Predigt, Gedenken, Karneval und Demo

Politik und Kommerz

Dritte Station: Ohrenbetäubender und Bauchfellvibrierender Lärm durchschallt die Bereitstellungszone des komplett abgesperrten oberen Kurfürstendamms am Kranzler-Eck. In vier Reihen stehen die vorbereitenden LKWs und auch kleinere Fahrzeuge nach Zugnummern versetzt sortiert auf den beiden Seiten des Ku’damms. Wer etwas auf sich hält – und es sich leisten kann, so ein Gefährt zu bezahlen -, hat mindestens einen Tieflader als Präsentationsfläche. Alle stehen noch zusammen, Neugierige wandern durch die Reihen, Aktive tänzeln, küssen sich und lachen. Auf den Wagen werden jetzt bereits die Boxen aufgedreht – und was für Boxen; mit ihnen könnte man auch ganze Hallen beschallen.

 

 

Alle im Bundestag vertreten Parteien haben sich nicht lumpen lassen und ein Fahrzeug beigesteuert, auch die LSU, die Lesben und Schwulen in der Union, der CDU. Tieflader mit gewichtigen Stromerzeugern (schallgedämpft, denn nichts soll den Lärm stören) sind das Mindeste. Die Wagenaufbauten wachsen, zusammengeschweißt, teilweise bis ins zweite Stockwerk.

It’s Party time

Leere Kartons für jeweils sechs Sektflaschen liegen bereits vor der Beginn des Umzugs auf dem grünen Mittelstreifen und die Akteure unterschieden sich von den Zuschauern nicht nur durch die Kleidung, sondern durch mindestens eine Flasche Bier in der Hand. Auf jeweils 1 Akteur kommen geschätzte 999 Zuschauer und Touristen, die sich das Spektakel ansehen wollen.

In einem bunten Pulk stehen die LKWs mit Dildo-Werbung, Lady Gaga, Veranstaltern von Gaypartys ebenso wie dem Arbeitskreis schwuler Soldaten und die Berliner Verkehrsbetriebe. Die Fraktion Die Linke, steht direkt hinter der LSU der CDU, ein mobiler Dark-Room „macht Lust auf Stromsparen“, die Lufthansa und IKEA sind auch dabei. Es ist wie im Karneval – obwohl man hier ja gerade dem Fleisch nicht Adé sagt, ganz im Gegenteil.