Tag der Menschenrechte in Nürnberg

"Wir brauchen mehr Menschlichkeit, Solidarität und neue humanistische Visionen"

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Der bfg Nürnberg bei seiner Aktion vor der Straße der Menschenrechte
Aktion zum Tag der Menschenrechte

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Der bfg Nürnberg bei seiner Aktion vor der Straße der Menschenrechte
Aktion zum Tag der Menschenrechte

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Der bfg Nürnberg bei seiner Aktion vor dem Memorium Nürnberger Prozesse
Aktion zum Tag der Menschenrechte

"Make law, not war." Unter diesem Motto versammelte sich am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, auf Einladung des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Nürnberg eine Gruppe Aktivistinnen und Aktivisten, um am Eingang zur Straße der Menschenrechte für humanistische Werte zu demonstrieren.

"Make law, not war." Recht statt Krieg. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung zum Tag der Menschenrechte ist inspiriert von Benjamin Ferencz, dem letzten noch lebenden Chefankläger der Nürnberger Prozesse, deren Beginn sich 2020 zum 75. Mal jährte. Vor dem Hintergrund dieses geschichtsträchtigen Jubiläums war es dem bfg Nürnberg als humanistische Organisation am Ort des Geschehens ein umso bedeutsameres Anliegen, für die Durchsetzung der Menschenrechte einzustehen.

Die Nürnberger Prozesse als Geburtsstunde für Menschenrechte und internationales Völkerrecht

Die Nürnberger Prozesse sind ein wichtiger Meilenstein in der Entstehungsgeschichte der Menschenrechte. Ab dem Jahr 1945 wurden Hauptkriegsverbrecher des nationalsozialistischen Deutschlands in Nürnberg vor Gericht gestellt. Nie zuvor hatten sich Politiker oder Militärs eines Staates für verübte Gräueltaten vor einem internationalen Gericht verantworten müssen. Damit wurde der Grundstein für das moderne Völkerstrafrecht gelegt, das im Gegensatz zum zuvor vorherrschenden Recht des Stärkeren die Ahndung staatlicher Verbrechen durch Bestrafung einzelner Verantwortungsträger erlaubt.

Drei Jahre später, am 10. Dezember 1948, folgte dann als weitere Reaktion auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und die von den Nationalsozialisten verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen, die die kollektiven und individuellen Rechte aller Menschen beinhaltet.

Den Nürnberger Aktivistinnen und Aktivisten war es ein besonderes Anliegen, an dieses Erbe und diese Verantwortung anzuknüpfen, weiterhin für das Ideal der Menschenrechte einzustehen und die Achtung dieser grundlegenden Rechte aller Menschen einzufordern. Julian Wagner, Initiator und Versammlungsleiter, untermauerte die Botschaft der Aktion: "Sieht man die Herausforderungen der letzten 75 Jahre und denkt an die kommenden Jahrzehnte, wird klar: Wir brauchen mehr Menschlichkeit, Solidarität und neue humanistische Visionen. Auch, um als Gesellschaft zukünftige Aufgaben, wie die Folgen des menschengemachten Klimawandels und den dadurch verursachten massiven Zuwachs an klimainduzierter Migration, zu bewältigen. Die Menschenrechte müssen bei der Frage, wie wir zukünftig zusammenleben wollen, die unverrückbaren Leitplanken bilden!"

Benjamin Ferencz: Advokat des Friedens

Benjamin Ferencz
Benjamin Ferencz, der letzte noch lebende Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen
(Foto: US Army photographers on behalf of the OCCWC via Wikimedia Commons)

Benjamin Ferencz blickt auf ein bemerkenswertes Lebenswerk zurück. Seine Beteiligung an den Nürnberger Prozessen ebnete den Weg für sein lebenslanges Engagement für den Frieden, für den er sich auch mit seinen inzwischen 100 Jahren noch unermüdlich stark macht. Anlässlich des 75. Jahrestages der Nürnberger Prozesse zog Ferencz Bilanz und wies in einer Videobotschaft darauf hin, dass auch heute, ein dreiviertel Jahrhundert nach diesem historischen Ereignis, Krieg und Menschenrechtsverletzungen als Mittel zur Wahrung von staatlichen Eigeninteressen noch an der Tagesordnung seien.

So appellierte Ferencz in aller Deutlichkeit: "Mein Prinzip ist 'Recht statt Krieg'. […] [I]ch weiß, dass sich in dieser Welt vieles ändern muss. Zuerst muss sich etwas im Herz und dann im Geiste ändern, um den Krieg als Mittel zur Beilegung von Streitigkeiten zu ächten." (Link zur Videobotschaft)

Um dieser Botschaft Ausdruck zu verleihen, versammelten sich Nürnberger Humanistinnen und Humanisten zum Tag der Menschenrechte an der Straße der Menschenrechte, um friedlich und unter Beachtung der aktuellen Maßnahmen zum Infektionsschutz für die Einhaltung der Menschenrechte zu demonstrieren. Auch der bfg Fürth unterstützte mit Hansjörg Albrecht die Aktion tatkräftig: "Humanistische Werte werden von einer breiten Mehrheit getragen und wir tun gut daran, unsere Weltanschauung zu vertreten – gerade wenn Gruppierungen wie die selbsternannten 'Querdenker' Begriffe kapern und sich auf Menschen- oder Freiheitsrechte berufen, während sie sich dabei gegen jede Vernunft unsolidarisch verhalten."

Konstantin Haubner, Vorstandsmitglied im bfg Nürnberg und Gründer der Humanistischen Hochschulgruppe an der Universität Erlangen, gibt sich optimistisch: "Trotz Menschenrechtsverletzungen auch heute, im Iran, China und anderen Staaten, sollte man nicht aus den Augen verlieren, wie weit wir als globale Gemeinschaft in 100 Jahren vorangekommen sind. Und gerade das sollte uns als Ansporn dienen, weiter für das Ideal einer gerechteren Welt einzustehen. Mit dem bfg Nürnberg ist es uns ein Anliegen, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen in ihrer Vielfalt zusammenkommen können, um gemeinsam weiter an dieser Vision für die Zukunft zu arbeiten."

Bestärkt werden die Nürnberger Freigeister und Humanisten in ihrem Optimismus abermals von Ferencz, der in seiner Videobotschaft zum Jahrestag der Nürnberger Prozesse Mut machte: "Niemals aufgeben, niemals aufgeben, niemals aufgeben!"

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