Die Molekularbiologin Renée Schroeder spricht in einem Interview über den Zufall in der Evolution und ihre Überzeugung, dass Gott ein von Menschen erdachtes Mittel der Unterdrückung ist.
Darin kritisert sie unter anderem, dass es in Österreich keine gute naturwissenschaftliche Ausbildung in der Volksschule gibt. "Dort scheint oft der Religionsunterricht von der Zahl der Stunden her wichtiger."
Renée Schroeder stellt fest, dass es eine regelrechte Angst vor den Naturwissenschaften gibt. "Die Angst kommt durch mangelndes Verständnis. Und es gibt zu viele Tabus, wenn es um die Erforschung des Menschen geht. Es ist zum Beispiel jedem klar, dass man Hunde und Pflanzen mit bestimmten Eigenschaften züchten kann. Genau das Gleiche passiert natürlich auch beim Menschen."
Angesprochen auf andere Wissenschaftler, die ihren Glauben mit der Wissenschaft (scheinbar) vereinbaren können, sagt sie: "In den Köpfen der meisten Menschen ist Gott immer personifiziert: der Mensch als Produkt der Schöpfung und als Ebenbild Gottes. In Wahrheit ist es umgekehrt: Der Mensch hat Gott erdacht. Ich glaube übrigens auch nicht an die Konstanz der Naturgesetze. Beim nächsten Big Bang werden diese höchstwahrscheinlich andere Werte haben..." Damit macht sie auch klar, dass die Evolution nicht zielgerichtet verläuft, sondern von Zufällen abhängig ist - wie dem der Bedingungen, die der Big Bang mit sich brachte. "Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Evolution noch einmal genau so abliefe, ist praktisch null."
Gefragt nach Kritik von Seiten der Kirche an ihrer Haltung entgegnet sie: "Jedenfalls hat sich Gott als Instrument der Unterdrückung sehr bewährt. Das ist weder gut noch wünschenswert. Aber es war eine Zeitlang evolutionär erfolgreich. Wie es ja auch evolutionär erfolgreich war, dass man gegen religiös Andersdenkende vorgegangen ist. Gotteslästerung ist ja immer noch eine furchtbare Sünde."





