

Zu den Quellen der europäischen Kultur führt uns Gerhard Engel in "Seitenblicke. Ein Forschungsprogramm im Rahmen des Evolutionären Humanismus. Teil I. Die 'Orestie' des Aischylos – ein Welt-Gedicht". Zunächst begründet er die Sinnhaftigkeit von Interdisziplinarität, um sich dann den Leistungen des Aischylos für diese Kultur zu widmen. Er zeigt den Klassiker als jemanden, der mit seinen Tragödien Lernprozesse theaterwirksam gestaltet und die Entwicklung in der Polis Athen beeinflusst hat, und auch uns noch manches lehren könnte.

Das Forum eröffnet Prof. Karl-Heinz Dignas mit "Markt versus Staat". Darin setzt er sich mit der Problematik Kapitalismus versus Sozialismus auseinander, strikt unter der Perspektive der darin jeweils Agierenden. In "Gleichheit, Differenz, Identität, Inklusion, Solidarität" stellt Bruno Heidlberger Gedanken und Argumente Hannah Arendts zur Pluralität in modernen Gesellschaften und zum Gelingen von Pluralismus vor. Vom selben Autor stammen "Kritische Anmerkungen zu Christian J. Zellers Analyse des Rechtspopulismus. Wenn die Erzählung von der unterdrückten Meinungsfreiheit zur Entlastung der Rechtsradikalen wird". Einen Blick auf historische Fehlentwicklungen des philosophischen Diskurses wirft Prof. Anton Grabner-Haider in seinem Artikel "Die Zerstörung moralischer Grundwerte: Philosophische Aufrüstung in beiden Weltkriegen und die Folgen". Vor modernen Fehlentwicklungen warnt Ingo Elbe in "'Postmoderner Wahn in Historyland'. Die Rückkehr der Götter in Dipesh Chakrabartys postkolonialer Theorie", indem er in dessen Theorie eine Abkehr von wissenschaftlicher Rationalität und universellen Werten sieht. Assia M. Harwazinski weist in "Die Menschenrechtsproblematik aus islam- und religionswissenschaftlicher Sicht – ein bescheidener Versuch" auf die vielfältigen Probleme hin, die für die Durchsetzung der Menschenrechte von Religionsgemeinschaften ausgehen. In "Grenzbestimmungen der Philosophie im Denken Kierkegaards und Wittgensteins" arbeitet Moritz René Pretzsch das jeweilige Konzept der Vernunft und dessen Grenzen sowie die existentiellen Fragestellungen beider Philosophen heraus. Den Einfluss Lichtenbergs auf Schopenhauer macht Ernst Ziegler in seinem "Materialsammlung" genannten Beitrag "Schopenhauer und Lichtenberg" gut nachvollziehbar. Der Hauptteil schließt mit zwei Berichten von Ulrike Ackermann-Hajek: zuerst der "Bericht über das Forum 'Die offene Gesellschaft und ihre Zukunft' am 11. Oktober 2025 in Nürnberg" und abschließend zusammen mit Frank Schulze "'Feuerbach ist geil!' Bericht über das Tagesseminar der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft in Nürnberg am 8. November 2025".

Am Ende des Heftes findet man noch eine Reihe interessanter Rezensionen, die Neuzugänge in der Redaktion, wichtige Informationen der GKPN und einen Leserbrief, der Denkanstöße geben will.

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