Der Bund für Geistesfreiheit (bfg) Bayern veröffentlicht achtmal im Jahr die Sendung "Menschsein". Die Sendungen werden von BR2 innerhalb des Formats "Positionen" ausgestrahlt. An diesem Sonntag um 6:45 Uhr erscheint die neueste Folge.
Die Osterfeiertage stehen vor der Tür und damit ein langes Wochenende, das viel Raum zum Ausschlafen und damit die Gelegenheit zum ausgiebigen Feiern bietet: Tanzen bis in die Morgenstunden, sich des Lebens freuen, den Alltag hinter sich lassen... Wie schön, dass es da gleich mehrere Tage am Stück gibt, die sinnigerweise "Feiertage" heißen. In diesem Jahr könnte man von Donnerstag, 2. April bis Montag, 6. April praktisch "durchmachen".
Leider geht das aber aufgrund des gesetzlichen Tanzverbots und dessen strikter Umsetzung nur bedingt. Die Regelungen zu den "Stillen Tagen" unterscheiden sich in den einzelnen Bundesländern ein wenig. In Bayern sind es neun Tage, die mit einem Tanzverbot belegt sind. Zu Ostern erstreckt sich das Tanzverbot von 2 Uhr an Gründonnerstag bis 24 Uhr an Karsamstag. Also dürfte man eigentlich erst in der Nacht auf Ostersonntag um Mitternacht mit dem Tanzen beginnen.
Es ist dem bfg München und namentlich dessen Vorsitzender Assunta Tammelleo zu verdanken, dass es inzwischen Ausnahmen von diesem Verbot gibt. Der Bund für Geistesfreiheit München begehrte nämlich bereits vor fast 20 Jahren auf, initiierte 2007 die erste "Heidenspaßparty", brachte die Erzdiözese München auf den Plan, beschäftigte die Polizei und schöpfte den bis dahin offiziell legalen Party-Rahmen aus: Mit Schoko-Buffet und A-cappella-Gesang.
Dann schlug er den Rechtsweg ein und bekam im Oktober 2016 vor dem Bundesverfassungsgericht endlich Recht: Ja, es darf gefeiert werden – zwar bis heute nur mit speziellem Antrag und einer offiziellen Genehmigung, aber es ist möglich. Die Bayerische Staatsregierung wurde zudem aufgefordert, das (bislang verfassungswidrige) Gesetz nachzubessern – was bis heute nicht geschehen ist.
Erste "Heidenspaßparty" nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in München, mit "Wort zum Karfreitag" von Michael Schmidt-Salomon.

Foto (Ausschnitt): © David Farago
Gislinde Nauy, stellvertretende Vorsitzende des bfg Bayern, hat bei Assunta Tammelleo – der Initiatorin dieser phänomenalen Entwicklung – nachgefragt, wie alles begann und wie und wo im Jahr 2026 der Karfreitagstanz stattfinden wird. In einem 15-minütigen Interview kann man sich hier über Geschichte und Gegenwart der "Heidenspaßpartys" umfänglich briefen lassen.
Dabei ist eine zentrale Frage, die den einen auf den Nägeln brennt und die anderen müde abwinken lässt: Was geht das eigentlich die große stille Masse an Party-Muffeln an? Betroffen sind hier doch wohl nur all jene Feierwütigen, denen es nicht genügt, an allen anderen Tagen im Jahr die Nacht zum Tag zu machen und zu lauter Musik herumzuspringen. Warum sollten sich alle anderen von diesem Thema angesprochen fühlen oder es gar zu ihrer Sache machen?
Assunta Tammelleo ist nicht nur Vorsitzende es Bund für Geistesfreiheit München, sondern seit Jahrzehnten aktiv für die Trennung von Staat und Kirche sowie Bürger- und Menschenrechte. Sie ist regelmäßig Initiatorin und Gastgeberin für säkulare und satirische Veranstaltungen. Von Anfang an war sie Kuratorin der Giordano-Buno-Stiftung. Seit ihrer Jugend ist sie politisch aktiv für Feminismus und gegen Diskriminierung. Seit Jahren realisiert sie die Preisausschreibung "Frecher Mario" und initiierte eine konsequente Gedenkkultur für den Anschlag auf Charlie Hebdo.
Hier findet Assunta Tammelleo sehr klare Worte: Wenn christliche Religionen durchdrücken können, dass an bestimmten Tagen auch Nichtzugehörige ihrer Gemeinschaft nicht tanzen dürfen, sei es kein weiter Weg, dass auch andere Religionsgemeinschaften dergestalt Einfluss nehmen, indem beispielsweise Kleidervorschriften wie ein Kopftuch für Frauen in der Öffentlichkeit an jedem Tag des Jahres eingeführt werden könnten. Sie mahnt eindringlich dazu, die bestehende Gesetzeslage ernst zunehmen und sich auf die Seite der Feiernden zu stellen.
Zuletzt gibt es noch Tipps für Club-Betreiber*innen, die Interesse haben, ebenfalls "Heidenspaßpartys" ins Leben zu rufen. Durch den großen Einsatz des bfg München finden in der Landeshauptstadt natürlich die meisten Veranstaltungen statt, doch wäre es begrüßenswert, wenn bald jeder Ort in Bayern sein eigenes Event anbieten könnte.
Wo und wann in diesem Jahr gefeiert wird, veröffentlicht der bfg München auf seiner Website, sobald die Anträge genehmigt sind. Eine Übersicht über die "Stillen Tage" in Bayern findet man hier.
Die ganze Sendung kann man am Sonntag, 15.03.2026, 6:45-7:00 Uhr auf BR2 anhören.
Die Sendungen bei BR2 und gelegentlich auch ausführlichere Interviews sind in der Mediathek des bfg Bayern sowie auf Spotify und Apple Podcasts unter dem Titel "Menschsein – der Podcast des bfg Bayern" nachzuhören.
Hinweis der Redaktion: Dass es in Bayern die meisten "Stillen Tage" gibt, ist nicht korrekt, in Hessen gibt es sogar 15. Dies wurde am 13.03.2026 um 13:30 Uhr korrigiert.






