Polen
Schächtverbot ist verfassungswidrig
In Polen tobt seit einigen Jahren der Kampf darum, ob das Schächten - das rituelle Töten von Tieren - erlaubt sei. Nun hat der Oberster Gerichtshof in Warschau geurteilt: Rituelles Schlachten ist wieder erlaubt.
Das Gericht stellte fest, dass das vor zwei Jahren in Polen verhängte Schächtverbot verfassungswidrig ist und aufzuheben sei.
Ob dieses Urteil Bestand haben wird, muss sich zeigen, denn das Schächten ist mit den Regeln des Tierschutzes nicht vereinbar. Die Richterin Maria Gintowt-Jankowicz begründete das Urteil nicht nur mit der Religionsfreiheit, "sondern auch mit dem fehlenden wissenschaftlichen Nachweis der Tierschützer, dass eine direkte und schnelle Tötung schmerzhafter sei als eine langsame mit Betäubung."
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Na, dann warten wir mal drauf
Na, dann warten wir mal drauf, dass das Steinigen von Holzsammlern am Sabbat wieder erlaubt wird. Zu polemisch? Nur in der Dimension. Was mich an diesen ganzen "Hin-und-Hers", an diesem juristischen Tauziehen - auch in Bezug auf Beschneidung, Burka, religiöse Symbole etc. - wirklich nervt, ist diese Rechthaberei religiöser Gruppen. Es geht um einen Machtkampf, darum, dem Rechtsstaat doch noch etwas von den alten Vorschriften abringen zu können. Und aus diesem als wesentlichstem Grund bin ich für ein Zurückdrängen jeder Religion ins Private: Es geht nicht darum, was wäre das Vernünftigste bei dieser oder jener Frage des Zusammenlebens, sondern um einen letzten Sieg des Aberglaubens über die Vernunft. Wie hieß es in dem Bericht? "»Dies war eine lange und schwierige Kampagne«, kommentiert Oberrabbiner Michale Schudrich das Urteil." Na, das hat sich ja gelohnt, die Schlachttiere wird es freuen...
Ich sehe das ganz genauso. In
Ich sehe das ganz genauso. In einen demokratischen und vor allen sekularen Rechtsstaat müssen sich alle Bürger den gleichen Regeln beugen. Religion hat m.E. etwas mit Glauben zu tun und darauf sollten sich die Rechte auch beschränken. Es ist völlig absurd, für Religionen alle möglichen Regeln und Gesetze für eine Gruppe von Menschen außer Kraft zu setzen, nur weil es die Religion verlangt. Dann könnten wir auch gleich die Sklaverei und rituelle Tötung von Menschen wieder zulassen.
Ich bin zwar gegen das
Ich bin zwar gegen das Schächten von Tieren, halte aber ein Verbot des Schächtens bei gleichzeitiger Erlaubnis der Massentierhaltung und -schlachtung für doppelzüngig. Offenbar geht es dann doch nicht nur um den Tierschutz.
Die Massentierhaltung ist
Die Massentierhaltung ist sicherlich ein Thema, was im Kontext des Tierschutzgesetzes noch viel Klärungsbedarf aufweist.
Aber bei der Problematik des Schächtens geht es um die Tötungsart, nicht die Haltung. Nur weil wir Fleischproduzenten haben, die sich nicht an bestehenden (Tierschutz-)Gesetze halten, kann dies kein Argument für das Tolerieren des Schächtens sein.
Die Schlachtungen bei der
Die Schlachtungen bei der Massentierhaltung sind aus meiner Sicht um keinen Deut tierfreundlicher als das Schächten. Es sollte beides verboten werden. Wenn man nur das jüdische und muslimische Schächten verbieten wollte, müßte man nachweisen, daß es grausamer ist als das was beim gläubigen Katholiken Wesjohann (Chef des Hühnermassenvernichters Wiesenhof) passiert. Aus meiner Sicht ist beides gleichermaßen abzulehnen.
Die Frage, ob das Schächten
Die Frage, ob das Schächten dem Tierschutz widerspricht ist zumindest noch offen - beide Seiten führen Argumente an. Aber @ B.K.: Wie kommen Sie darauf, das Holzsammeln am Shabbat mit Steinigung bestraft wurde? Belege? Beispiele?
Da gibt es ein interessantes
Da gibt es ein interessantes Buch, "die Bibel" genannt. In dessen Pentateuch steht (4. Mose 15,32-36: "32 Und als die Söhne Israel in der Wüste waren, da fanden sie einen Mann, der am Sabbattag Holz auflas. 33 Und die ihn gefunden hatten, wie er Holz auflas, brachten ihn zu Mose und zu Aaron und zu der ganzen Gemeinde. 34 Und sie legten ihn in Gewahrsam, denn es war nicht genau bestimmt, was mit ihm getan werden sollte. 35 Da sprach der HERR zu Mose: Der Mann soll unbedingt getötet werden die ganze Gemeinde soll ihn außerhalb des Lagers steinigen. 36 Da führte ihn die ganze Gemeinde vor das Lager hinaus, und sie steinigten ihn, dass er starb, so wie der HERR dem Mose geboten hatte." Da die Geschichten des Fünfbuches Mose ätiologische Sagen sind, geht es dabei nicht um eine einzelne Verirrung Gottes, sondern - wie üblich - um ein Beispiel, anhand dessen die Mitglieder des Volkes Israel sehen sollten, dass Holzsammeln am Sabbat verboten ist und bei Zuwiderhandlung mit dem Tod bestraft wird. Reicht das? Zum Schächten: Wir habe eher zu wenig Tierschutz, als zu viel (Stichworte: Massentierhaltung etc.). Dies ist teilweise unserem übermäßigen Fleischkonsum geschuldet. Würde jeder nur 10% dessen verzehren, was er zurzeit zu sich nimmt, würde sich die Fleischindustrie umstellen. Doch diese real existierenden Missstände sind kein Freifahrtschein, noch einen weiteren Missstand (das Schächten) obendrauf zu packen. Denn Schächten wurde nicht aus Tierschutzgründen entwickelt, sondern um einem willkürlichen "Reinheitsgebot" zu entsprechen. Heutzutage ist dies genauso obsolet, wie Zwangsbeschneidung am lebenden Menschen, da wir bessere Methoden der Hygiene haben. Hier sind die Religionen aufgefordert, dazuzulernen, wie wir insgesamt als Gesellschaft jeden Tag unser Verhalten auf den Prüfstand stellen sollten. Niemand kennt irgendeine Wahrheit, alle können sich irren und deshalb müssen wir uns laufend evolutionär weiterentwickeln. Stillstand im Denken erzeugt Rückschritt! Bei den Holzsammlern am Sabbat hat dies das Judentum auch perfekt hinbekommen. Ich bin optimistisch, dass in Kürze der nächste Reformschub kommt.