Netzpolitik.org nennt die Abschaffung des einzigen mehrsprachigen ARD-Radiosenders Cosmo eine "demokratische Bankrotterklärung". Dem Multi-Kulti-Radiosender soll zum 1. April 2027 der Stecker gezogen werden. An seine Stelle soll ein weiterer Mainstream-Musiksender treten.
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) hatte bereits 2008 einen ähnlichen Sender eingestellt: Der Spartensender "Radio Multikulti" wurde trotz umfangreicher Proteste aus dem Programm genommen. Gesendet wurde Musik aus aller Welt. Seit dem 1. Januar 2009 wird über die ehemaligen Frequenzen von "Radio Multikulti" das Programm von Cosmo ausgestrahlt. Das nun ebenfalls dem Rotstift der ARD zum Opfer fallen soll.
Die aktuellen Pläne des Westdeutschen Rundfunks (WDR) sehen vor, Cosmo ab dem 1. April 2027 grundlegend umzubauen. "Vorgesehen ist, das bislang mehrsprachige und interkulturell ausgerichtete Angebot in einen stärker auf junge Zielgruppen fokussierten Ableger von 1LIVE zu überführen. Im Mittelpunkt soll dabei ein Mainstream-Hip-Hop-Format stehen", schreibt das Branchenmagazin Radioszene.de.
Die Süddeutsche Zeitung erklärt, dass es unter den 70 öffentlich-rechtlichen Radiosendern ganz sicherlich einige gebe, auf die aus Kostengründen verzichtet werden könne. "Doch beim WDR trifft es ausgerechnet Cosmo. Der bislang eigenständige Sender … richtet sich an einen großen Bevölkerungsanteil, der von den Öffentlich-Rechtlichen eher vernachlässigt wird: Migranten und Menschen mit Migrationsgeschichte. Ein Drittel bis ein Viertel der Menschen in diesem Land also, ein Millionenpublikum."
Inzwischen regt sich gegen die Schließungspläne starker Widerstand. Der Spiegel titelt: "Fast 300 Prominente fordern Rettung von Radiosender Cosmo" und listet einige der Künstler auf, die eine aktuelle Petition unterzeichnet haben. Um noch einmal Radioszene.de zu zitieren: "Insbesondere die geplante Einstellung der muttersprachlichen Programme stößt auf Kritik. Betroffen wären unter anderem Sendungen in Italienisch, Türkisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch und Kurdisch. Auch Kooperationen mit mehrsprachigen Angeboten anderer ARD-Anstalten würden entfallen."
Neue Öffentlichkeit bekam der Protest, als sich Jan Böhmermann in seinem Podcast "Fest & Flauschig" am 7. Juni zu dem Thema zu Wort meldete. Darin sagte er, "dass es die Sender trifft, wo originelle Inhalte stattfinden, wo es noch spannende Moderatorinnen und Moderatoren gibt, wo es interessante Inhalte gibt". Dem selbst für das ZDF tätigen Moderator sei zwar klar, dass das System dringend reformiert werden müsse, "aber die Dinge wegzustreichen, die zum Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags gehören, ist das wirklich Dümmste, was man machen kann!"
Der Tagesspiegel kommentiert: "Cosmo kommt unter die Räder. Damit muss sich die ARD den Vorwurf gefallen lassen, im Sinne der AfD zu agieren. Ausgerechnet ein Programm zu beseitigen, das sowohl musikalisch als auch inhaltlich und sprachlich auf Vielfalt setzt, ist genau das, wovon die Wahlkämpfenden der rechtsradikalen Partei träumen. Weg mit dem woken Zeug!"
Ähnlich klingt es in dem Artikel von netzpolitik.org: Dort wird Cosmo als "Ausdruck einer demokratischen Gesellschaft" bezeichnet, "die offen und selbstbewusst sagt: kurdisch, türkisch, russisch, italienisch, polnisch und arabisch gehören zu uns – genauso wie die deutsche Sprache. Cosmo zeigt, wie unsere Gesellschaft ist und nicht wie die völkischen Gleich- und Angstmacher sie haben wollen". Er wirft der ARD vor, Medienpolitik zu machen, "die schon heute vor den Rechtsradikalen kuscht und deren politische Agenda in vorauseilendem Gehorsam umsetzt". Es sei "politisch fatal, den Rechtsradikalen ein schlüsselfertiges Haus hinzustellen – statt ihnen Steine in den Weg zu legen, wo es nur geht."







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