Vorfall bei Amazonassynode:

Fundamentalist wirft "heidnische" Fruchtbarkeitsfiguren in den Tiber

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Von der Engelsbrücke warf der katholische Fundamentalist die indigenen Holzfiguren in den Tiber
Engelsburg mit Engelsbrücke

Während der Amazonassynode im Vatikan hat ein fundamentalistischer Katholik hölzerne Figuren aus einer Kirche entwendet und sie in den Tiber geworfen. Der Pressechef des Kirchenstaats ist empört, andere überzeugte Christen feiern den Täter, der sein Vorgehen auf Youtube veröffentlichte.

Epische Filmmusik erklingt, als die neuen Helden der Ewiggestrigen die Kirche Santa Maria in Transpontina betreten, sich zunächst auf einer Kirchenbank niederlassen – vermutlich, um Gott um Beistand für ihre heldenhafte Tat zu bitten –, um sich dann vier Holzfiguren aus einer Seitenkapelle zu greifen, sie aus der Kirche zu tragen, auf der Balustrade der Engelsbrücke aufzureihen und sie dann eine nach der anderen in den Tiber zu schubsen. "Dies geschah nur aus einem einzigen Grund", steht in der Beschreibung unter dem Video, "unser Herr und Heiland Jesus Christus, seine gesegnete Mutter und jeder, der Christus folgt, wird von Mitgliedern unserer eigenen Kirche angegriffen. Wir akzeptieren das nicht! Wir sind nicht länger still! Wir fangen jetzt an zu handeln! Denn wir lieben die Menschheit, wir können nicht akzeptieren, dass Menschen einer bestimmten Region nicht getauft werden sollten und ihnen deshalb der Einlass in den Himmel verwehrt wird. (…) Es gibt keinen zweiten Weg der Erlösung." Die Kommentatoren sind begeistert und schreiben Dinge wie "Es wäre besser gewesen, sie zu verbrennen und die Asche zu verstreuen, aber das ist auch gut!" Mittlerweile gibt es auch diverse Fan-Videos.

Die Holzfiguren, um die es geht, sind identische Darstellungen einer nackten, schwangeren indigenen Frau, die zusammen mit anderen Gegenständen wie einem Boot oder Teppichen bei der Eröffnung der Synode im Petersdom zum Einsatz kamen. Die Figuren waren auch Teil einer Zeremonie, an der Papst Franziskus teilnahm, und wurden anschließend in Santa Maria in Transpontina in der Nähe des Vatikans ausgestellt. Fundamentalistischen Katholiken war das ein Dorn im Auge. Die Frauenfigur sei nur ein Fruchtbarkeitssymbol und Ausdruck von Identität sagen die einen, eine Darstellung der vorchristlichen "Pachamama", der Mutter Erde, die Maria Konkurrenz machen will, die anderen. Schnell waren Vokabeln aus unrühmlichen missionarischen Zeiten aus der religiösen Mottenkiste gekramt: Von einem "heidnischen Kult" und einem "Götzenbild" ist da die Rede, gar von einer "häretischen Zurschaustellung des Heidentums". Auch der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti, mit dem domradio.de ein Interview führte, findet den Diebstahl zwar "geschmacklos", spricht aber auch davon, dass es eine "Gefahr" wäre, wenn die Figuren verehrt würden. Glücklicherweise seien sie aber ja weit weg vom Hochaltar aufgestellt worden.

Klare Worte kommen vom vatikanischen Pressechef, Paolo Ruffini: "Das ist eine Geste, die dem Geist des Dialogs widerspricht. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das war ein Diebstahl. Die Tat spricht für sich", zitiert ihn der Bayerische Rundfunk (BR). Das kirchliche Netzwerk "Red Eclesial Panamazónica" (REPAM) verurteilte die Tat laut VaticanNews in einer Pressemitteilung schärfer: Hier spricht man von "gewalttätigen Handlungen, die religiöse Intoleranz, Rassismus und unterdrückerisches Verhalten widerspiegeln, die vor allem die indigenen Völker treffen." Die Seite katholisches.info nennt das einen "Kniefall vor dem Heidentum".

Prominente Unterstützung bekamen die Verfechter des "wahren Glaubens" von keinem geringeren als Kardinal Gerhard Ludwig Müller: "Der eigentliche Fehler war gewesen, die Götzenbilder in die Kirche zu bringen, nicht, sie wieder daraus zu entfernen", sagte der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation laut kath.net in einem Interview mit dem katholischen Fernsehsender EWTN. Während die Entfernung zwar gegen menschliches Recht verstoßen könne, sei das Hineinbringen "eine schwere Sünde, ein krimineller Akt gegen das göttliche Recht" gewesen.

Bleibt die Frage, wieso es diesen (allmächtigen) Gott nicht wirklich interessiert zu haben scheint, dass die Holzfiguren in zweien seiner Häuser aufgestellt worden waren und wieso es eines selbsternannten Helden bedurfte, sie wieder daraus zu entfernen.