"Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es"

Am 21. und 22. Oktober wird es in Berlin eine offene Tagung zum Thema „Praktischer Humanismus in Deutschland“ geben.

Veranstalter sind der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten, die Giordano-Bruno-Stiftung, der Bund für Geistesfreiheit München und die Atheistische Hochschulgruppe Berlin.

Das Zitat von Erich Kästner als Titel der Veranstaltung kennzeichnet das Anliegen.

Dass säkulare Humanistinnen und Humanisten die bestehenden Machtverhältnisse mit spitzer Feder kritisieren und ihre hochgesteckten politischen Ziele stilvoll aufs Papier bringen können, ist bekannt. Doch welche Beiträge leisten sie konkret zum Aufbau einer menschenfreundlicheren Gesellschaft? Im öffentlichen Bewusstsein werden in dieser Hinsicht fast ausschließlich die sozialen Aktivitäten der beiden Großkirchen wahrgenommen. Allerdings sind die säkularen Kräfte in sozialen Angelegenheiten keineswegs untätig. Auch wenn sie, was die Marktanteile betrifft, selbstverständlich nicht mit den kirchlichen Sozialkonzernen Caritas und Diakonie konkurrieren können, so reicht das Spektrum humanistischer Hilfsangebote mittlerweile doch ebenfalls „von der Wiege bis zur Bahre“.

So erfreulich diese Entwicklung ist, besteht doch weitgehend Unklarheit darüber, wodurch sich diese humanistischen Hilfsangebote gegenüber der religiösen Konkurrenz auszeichnen. Gibt es ein spezifisches humanistisches Profil in der Sozial, Jugend- oder Altenarbeit? Unterscheiden sich säkulare Hilfsprojekte wirklich maßgeblich von den Angeboten der Caritas oder des Diakonischen Werkes? Und geht es den praktisch arbeitenden HumanistInnen tatsächlich um eine reale Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse oder letztlich doch nur um den Profit, der mit einem Engagement auf dem Feld der „Wa(h)re(n) Nächstenliebe“ erwirtschaftet werden kann?

Die zweitägige Tagung an der TU Berlin wird sich mit diesen Fragen auseinandersetzen und dabei einen Überblick über die vielfältigen sozialen Aktivitäten von Humanistinnen und Humanisten in Deutschland geben.

Die öffentliche Tagung findet im Mathematik-Gebäude der TU Berlin (Straße des 17. Juni 136, Nähe U-Bhf. Ernst-Reuter-Platz) statt.

 

Tagungsprogramm

Samstag, 21.10.06

13.00 Uhr: Einführung, Vorstellung der Arbeitsgruppenthemen (Raum MA004)

13.15–14.00 Uhr: Manfred Isemeyer (HVD Berlin): Voraussetzungen, Strukturen und weltanschauliche Aspekte der Arbeitsfelder des praktischen Humanismus am Beispiel des Humanistischen Verbandes in Berlin

14.15 – 15.30 Uhr: Parallele Arbeitsgruppen

Workshop I: Werteunterricht in der pluralistischen Gesellschaft (MA004)

Peter Kriesel (Fachverband Ethik e.V.)

Gerd Eggers (Humanistische Union)

Jaap Schilt (HVD Berlin)

Claudia Dantschke (Aypa-TV)

Workshop II: Let’s talk about Sex! (MA 041)

Dr. Gisela Notz (Bundesvorsitzende pro familia)

Silvia Heyer (pro familia Berlin):

Dr. Ines Scheibe (HVD Berlin)

Mina Ahadi (Int. Komitee gegen Steinigungen)

Workschop III: Soziales und humanitäres Engagement jenseits der Kirchen (MA042)

Michael Bauer (HVD Bayern)

Dr. Margit Witzke (HVD Berlin)

Wolf Steinberger (bfg München)

Eberhard Schinck (DFV, Ludwig-Feuerbach-Heim)

Workshop IV: Selbstbestimmung bei Krankheit und Sterben (MA141)

Gerhard Rampp (DGHS)

Gita Neumann (HVD)

Dr. Uwe-Christian Arnold (dignitas)

Workshop V: Feiern im Kreislauf des Lebens (MA144)

Dr. Andrea Richau (Fachverband für weltliche Bestattungs- und Trauerkultur)

Rica Gottwald (Jugendverein ‚Roter Baum’ Dresden)

15.30 Uhr: Kaffeepause

16.00- 18.00 Uhr: Fortsetzung der Arbeitsgruppen

18.00 Uhr: Abendessen

 

Sonntag, 22. Oktober 2006

9.30-13.00 Uhr: Plenum:Berichte aus den Workshops vom Vortag MA004)

Impulsreferate:

Dr. Carsten Frerk (FOWID): Empirische Befunde zum Praktischen Humanismus

Dr. Michael Schmidt-Salomon (GBS): Profil und Chancen des Praktischen Humanismus

Abschlussdiskussion: „Humanistischer Wohlfahrtsverband“ – eine notwendige Alternative zu Caritas/ Diakonie?

Podium: Eberhard Schinck (DFV), Dr. Volker Mueller (DFW), Gerhard Rampp (DGHS), Dr. Horst Groschopp (HVD), Dr. Gisela Notz (pro familia)

Moderation: Rudolf Ladwig (IBKA)

13.00 Uhr Mittagessen

14.00 Uhr Ende der Veranstaltung

 

Weitere Infos und Anmeldung unter:

http://www.praktischer-humanismus.de/