Sebastian Schnelle

Der Autor ist promovierter Philosoph und betreibt den Podcast "vorpolitisch", in dem er sich mit gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart beschäftigt und mit Gästen v.a. aus Wissenschaft und Forschung spricht. Er hat zum Islamismus geforscht und publiziert und arbeitet aktuell an einem Buch über die Neue Rechte in Deutschland und ihre Ideengeschichte.

Artikel des Autoren

Danger Dan

Ist das von der Kunstfreiheit gedeckt?

Der abgesagte ZDF-Auftritt von Danger Dan und Igor Levit hat eine heftige Debatte über Kunstfreiheit, politische Verantwortung und die Grenzen künstlerischer Provokation ausgelöst. Im Zentrum steht der neue Song „Keine Angst“, dessen Text von den einen als antifaschistische Kunst, von den anderen als gefährliche Radikalisierung und impliziter Gewaltaufruf gelesen wird. Der Fall wirft die grundsätzliche Frage auf, wo die Grenze zwischen legitimer Kunstfreiheit und gesellschaftlicher Verantwortung öffentlich-rechtlicher Sender verläuft.

Polizeiabsperrung (Symbolbild)

Attentäter von Schongau: Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus

Nach übereinstimmenden Medienberichten soll ein dem mutmaßlichen Täter des Messerangriffs an einem Gymnasium in Schongau zugeschriebenes Manifest von Frauenhass, Antisemitismus und der Verherrlichung rechtsextremer Gewalttäter geprägt sein. Der Fall verdeutlicht, welche Rolle digital vernetzte Radikalisierungsräume bei der Entstehung extremistischer Gewalt spielen können und vor welche Herausforderungen sie Sicherheitsbehörden stellen.

Prof. em. Ulrich Steinvorth

Rechtsruck und Souveränität: Politische Philosophie im Praxistest

Vorgestern war Prof. em. Ulrich Steinvorth bei den “Skeptics in the Pub” Hamburg zu Gast. Steinvorth war lange Jahre Professor für Praktische Philosophie an der Universität Hamburg und gehört zu Deutschlands profiliertesten politischen Philosophen. An diesem Mittwochabend widmete sich sein Vortrag der Frage, ob ein Mehr an Souveränität ein geeignetes Mittel sei, den weithin zu beobachtenden Rechtsruck zu bekämpfen, und welche Antworten die politische Philosophie zu diesem Thema beizutragen hat.

Buchcover

Ein kleines bisschen schizophren

Zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA legt der Historiker Philipp Gassert mit “Die Bipolare Nation – Was Amerika der Welt gegeben hat. Im Guten wie im Schlechten” eine zugespitzte Bilanz der amerikanischen Geschichte vor.

Gebäude des Bundesamtes für Verfassungsschutz

Verfassungsschutz: Mehr Fokus auf legalistische Ansätze

Der neue Verfassungsschutzbericht bestätigt Bekanntes und setzt zugleich neue Akzente. Während Rechtsextremismus nach wie vor als größte Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung gilt, rückt der Bericht erstmals den Begriff des "strategischen Islamismus" in den Mittelpunkt. Gleichzeitig warnt der Verfassungsschutz vor der zunehmenden Online-Radikalisierung immer jüngerer Menschen. Ein Trend, der Rechtsextremismus und Islamismus gleichermaßen prägt und neue Herausforderungen für Demokratie und Präventionsarbeit mit sich bringt.

Symbolbild

Legislative Arbeitsverweigerung

Welche Anforderungen müsste ein Gesetz erfüllen, um in Streitfragen rund um eine Änderung des Geschlechtseintrags tatsächlich Rechtsklarheit und Rechtsfrieden herzustellen? Zahlreiche Streitfälle zeigen, dass das Selbstbestimmungsgesetz zentrale Folgefragen zu Hausrecht, Diskriminierung und den Wirkungen des Personenstands weitgehend offenlässt und damit erhebliche Rechtsunsicherheiten erzeugt.

Das Podium

Behördlicher Blindflug

In Berlin fand am 24. Juni die Veranstaltung "Vom 'Blindflug' zur Transparenz: Was folgt aus dem Förderskandal um Islamic Relief?" statt. Im Mittelpunkt stand die Kritik an der Förderung von Islamic Relief Deutschland durch das Auswärtige Amt in Höhe von rund 15 Millionen Euro sowie der Umgang mit Warnhinweisen zu möglichen Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Diskutiert wurden insbesondere die Ergebnisse eines als "Blindflug" bezeichneten Prüfberichts des Bundesrechnungshofs und die Frage nach mehr Transparenz in der staatlichen Förderpraxis.

Symbolbild

Soll man lachen oder weinen?

Homosexualität sei Sünde, Muslimas dürften keine Christen heiraten, Geigenmusik und Uno seien verboten: Der TikTok-Prediger Alaá El Sayed vertritt Positionen, die man ohne Weiteres als ultrakonservativ bezeichnen kann. Umso erstaunlicher ist, dass die ZEIT diese kaum kritisch einordnet, sondern vor allem darüber diskutiert, ob der Prediger überhaupt als radikal gelten darf.

Buchcover

Kooperation oder Konfrontation? Der Streit in der Neuen Rechten um den Umgang mit dem Islam

Die Auseinandersetzung mit einem islamkritischen Werk aus dem Jungeuropa Verlag eröffnet nicht nur einen Einblick in die Debatten der Neuen Rechten, sondern schärft auch die Konturen einer säkular-humanistischen Gegenposition. Dabei zeigt sich, wo seine Kritik am Islamismus berechtigt ist und warum seine Verallgemeinerungen über Muslime und den Islam dennoch nicht überzeugen.

Fußball-Pokal

Die Mär von den abgewiesenen WM-Sportlern

Ein Bericht über angeblich benachteiligte muslimische Sportler bei der Fußball-WM der Männer 2026 hat ein breites Echo in religiös geprägten Medien ausgelöst. Doch bei näherer Betrachtung stützt sich die Kritik vor allem auf wenige Einzelfälle, während belastbare Belege für eine systematische Diskriminierung muslimischer Spieler bislang fehlen. Was bleibt, ist die grundsätzliche Frage, wie demokratische Staaten zwischen Sicherheitsinteressen und dem Vorwurf religiöser Benachteiligung abwägen sollen.