Gott sitzt im Bundestag

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Volker Kauder im Deutschen Bundestag, 2014
Volker Kauder im Deutschen Bundestag, 2014

Volker Kauder ist nicht nur Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag, nein, er ist zudem eifriger Verfechter der Menschenrechte. Also eigentlich nur eines: Dem auf Religionsfreiheit.

Laut dem evangelikalen Magazin idea erklärte er bei einer Veranstaltung des Vereins "Verantwortung und Werte" – auf dessen Webseite unübersehbar der Spruch prangt: "Im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen" am 28. August in Magdeburg – dass für ihn das Recht auf Religionsfreiheit das wichtigste Recht auf der ganzen Welt sei: "Die Religionsfreiheit schafft dem Menschen einen Bereich, in dem er niemandem Rechenschaft ablegen muss. Sie ist das bedeutendste Menschenrecht überhaupt."

Kein Wort davon, dass diese Lesart der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bereits den Artikeln 1 und 2 ebendieser widerspricht ("Alle Menschen sind von Geburt an gleich und frei" sowie "Niemand darf diskriminiert werden."), denn allein dass sich – laut Kauder – jede Religion über diese beiden Artikel erhebt, ist ein Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot und und das Gleichheitsgebot. Denn leider ist es doch so, dass jede Religion meint, sie allein habe die Weisheit kellenweise zu sich genommen und stünde haushoch über allen anderen.

Nicht umsonst kommt in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Punkt mit der Religionsfreiheit erst an achtzehnter Stelle. Die 17 vorangehenden Artikel müssen erst einmal möglich gemacht sein, ehe man über Religion schwadroniert. Oder, um es mit Brecht zu sagen: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral."

Tatsächlich ist es die blanke Angst, die Kauder umtreibt. "Es wird kein christliches Abendland mehr geben, wenn es keine Christen mehr in der Bevölkerung gibt." Kann sein, dann wird es vielleicht endlich ein humanes oder gar humanistisches "Abendland" geben.

Es wäre alles nicht der Erwähnung wert, was der Herr Kauder sich so ausdenkt, wenn er nicht (noch) solch einen großen politischen Einfluß hätte: Immerhin ist der Mann kein Hinterbänkler des Deutschen Bundestags und seine Handschrift zeigt sich in der Verhinderung der Sterbehilfe durch den Bundestag, in seiner Ablehnung der PID und darin, dass seinerzeit der Papst im Bundestag reden durfte.

Dieses Land wird von Menschen regiert, für die ihr imaginärer Freund wichtiger ist als die grundlegendsten Menschenrechte. Da wundert einen nichts mehr …