Es werde Licht: Elektrifizierung in Afrika

hpd: Möglicherweise ist das ja Unsinn. Nichtsdestotrotz muss man das Geld in eine Anlage investieren, was ein Dorf mit 162 Haushalten einfacher machen kann als ein Individuum. Aber auch hier in Deutschland könnte eine Dorfgemeinschaft sagen: So, wir hätten auch gerne so etwas. Stell uns mal einen Container hin und wir finanzieren das dann teilweise, nehmen ansonsten einen Kredit auf. Es wäre theoretisch möglich, dass ein Dorf in Deutschland so etwas macht oder eine andere kleine Ansammlung von Haushalten.

Schopp: In Deutschland würden sie ohne weiteres einen Kredit bekommen, aber in Afrika nicht. Und aus diesem Grund ist es natürlich sinnvoll, wenn eine NGO oder ein europäischer Staat Gelder zur Verfügung stellt – die auch da sind –, um für solche Projekte die Finanzierung zu bewerkstelligen.

 

hpd: Aber es ist trotzdem ein Kredit, den die Leute aufnehmen und dann abbezahlen? Ich meine, du verdienst ja auch Geld damit, nehme ich mal an.

Schopp: Ja, denn unsere Projekte werden über die Gelder der Staaten finanziert, die es in der Kasse haben. Wie zum Beispiel Luxemburg: Das Lux Development hat eine bestimmte Menge Geld zur Verfügung, um Projekte, die wir in Afrika abwickeln, zu finanzieren.

 

hpd: Das muss sich doch für irgendjemanden amortisieren! Das heißt, ihr verdient dran – du selber auch –, die Leute in Afrika profitieren davon, weil sie Strom haben. Diesen Strom bezahlen sie aber auch.

Schopp: Okay, dann müssen wir mal trennen. Ich bin ja kein Wohltätigkeitsverein. Natürlich mache ich einen positiven Umsatz, um meine Struktur in Luxemburg, meine Firma, finanzieren zu können, um meinen Angestellten auch Löhne zahlen zu können.

 

hpd: Ja, ihr baut die Container und es dürfte – auch aufgrund des hohen Gehaltsniveaus in Luxemburg – sehr viel Geld kosten, sie zu bauen. Dann wird der Container verschifft, das kostet auch nochmal Geld. Es dürfte also insgesamt ziemlich viel Geld kosten, den Container herzustellen, ihn zu transportieren, bis er an seinem Bestimmungsort irgendwo in Afrika steht. Dort müssen die Kabel gelegt werden...

Schopp: ...das machen an der Stelle dann schon die Leute. Wir bauen das in Luxemburg, machen das alles versandfertig für die Spedition mit allem drum und dran. Dann ist dieses große Paket fertig und wird per Schiff nach Afrika transportiert.

 

hpd: Aber hier bezahlt es die Luxemburger Regierung?

Schopp: Ja, einen Teil. Und ein anderer Teil der Summe wird über Spenden finanziert, die zum Beispiel durch eine NGO aufgebracht werden. Also 100 Prozent der Finanzierung findet in Europa statt.

 

hpd: Das heißt, der Container ist bereits bezahlt, wenn er ankommt?

Schopp: Genau. An der Stelle kann man fragen: Warum wird denn das überhaupt gemacht? Warum engagiert sich eine NGO, irgendetwas in Afrika zu machen?

 

hpd: Und warum engagieren sich die Länder wie Luxemburg und Deutschland...

Schopp: Ablasshandel, oder... (lacht)?

 

hpd: Was mich interessiert, ist: Der Container ist zu 100 Prozent finanziert und dort vor Ort müssen die Leute nur noch ihre Energiesparlampen und ihre Elektrogeräte kaufen und die Verkabelung übernehmen.

Schopp: Und da setzt wieder ein Teil ein: Ich habe hier Arbeitsplätze geschaffen, weil wir Container bauen. Weil wir diese Art der Energieversorgung hier zusammenstellen können, mit den technischen Möglichkeiten ausgestattet sind, um so etwas zuverlässig und in höchster Qualität herzustellen. Es muss die höchste, die beste Qualität sein, die man finden kann. Weil es nachher sechseinhalbtausend Kilometer von Europa entfernt ist und wenn etwas kaputtginge, könnte eventuell das ganze System ausfallen. Also sollen Produkte, die nach Afrika gehen, von höchster Qualität und Güte sein.

 

hpd: Woran bemisst sich das?

Schopp: An der Zuverlässigkeit, der Art und Weise, wie diese Geräte gebaut werden.

 

hpd: Was sind das für Materialien? Ist es Silizium? Sind das Eisen- oder Stahlkonstruktionen?

Schopp: Wie bemisst sich die Qualität eines Produktes?

 

hpd: Zum Beispiel eine geringe Störanfälligkeit. Es kann, wenn es gut gearbeitet ist, durch externe Faktoren nicht so leicht beeinträchtigt werden, wie etwa durch Sandstürme, die es in Afrika gibt, oder durch Regengüsse. Man muss die Umweltfaktoren berücksichtigen.

Schopp: Und deshalb müssen die Geräte von hoher Qualität sein.

 

hpd: Okay. Wie viel kostet denn so ein Container?

Schopp: Etwa 200.000 Euro. Für ein 162 Haushalte Dorf.

 

hpd: Also plus minus 150 bis 200 oder genau 162?

Schopp: Das Beispiel ist auf 162 Haushalte skaliert. Es können ohne weiteres 150 Haushalte sein, es könnten aber auch 180 Haushalte sein. Da ist ein gewisser Spielraum drin.

 

hpd: Das heißt, wenn es weniger Haushalte in einem kleineren Dorf sind, wird es anteilig teurer?

Schopp: Ja, dann wird es anteilig teurer. Es ist ja immer der gleiche Container. Es gibt eine Grundausstattung, die muss auf jeden Fall gegeben sein, die wird auf jeden Fall bezahlt. Und die Grundausstattung ermöglicht die Versorgung einer bestimmten Menge Haushalte. Aber wenn ich Kosten durch Haushalte dividiere, wird das natürlich bei weniger Haushalten anteilig teurer sein als wenn ich auf das Maximum gehe oder sogar zehn bis zwölf Prozent darüber liege, also in diesem Beispiel 185 bis 190 Haushalte. Das würde prinzipiell gehen. Das Optimum für diesen Container liegt aber bei 162 Haushalten.

Die Kosten nach jetzigen Faktoren sind etwa 185.000 Euro. Soviel würde ein solches Containerkonzept mit sämtlichem Material ab Lager Luxemburg kosten. An dieser Stelle setzt es ein. Diese Summe ist zu 100 Prozent finanziert, aus Europa. Selbst der Transport wird noch finanziert, das ist gar nicht einmal so teuer. Für unter 4.000 Euro kommt dieser Container von Luxemburg bis in irgendein afrikanisches Dorf in Tansania.

Jetzt kommt dieser Container in Afrika an, in einem Dorf, das vorher schon einmal besucht wurde. Die Bewohner des Dorfes werden jetzt angeleitet, dass sie die Energieversorgung selber aufbauen. Das heißt, es steht auch Geld zur Verfügung für die Arbeitsleistung. Dieses Geld kommt teilweise von den afrikanischen Ländern.