Es werde Licht: Elektrifizierung in Afrika

hpd: Es ist also ein internationales Zusammenspiel.

Schopp: Das ist nicht unbedingt die Regel, aber man kann es dahin bringen. Weil in Afrika auch genügend Gelder existieren, um eigene Leute zu bezahlen, die in den Dörfern leben. Die können von ihrer Landesverwaltung oder von der Bezirksverwaltung bezahlt werden.

 

hpd: Und hier kommt ja die Schulbildung wieder ins Spiel. Denn die Leute, die eine gute Schulbildung genossen haben, können diese Aufgaben wie auch administrative Tätigkeiten übernehmen.

Schopp: Und das ist, finde ich, sehr wichtig, dass die Bevölkerung in so einem Dorf dafür zuständig ist, die eigene Stromversorgung zu bauen. Sämtliche Materialien sind vorhanden, sind in diesem Container oder in den weiteren Kisten, die wir dabei packen. Das Material für die erste Phase: Kabel und Lampen sind in unserer Lieferung vorhanden.

 

hpd: Ihr liefert also doch Lampen aus Luxemburg?

Schopp: Aus Deutschland. Oder aus Europa. Für die erste Phase. Und in der ersten Phase wird der Container aufgebaut, werden Solarmodule aufgebaut, werden die Hauptstromkabel gelegt, in die Dörfer rein.

 

hpd: Das machen die Afrikaner?

Schopp: Das machen die Leute vor Ort. Nach Anleitung, sie bekommen also Unterricht. Jetzt ist die erste Phase abgeschlossen. Die kann etwa zwei Wochen dauern. Dann ist es soweit aufgebaut. Einige Menschen werden schon in den Genuss der Energieversorgung kommen, vor allem wichtige Funktionen wie der Bürgermeister, die Schule, ein zentraler Platz im Dorf, vielleicht wird die Straßenbeleuchtung in Gang gesetzt, vielleicht gibt es einen Orden, vielleicht eine Klinik. Zentrale Einrichtungen kommen als erste in den Genuss der Energieversorgung.

In der zweiten Phase wird das Netz erweitert, verdichtet. In der ersten Phase waren schon Menschen aus dem Dorf nötig, die in diesem Projekt gearbeitet haben. Die wurden auch für ihre Zeit bezahlt. In der zweiten Phase bildet sich aus den Menschen der ersten Phase ein fester Kern von vielleicht drei bis fünf Männern. Und diese drei bis fünf Männer sind dafür zuständig, die Stromversorgung zu pflegen, auszubauen, zu reparieren, wenn es nötig ist – dafür Sorge zu tragen, dass sie erhalten bleibt.

Diese Männer sind dann auch dafür zuständig, das Geld einzusammeln. Was für die Benutzung nötig ist.

 

hpd: Wie? Ich habe ja immer noch nicht raus, wie das funktioniert. Die Diskrepanz besteht für mich darin, dass die Leute eigentlich nur ihre Geräte bezahlen, aber trotzdem regelmäßig etwas abgeführt werden muss.

Schopp: Aber nur soviel, wie sie sonst bezahlt hätten für das Öllampenlicht.

 

hpd: Sie bezahlen also weiterhin soviel, wie sie ohnehin bezahlt hätten und dafür erhalten sie jetzt Licht, Radio– was auch immer.

Schopp: Soviel, wie sie selber finanzieren können.

 

hpd: Was fällt darunter? Ventilator, Kühlschrank – Kühlschrank haben nur die Reichen. Wie sieht es mit einer Waschmaschine aus?

Schopp: Nein, das gibt es nicht. Eine Waschmaschine braucht Druckwasser, braucht mehr Leistung, um den Motor in Gang zu halten und braucht vor allen Dingen auch warmes Wasser. Eine konventionelle Waschmaschine würde das warme Wasser mit elektrischem Strom machen. Und das ist nicht gut. Das braucht zu viel Energie.

 

hpd: Einen Waschsalon kann man im Ort also nicht betreiben?

Schopp: Das wäre nicht anzustreben. Dafür gibt es vielleicht andere Maßnahmen. Das funktioniert aber auch. Der erste Ansatz ist ja, dass Licht dahinkommt, Licht für Afrika. Zum selben Preis wie für die Kibatari. Und Männer aus den Dörfern werden dazu befähigt, das System in Gang zu halten, zu pflegen und zu verwalten – und diese Männer können jetzt aus der Dorfgemeinschaft bezahlt werden! Das heißt, sie finden darin ihre Arbeit.

 

hpd: Für drei bis fünf Männer des Dorfes gibt es dann also Arbeit. Und diese können damit wiederum ihre Familien versorgen.

Schopp: Aus dem Grund ist es wichtig, dass in dem Dorf eine Struktur vorhanden ist, die das verwalten kann. Also ein Bürgermeister mit entsprechenden Kompetenzen und Verantwortungen, weil unter Umständen pro Tag eine ganze Menge Geld zusammenkommt. Natürlich nicht in der ersten Phase, sondern beginnend in der zweiten Phase, in der dritten Phase. In der vierten Phase – das sind meist zwei Jahre – ist das System so ausgebaut, dass es selbstverwaltend funktioniert.
Ein Dorf in dieser Größe, mit 162 Haushalten, mit bis zu 1200 Menschen, hat Tag und Nacht elektrischen Strom zur Verfügung. Und das im Prinzip selbst finanziert.
An der Stelle ist es ganz wichtig zu erwähnen: Das System funktioniert ja nicht unendlich. Da kann immer mal etwas kaputtgehen oder ausfallen. Und das, was kaputtgeht und ausfällt oder was für den Ausbau nötig ist, kann aus dem Geld finanziert werden, was gesammelt wird. Es müssten ja nicht genau 38 Cent gezahlt werden wie vorher mit den Öllampen. Es könnte auch weniger sein. Weil das Projekt ja zu 100 Prozent finanziert ist. Aber was geschenkt ist, ist nichts wert. Die Leute bezahlen also dafür, dass die Technik da ist.

Und wenn ich für die Technik bezahle, kann ich auch mit dem gesammelten Geld Gerätschaften ersetzen, die kaputtgehen. Nach etwa zehn bis zwölf Jahren wird der Batteriespeicher zu erneuern sein. Länger kann der nicht halten. In meinem Konzept hält der Speicher satte zehn Jahre, zwei Jahre sogar mit Vollgarantie. Zwei Jahre kann ich leisten von Europa nach Afrika, und zehn Jahre pro rata. Pro rata bedeutet, wenn die Batterie nach den zwei Jahren Vollgarantie, zum Beispiel im siebten Jahr ausfällt, dann bezahlt die Dorfgemeinschaft für die neue Batterie siebzig Prozent. Und der Lieferant dreißig Prozent.

Oft wird gefragt: Wie soll sich das denn finanzieren? Ja – von selber! Im Prinzip könnten die Leute ein Darlehen zurückzahlen. Wenn ein afrikanisches Dorf für ihre eigene Stromversorgung in Europa ein Darlehen bekommen würde, wäre das eine tolle Sache.

 

hpd: Wenn ich mir dein Papier anschaue, sehe ich, dass es in dem Beispiel immer noch einige Häuser gibt, die keine Stromversorgung haben. Warum haben sie die nicht?

Schopp: Entweder sind sie zu weit außerhalb oder die Häuser sind in einem so schlechten Zustand, dass es nicht sinnvoll ist, dort Strom reinzulegen.

 

hpd: Das heißt, diese Leute sind am ärmsten, denn ansonsten hätten sie ja bessere Häuser.

Schopp: Genau. Und an der Stelle kann auch die Verantwortung eines Dorfes einsetzen, sich um die Ärmsten in ihrer Bevölkerung zu kümmern.

 

hpd: Indem sie ihnen helfen, ein besseres Haus zu bauen oder in einer sonstigen Weise helfen.

Schopp: Genau.