Drei mögliche neue Feiertage, die der ganzen Menschheit gehören könnten

planets2013-uk.svg_.png

Positionen der Planeten im Sonnensystem
Sonnensystem

Viele Feiertage weltweit und auch in Deutschland sind religiös konnotiert. Das ist – zumal hierzulande – nicht mehr zeitgemäß. hpd-Autor Paul Adrich schlägt neue Feiertage vor, die sich an astronomischen Ereignissen orientieren.

Jetzt, wo Pfingsten naht, lohnt es sich, mal über neue Feiertage nachzudenken. Feiertage, die nicht an eine bestimmte Religion oder Kultur gebunden sind, sondern die (mehr oder weniger) die ganze Menschheit betreffen.

In diesem Artikel will ich drei solche Tage vorstellen, die es in meinen Augen verdient hätten, als Feiertage behandelt zu werden. Wie genau die Traditionen aussehen würden, wie genau man sie feiern könnte, ja ob sich der Gedanke überhaupt durchsetzen wird, das ist eine andere Frage.

All diesen Tagen liegen astronomische Ereignisse zugrunde. Sie betreffen sozusagen die ganze Erde und somit die ganze Menschheit, nicht eine bestimmte Kultur oder Menschengruppe.

1. Perihel

Bekanntermaßen umrundet die Erde die Sonne nicht auf einer perfekten Kreisbahn, sondern auf einer Ellipse. Im Durchschnitt sind wir etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt (genauer: 149.597.870,7 Kilometer), was in der Astronomie auch als Astronomische Einheit bekannt ist.

Aber da die Bahn halt eine Ellipse ist, sind wir der Sonne mal etwas näher und mal etwas weiter weg.

Der Zeitpunkt, an dem die Erde der Sonne am nächsten ist, nennt man Perihel. (Nebenbei bemerkt haben auch alle anderen Himmelskörper, die um die Sonne kreisen, ihren eigenen Perihel, jeder Planet, jeder Komet, jeder Asteroid … aber uns interessiert an dieser Stelle nur die Erde.)

Zu diesem Zeitpunkt ist die Erde etwa 147 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt – die genaue Zahl schwankt jedes Jahr um ein paar Tausend Kilometer.

Auch das Datum schwankt leicht von Jahr zu Jahr: 2026 und 2027 fällt es auf den 3. Januar, 2028 auf den 5. Januar, 2029 auf den 2. Januar und 2030 dann wieder auf den 3. Januar. Auch wird dieser Tag nicht immer auf Anfang Januar fallen. Im Schnitt verschiebt sich der Perihel alle 58 Jahre um einen Tag.

Dass der sonnennächste Punkt zu einem Zeitpunkt stattfindet, wo bei uns auf der Nordhalbkugel Winter ist, mag einen erst mal überraschen – ein Leser auf der Südhalbkugel wäre freilich deutlich weniger überrascht. Aber die Jahreszeiten haben nur sehr wenig mit dem Abstand des Planeten zu Sonne und viel mehr mit der Neigung der Erdachse zu tun.

Dies ist also der erste Tag, der in meinen Augen ein guter Kandidat wäre für einen Feiertag, den die ganze Menschheit begehen könnte. Alle Kulturen geben der Sonne eine große Bedeutung – zu recht.

2. Aphel

Wenn es einen Punkt gibt, wo die Erde der Sonne am nächsten ist, gibt es natürlich auch einen Zeitpunkt, wo die Erde am weitesten von der Sonne entfernt ist. Dies wird als Aphel bezeichnet. Hier beträgt unser Abstand vom Zentralgestirn etwas mehr als 152 Millionen Kilometer. Wie beim Perihel schwankt die genaue Zahl auch jedes Jahr um ein paar Tausend Kilometer und wie beim Perihel schwankt auch das Datum von Jahr zu Jahr: 2026 fällt es auf den 6. Juli, 2027 auf den 5. Juli, 2028 auf den 4. Juli, 2029 wieder auf den 6. Juli und 2030 auf den 4. Juli. (Genau wie beim Perihel beziehen sich die Daten auf die Ortszeit in Deutschland. In UTC wäre etwa der Aphel des Jahres 2028 schon am 3. Juli.)

Es ist bei einer Ellipse wenig überraschend, dass der Punkt mit dem geringsten Abstand und der Punkt mit dem größten Abstand genau eine halbe Umrundung entfernt sind. In diesem Fall also ein halbes Jahr.

Dies gibt dem ganzen auch eine schöne Ausgewogenheit.

Ich persönlich fand es immer etwas ungünstig, dass zwischen Weihnachten und Ostern, den wohl größten Festen in der westlichen Welt etwa ein Vierteljahr liegt, zwischen Ostern und Weihnachten aber ein Dreivierteljahr. Wenn man stattdessen zwei Feste hat, die beide gleich weit voneinander entfernt sind, ergibt sich eine schöne Regelmäßigkeit.

3. Lichttag

Auch der dritte Tag hat etwas mit der Sonne zu tun, oder zumindest mit dem Sonnenlicht.

Es gibt nämlich einen Zeitpunkt, an dem grob 99 Prozent der Menschheit gleichzeitig Sonnenlicht sehen oder zumindest die Dämmerung. Dies mag etwas komisch klingen, weiß doch jedes Schulkind, dass während die eine Hälfte des Planeten von der Sonne beschienen wird, die andere Hälfte im Dunkeln liegt. Wie können dann so viele Menschen gleichzeitig Sonnenlicht abbekommen? Dies liegt an zwei Faktoren: erstens ist die Erdachse gekrümmt und zweitens ist die Menschheit nicht gleichmäßig um den Planeten verteilt

Aus der Tatsache, dass die Erdachse gekrümmt ist, ergibt sich, dass der Terminator (also die Grenze von Tag und Nacht) keine Linie ist, die komplett gerade vom Nordpol zum Südpol geht und den Äquator im rechten Winkel schneidet. Dies führt teilweise zu komischen Effekten, etwa dass an manchen Tagen die Sonne in Brasilien früher untergeht als in Irland, obwohl Brasilien laut Zeitzone mehrere Stunden "hinter" Irland ist.

Natürlich ist es immer noch so, dass die Hälfte der Erde beschienen wird, während die andere Hälfte im Dunkeln liegt, aber hier kommt der zweite Faktor ins Spiel: wie ungleichmäßig die Menschheit über den Erdball verteilt ist. Die Arktis ist, abgesehen von Forschungsreisenden, unbewohnt und auch der riesige Pazifik hat eine sehr geringe Bevölkerungsdichte. Und eben diese Erdteile sind es, die zu diesem Zeitpunkt im Dunkeln liegen, während Nordamerika, Südamerika, Europa, Afrika und fast ganz Asien entweder direkt Sonnenlicht abbekommen oder zumindest die Morgen- beziehungsweise Abenddämmerung erleben.

So stellt sich die Lage am 8. Juli um kurz nach 11 Uhr UTC dar:

In Kalifornien ist es 4 Uhr morgens und die meisten Menschen schlafen noch. Wer jedoch aus dem Fenster schaut, würde schon die Dämmerung sehen, über Mexiko und Texas geht die Sonne gerade auf, in Brasilien, der Karibik und dem Großteil von Kanada genießt man schon die morgendliche Sonne. Auf der anderen Seite des Atlantiks, in Dublin, London, Tunis und Abuja, ist es 12 Uhr. Aber wegen der Sommerzeit steht die Sonne dort nicht im Zenit. Das tut sie in N‘Djamena (Tschad) (wo es auch 12 Uhr ist, man kennt dort jedoch keinen Unterschied zwischen Sommer- und Winterzeit) und in Berlin, Rom und Wien, wo es zwar 13 Uhr Ortszeit ist, aber halt Sommerzeit. In Antananarivo auf Madagaskar ist es 14 Uhr und man genießt die Nachmittagssonne, ebenso in Sanaa (Jemen). In Neu-Delhi ist es halb fünf, die Leute freuen sich darauf, den Feierabend in der Sonne zu verbringen ... sofern es nicht zu heiß ist.

In Ulan-Bator (Mongolei), in Peking und in Phnom Penh (Kambodscha) ist es Abend.

In Tokio und Manila ist die Sonne schon untergegangen – ebenso wie in Kalifornien befindet man sich nun in der Dämmerung, aber natürlich der Abenddämmerung.

(Natürlich wird es an manchen dieser Orte auch regnen oder bewölkt sein. Trotzdem wird auch unter diesen Umständen ein gewisses Maß an Sonnenlicht die Menschen erreichen.)

Es ist allgemein bekannt, wie wichtig Sonnenlicht für das Wohlbefinden von Menschen ist. Was läge da näher, als diesen Licht Tag (oder Lux Day, Lumen Day oder wie immer man es nennen will) zu feiern?

Ein Problem wird dem Leser vielleicht aufgefallen sein: Aphel-Tag und Lux Day sind ziemlich nahe beieinander. Allerdings ist es nicht so, dass das, was ich oben beschrieben habe, nur auf den 8. Juli zutrifft, auch wenn es etwa zu diesem Zeitpunkt seinen Höhepunkt erreicht. Man könnte auch z. B. den 9. Juli wählen. Tatsächlich gilt es für einen Zeitraum von etwa 60 Tagen, von etwa dem 18. Mai bis etwa dem 17. Juli. Anstatt den Höhepunkt zu feiern, könnte man auch den ersten oder den letzten Tag feiern.

Werden sich diese drei Feiertage tatsächlich mal durchsetzen (oder auch nur einer davon)? Mit was für Traditionen, Liedern und Symbolen wird man sie begehen? Ich weiß es natürlich nicht, aber ich finde den Gedanken ziemlich spannend.

Unterstützen Sie uns bei Steady!