USA steigen aus globalen HIV/Aids-Maßnahmen aus

Millionen Menschenleben bedroht

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HIV-1. Transmission electron micrograph
HIV-1. Transmission electron micrograph

Der Rückzug der USA aus den globalen Maßnahmen gegen HIV/Aids gefährdet Millionen Menschenleben. Deutsche und österreichische Organisationen fordern daher dringend neue Lösungen.

Die Weltgemeinschaft hatte sich das Ziel gesetzt, Aids bis 2030 zu beenden. Die globalen Maßnahmen gegen HIV/Aids waren auf einem guten Weg. Doch der Rückzug der USA, der größten Finanzierungsquelle, bedroht die bisherigen Erfolge. Ohne neue Finanzierungsquellen drohen Millionen Aids-Tote, HIV-Neuinfektionen und Aids-Waisen. Die Aids-Epidemie könnte zurückkehren.

HIV-Behandlung und Prävention unverzichtbar

"Es ist unverantwortlich, Menschen die lebensrettende Therapie vorzuenthalten. HIV wird sich dann wieder schneller verbreiten, Aids mehr Menschenleben fordern", sagt Prof. Dr. Stefan Esser, Vorsitzender der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG). "Epidemien müssen global und national bekämpft werden."

Prof. Dr. Alexander Zoufaly, Präsident der Österreichischen AIDS-Gesellschaft, betont: "Die HIV-Therapie reduziert nachweislich Mortalität und Morbidität bei Menschen mit HIV. Effektive Therapie verhindert auch HIV-Neuinfektionen. Die Verfügbarkeit von HIV-Diagnostik und moderner Therapie muss gewährleistet und ausgebaut werden."

Rückzug der USA

Die USA haben bisher maßgeblich zur Bekämpfung der Epidemie beigetragen. Ihr Programm PEPFAR finanziert die HIV-Therapien von schätzungsweise 20 Millionen Menschen weltweit. Nun hat die Trump-Regierung den Ausstieg bei UNAIDS verkündet und internationale Hilfsmaßnahmen ausgesetzt. Viele Einrichtungen in stark betroffenen Ländern haben bereits geschlossen, Personal wurde entlassen. Die Zukunft des PEPFAR-Programms ist ungewiss.

Schätzungen zufolge haben bereits mehr als 20.000 Menschen durch das Aussetzen der Hilfsprogramme ihr Leben verloren. Unkontrollierte Therapiepausen können Resistenzen gegen Medikamente fördern.

Millionen Menschenleben bedroht

Laut UNAIDS könnten bis Ende 2029 rund 9 Millionen neue HIV-Infektionen und mehr als 6 Millionen Aids-Tote zu verzeichnen sein, wenn die US-Mittel dauerhaft ausfallen. Besonders gefährdet sind junge Frauen und Mädchen in Afrika, Männer, die Sex mit Männern haben, trans Personen, Drogenkonsumenten, Sexarbeiter*innen, Menschen in Haft und Migrant*innen aus Ländern mit hoher HIV-Prävalenz.

Dringender Handlungsbedarf

"Menschen die HIV-Therapie oder ihren Schutz zu entziehen, wird in einem humanitären Desaster enden, wenn die Welt nicht gemeinsam handelt", sagt Stefan Miller vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe. "Wir brauchen dringend eine neue Architektur der globalen Maßnahmen gegen HIV."

Sylvia Urban vom Aktionsbündnis gegen Aids fordert: "Wirtschaftlich starke Nationen wie Deutschland und Österreich müssen führende Rollen übernehmen. Die Welt braucht nachhaltiges Engagement und neue Führung."

Dr. Roger Vogelmann von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte für Infektionskrankheiten und HIV-Medizin (dagnä) plädiert für eine europäische Lösung: "Europa kann nicht zusehen, dass wieder ein Massensterben beginnt."

Finanzierungsbedarf

Im Herbst steht eine neue Finanzierungsrunde für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria an. Der Bedarf liegt bei 18 Milliarden Dollar. Ohne die USA wird es schwer, diese Summe zu erreichen. Deutschland sollte laut dem Aktionsbündnis gegen Aids 1,8 Milliarden Euro in den Globalen Fonds einzahlen. In Österreich müssen die 0,1 Prozent für gesundheitsbezogene Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stehen.

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