Ein Manifest

Vom anthropozentrischen zum veganen Humanismus

BONN. (hpd) Der Philosoph Bernhard H. F. Taureck legt in seinem schmalen Band "Manifest des veganen Humanismus" ein Plädoyer für ein Ende der menschlichen Tiernutzung in all ihren Bezügen vor. Auch wenn er etwas fragemtarisch und unstrukturiert vorgeht, kann er gute theoretische Argumente für eine Erweiterung des anthropozentrischen hin zum veganen Humanismus vorlegen.

Der Humanismus stellt den Menschen in den Mittelpunkt seines Selbstverständnisses. Daraus ergeben sich nicht notwendigerweise besondere Auffassungen, die etwa gegenüber den Tieren eingenommen werden könnten. Bezogen auf diese kann man ebenso die Ausnutzung bis zur Tötung wie die Entnutzung als Veganertum einfordern. Der Philosoph Bernhard H. F. Taureck gehört zu den Anhängern der letztgenannten Position. Denn er plädiert für eine Abkehr von einem menschenzentrierten hin zu einem veganen Humanismus. Dies ist das Anliegen seines gerade mal knapp über hundert Seiten starken Bandes "Manifest des veganen Humanismus". Denn: "Mit dem Ende aller Tiernutzung soll eine Bedingung geschaffen werden, dass die Tiere ihre moralischen Qualitäten ohne Anleitung und Beeinflussung durch die Menschen unter sich zur Geltung bringen. Wir haben die Pflicht, sie zu einer eigenen Ausübung ihrer Lebensansprüche frei zu lassen. Das Recht der Tiere besteht nur in Einem: Im Recht zur Regulation ihrer Angelegenheiten durch niemanden als sie selbst" (S. 13).

Bereits zu Beginn nimmt der Autor indessen eine Distanzierung von und eine Kritik an der Auffassung mancher Tierschützer vor, welche von der Ähnlichkeit oder Gleichheit von Mensch und Tier ausgehen. Demgegenüber betont er zunächst die Besonderheiten der Menschen hinsichtlich ihrer Projekte und demgegenüber die Andersheit aufgrund deren Fehlens bei den Tieren. Bei all dem nehme indessen der Mensch eine Nutzensperspektive gegenüber den Tieren ein. Gleichzeitig ignoriere er dabei die Folgen seines Handelns, etwa in Gestalt des Fleischkonsums, wobei dieser durch scheinbare Argumentation oder stumme Vermeidung nicht hinterfragt werde. Indessen sei diese Auffassung eher das Ergebnis neuerer Entwicklungen in der Geschichte, insbesondere des entfesselten Anstiegs der Güterproduktion. In der Antike habe es ein anderes Bewusstsein gegeben. Es bestand damals - weder als alleinige noch als dominierende Auffassung – aber durchaus ein veganer Humanismus. Als heute noch bekannteste Protagonisten gelten Pythagoras und Ovid.

Dann springt Taureck historisch nach vorn in das Zeitalter der Aufklärung. Kant habe zwar ebenfalls in Tieren nur Instrumente oder Objekte gesehen. Gleichwohl könne man mit Kant über Kant hinausdenken, was in seinem "Imperativ der ausnahmslosen Entnutzung der Fauna" mündet: "Niemand darf Tiere zum Zweck irgend einer Nutzung durch den Menschen weder halten, noch züchten, noch töten, noch zum Verzehr bringen, noch verzehren, noch sie dessen berauben, was sie für ihren eigenen Bedarf hervorbringen" (S. 69). Im Kontext dieser Ausführungen nimmt der Autor eine kurze Kritik an den Begründungen für den Fleischkonsum vor (vgl. S. 81) und setzt sich kritisch mit einschlägigen Diskursbestandteilen wie der Beschwörung der Toleranz durch Fleischkonsumenten (vgl. S. 89–95) auseinander: "Ihr Toleranzverhalten ist als Maske ihrer Tötungsbejahung der Tiere enttarnt. Sie tun so, als äßen sie ihren Geschmack und nicht getötete Lebewesen" (S. 94). Taureck geht aber weit darüber hinaus und plädiert für eine vollständige Entnutzung der Tiere.

Der Band wirkt in seiner Argumentation ein wenig fragmentarisch und unstrukturiert. Gleichwohl kann er für die Auffassungen gute Gründe benennen: Indessen fragt man sich, ob grundsätzlich ein Abschied vom menschenzentrierten Humanismus genommen werden muss. Die von dem Autor kritisierten Formen des Humanismus bedürfen hier nur einer selbstkritischen Aufklärung, die indessen die Achtung anderer leidensfähiger Lebewesen mit einbezieht. Es wäre von daher kein Bruch und Dissens, sondern eine Ergänzung und Weiterentwicklung. Taureck macht dies selbst anhand seiner Ausführungen im Kontext von Kants Kategorischem Imperativ deutlich. Beachtenswert ist darüber hinaus, dass der Autor eben nicht von einer Gleichsetzung von Mensch und Tier ausgeht und auch nicht Rechte den Tieren zusprechen will. Er bemerkt etwa: "Wir Menschen haben Pflichten gegenüber Tieren, obwohl oder weil diese keine von uns zu verwaltenden Rechte haben" (S. 106). Insofern birgt der alte menschenzentrierte als Konsequenz den neuen veganen Humanismus in sich.

Bernhard H. F. Taureck, Manifest des veganen Humanismus, Paderborn 2015 (Wilhelm Fink-Verlag), 124 S., 14,90 Euro

Kommentare (18)

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 25 Sep 2015 - 19:41

"Der Humanismus stellt den Menschen in den Mittelpunkt seines Selbstverständnisses." Der sog. klassische Humanismus. Der evolutionäre Humanismus nicht.

Johannes Freundlich (nicht überprüft)

Fr. 25 Sep 2015 - 21:45

Das nenn ich mal eine Weiterentwicklung!
Klingt äußerst vielversprechend.

DerTheoretiker (nicht überprüft)

Sa. 26 Sep 2015 - 09:32

Mir scheinen einige praktische Fragen bei Diskussionen über Veganertum oft zu kurz zu kommen:

1) Ist eine vegane Ernährung wirklich für jeden problemfrei möglich? Gerade im Hinblick auf Kinder, aber auch Menschen mit speziellen Nähstoffanforderungen, ist mir keine fundierte wissenschaftliche Quelle bekannt, die eine vegane Ernährungsweise uneingeschränkt empfiehlt.

2) Ist eine ausgewogene vegane Ernährung unter Einsatz ausschließlich heimischer Nahrungsmittel überhaupt möglich? Viele Nussarten, z.B. Paranuss, Erdnuss, Sesam wachsen hier schlicht und einfach nicht.

Auch wenn die derzeitige durchschnittliche Ernährungsweise der Menschen nicht den beiden oben angeführten Kriterien entspricht, sollte doch eine als ethische Norm ausgerufene Ernährungsweise - zumindest theoretisch - in der Lage sein, beide Kriterien zu erfüllen.

Ina Müller (nicht überprüft)

Sa. 26 Sep 2015 - 17:18

Antwort auf von DerTheoretiker (nicht überprüft)

Der Artikel liest sich aus Sicht eines Vertreters der "entwickelten Welt" einleuchtend und nachvollziehbar, auch aufgrund problemloser Substitutionsmöglichkeit benötigter Nährstoffe Dank hervorragender Supermarktdichte. Für Menschen aus Entwicklings- und Schwellenländern mit überwiegender Subsistenzwirtschaft handelt es sich dagegen um eine Luxusdiskussion. Ohne Tierhaltung ist dort eine ausgewogene Ernährung kaum möglich! Daher wird dort sowohl von FAO und UNO eine nachhaltige Tierhaltung gefördert. Ist "Humanismus" womöglich nur etwas für Wohlstandsbürger?

Ernst Voll (nicht überprüft)

Sa. 26 Sep 2015 - 20:19

Antwort auf von DerTheoretiker (nicht überprüft)

Berechtigte Frage. Es gibt dazu im Internet die widersprüchlichsten Aussagen. Ich persönlich würde davon abraten Kinder vegan zu ernähren. Eisen und Eiweiß ist für die Entwicklung von Kinder dringend notwendig. Zwar kann es durch gezielte Ernährung und Nahrungsergänzung weitgehend kompensiert werden. Allerdings haben wir ja heute das Problem, dass Eltern kaum mehr Zeit zum Kochen haben und auch nur in den wenigsten Fällen in der Lage wären einen entsprechenden Ernährungsplan aufzustellen.

Christian (nicht überprüft)

So. 27 Sep 2015 - 00:20

Antwort auf von DerTheoretiker (nicht überprüft)

Ich gebe Ihnen teilweise Recht. Diese Bedingungen einer gesunden Ernährung müssen für die Umsetzung erfüllt sein. Und das sind sie in den westlichen Industrienationen.
Würde ich im Nachkriegsdeutschland von den Erzeugnissen meines Bauernhofes leben müssen, würde ich keinen Gedanken an Veganismus verschwenden. Es ist stets eine Frage der Machbarkeit. Aber wir haben uns zivilisatorisch (zB. durch die Errungenschaft der rekombinanten Gentechnick zur Herstellung von Vit-B12) aus dem ökologischen Abhängigkeitsverhältnis vom Tier gelöst.

Ernährungsphysiologisch ist alles bekannt, was der Körper für Entwicklung und Überleben braucht. Im Gesundheitswesen ist die parenterale Ernährung bspw. für Palliativpatienten gut untersucht und an der Tagesordnung. Alles davon lässt sich in vitro herstellen, durch pflanzliche Pandants ersetzen und nach Bedarf kombinieren. Wenn man nun nicht von einer intravenösen Ernärhung abhängig ist, kann man muss der Genuss darunter auch nicht leiden ;)
Lediglich über die Quantität kann ich mir nicht vorstellen, dass man sich bzgl. der kindlichen Entwicklung und der Langzeitfolgen in allen Punkten sicher ist. Man ist es ja teils nicht einmal beim Erwachsenen... das fängt bei alltäglichen Dingen/empfohlenen Mindestdosen wie Vitamin D an. Da gibt es alljährlich neue Studienergebnisse und das muss nicht immer etwas mit 'Tier' zu tun haben.

Im Moment sehe ich die Sache so, dass Kinder -wie Tiere auch- nicht die Wahl haben und durch ihr natürliches Abhängigkeitsverhältnis zu den Eltern automatisch in einer natürlich-ölologischen Rolle stecken, die eine human-physiologische ausgewogene Ernährung (also inkl. Tierischem) erfordert, da nur sie für eine fehlerfreie Entwicklung garantieren kann (Sonderfälle wie Gendefekte, Allergien, Unverträglichkeiten und dergleichen mal ausgenommen).

Ob und inwiefern Säuglinge/Kinder zum 'Dummy' der Ideologie ihrer veganen Eltern gemacht werden sollten... nun, das ist ein heikles Thema, über das ich froh bin, mir momentan als Veganer keine Gedanken machen zu müssen. Ich hoffe, in Zukunft von der Entschlossenheit veganer Eltern profitieren zu können; auch wenn ich diese momentan noch kritisch sehe.

Die wissenschaftliche Grundlage hierfür sollte eine epdimiologische Untersuchungen der aktuellen Tier-frei lebenden Konsumenten in einigen Jahren vorliegen, wenn nicht schon geschehen. Theoretisch könnten immer noch unberücksichtigte Peptide oÄ. aus tierischen Erzeugnissen ein Zünglein an der Waage sein... aber das ließe sich wohl nie ausschließen. Hier gilt: wer behauptet, der muss auch liefern. Bislang ist mir nichts dergleichen bekannt und daher sind derartige Spekulationen auch nicht haltbar.

Hans Trutnau lässt es in seinem Kommentar durchblicken. Der evolutionäre Humanismus ist geprägt von der Eigenschaft sich zu evolvieren und der vegane Humanismus kann durchaus eine "Stufe" darstellen... ich betrachte diese beiden Formen daher bereits als ein und das selbe.

Kritisch wird es, wenn man die Frage nach Arten stellt, die nicht bewusst vom Menschen gehalten, gezüchtet und genutzt werden. Unsere Zivilisation schafft Habitate. Dürfen/sollten/können Veganer auf Ungeziefer (bspw. Ratten) reagieren, das die Ernte bedroht? Fordert der vegane Humanismus mit seinem Anspruch "im Recht zur Regulation ihrer Angelegenheiten durch niemanden als sie selbst", dass diese als "unnatürliche Art" in natürliche Habitate zurückgedrängt werden müssen, wo sie ohne anthroposophischen Einfluss sich selbst überlassen sein kann...? Von 'Freilassen' kann hier ja keine Rede sein. Wie man es dreht - es ist utopisch.
Oder ist ein Kampf gegen Schädlinge in ihrer "neuen, natürlichen Umgebung" erlaubt? Meiner Meinung nach besteht sogar ein -wenn auch menschengemachtes- ökologisches Verhältnis zwischen Mensch und Tier, das uns keine andere Wahl lässt, entsprechend zu unserem eigenen Nutzen zu handeln (sprich: Schädlingsbekämpfung), wie wir es nach heutigem Standpunkt vor 100 Jahren mit dem eignen Hausschwein auch tun durften/mussten: Es essen, weil es eine essentielle Nahrungsquelle darstellte.

Ich sehe jedoch noch einen Punkt kritisch:
Was ist mit Tierarten, die über Jahrtausende domestiziert wurden (und damit meine ich nicht die modernen Hochleistungskühe). Was spricht dagegen überschüssige Milch nach Abstillen eine Kalbes oder die unbefruchteten Eier eines Huhnes zu nutzen, wenn kein Tierleid damit verbunden sind. Die (kulturelle) Co-Evolution von Mensch und Haus-/Nutztier ist eine Tatsache. Natürlich könnte man Zuchtformen nun "auslaufen" lassen... wie auch immer das aussehen mag. Aber der gesundheitliche Benefit allein vom Zusammenleben mit Tieren ist in vielerlei Hinsicht belegt; Stichwort: Allergien.

Hans (nicht überprüft)

So. 27 Sep 2015 - 01:50

Antwort auf von DerTheoretiker (nicht überprüft)

Zu Punkt 1) "Für jeden möglich" ist sicher gegeben. Die Nahrungsmittelindustrie hält jeden lebensnotwendigen Stoff notfalls in Pillenform bereit. Bei "problemlos" stellt sich die Frage, was denn ein Problem sei. Bei multiplen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Hülsenfrüchte, Nüsse etc.) kann es schon mal sein, dass Ernährung vegan noch eintöniger wird als sie es aufgrund der Unverträglichkeiten ohnehin schon ist in solchen Spezialfällen.
Zu Punkt 2) Ich sehe die Sinnhaftigkeit nicht hinter der Behauptung, dass wir uns ausschließlich von der eigenen Ackerscholle zu ernähren hätten. Ich halte internationalen Handel für friedensfördernd und deshalb auch ethisch sinnvoll. Aber wenn man nun Ihre merkantilistische oder sonst wie verquere Denkweise als gegebene Ethik hinnehmen wollte: Ja, es ist im Prinzip möglich sich rein lokal vegan und gesund zu ernähren.

Brigitta Blume (nicht überprüft)

Sa. 3 Okt 2015 - 09:21

Antwort auf von Hans (nicht überprüft)

Und woher stammen dieRohstoffe für die "Pillen" ?
Es besteht für den Menschen vielleicht kein Unterschied, ob er B12 in Pillenform zu sich nimmt oder auf natürliche Weise. Verhindert man jedoch den natürlichen Weg des B12 in die Nahrungskette (nämlich über Wiederkäuer), greift man in anderen (weiten!) Bereichen in die Stoffkreisläufe ein. (Beispiel: vergleiche Dünger aus Tierhaltung mit Abfällen aus der industriellen B12-Herstellung).
Zu kurz gedacht.

Hans (nicht überprüft)

Mi. 30 Dez 2015 - 10:54

Antwort auf von Brigitta Blume (nicht überprüft)

Frau Blume, über 90% des produzierten Vitamin B12 landet in der Tiermast. Woher stammen denn die Rohstoffe für diese mehr als 90% des Vitamin B12? Wenn Sie dagegen sind, dass der Mensch Mikroorganismen züchtet, mit deren Hilfe er Vitamin B12 herstellt, dann müssen Sie zu allererst auf tierische Produkte verzichten. Ohne den verlustreichen Umweg über Nutzvieh muss viel weniger Vitamin B12 produziert werden.

Thorsten (nicht überprüft)

So. 27 Sep 2015 - 10:10

Antwort auf von DerTheoretiker (nicht überprüft)

Ich bin zwar selbst Vegetarier, halte eine allgemeine Forderung nach Vegetarismus oder Veganismus für falsch. Bei der ganzen Diskussion müssen vier, teilweise antagonistische Ziele berücksichtigt werden: Ernährungsicherheit, Tierwohl, Klima- und Umweltschutz.

Aus der Perspektive der Ernährungssicherheit steht fest: Wir haben große Flächen, die sich nur für die Tierhaltung eignen. Hier seien nur die vielen Weidewiesen oder die Hänge in bergigen Regionen genannt. Hier kann aus Gras, dass vom Menschen nicht verwertet werden kann, hochwertiges tierisches Protein erzeugt werden. Bei gutem Management steigert man sogar die Biodiversität. Gleichzeitig entstehen in unserer Ernährungsindustrie zahlreiche Nebenprodukte (z.B. im Bäckerhandwerk oder der Milcherzeugung) die man entweder entsorgen kann oder an Tiere (wie Schweine und Hühner) verfüttert. Ein nachhaltige Landwirtschaft braucht Tierhaltung! Dennoch sollte der Anbau von Tierfutter nicht in Konkurrenz mit dem Anbau von direkt vom Menschen verwertbarer Nahrung treten. Das hat vermutlich zur Folge, dass man seinen Fleischkonsum erheblich einschränken muss.

Um das maximale für Tierwohl, Klima- und Umweltschutz herauszuholen, benötigt man vermutlich das beste aus beiden Welten: Konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Mir gefällt zum Beispiel in der Schweiz, dass die "konventionelle" Landwirtschaft dort einen ökologischen Leistungsnachweis erbringen muss, der offenbar dazu führt, dass die Bodenqualität nicht abnimmt. Zumindest war in Studien kein Unterschied nachweisbar.

Gabriele Votava (nicht überprüft)

So. 25 Okt 2015 - 16:01

Antwort auf von DerTheoretiker (nicht überprüft)

Die Frage, ob Menschenernährung auf rein pflanzlicher Basis möglich ist, wird in der Regel von jenen gestellt, die dies von vorn herein nicht glauben(wollen). Ich kann Ihnen zwar aus jahrzehntelanger Erfahrung am eigenen Leibe, Seele und Geist, versichern, dass dies nicht nur möglich ist, sondern mir erst ein Leben in Würde und wahrer Selbsterkennung mit einem rundum gesundenden Organismus beschert hat, aber diese Antwort wird sie sicher nicht befriedigen. Sie könnten sich aber auch mit breit gefächerter Literatur darüber und im Netz sehr leicht selbst informieren, wenn Sie tatsächlich unvoreingenommen wären und wirklich echt an Vermeidung des Tierleidens in der Welt und der schreienden Ungerechtigkeit gegen diese interessiert wären. Und Sie könnten es ja auch ganz einfach an sich selbst einmal über längere Zeit ausprobieren. Der Grund, warum Sie das alles nicht tun, ist nach meiner Vermutung ganz einfach: Es interessiert Sie einfach nicht wirklich und Sie setzen aus welchen Gründen auch immer auf den alt hergebrachten (gewaltbereiten und gewalttätigen) Traditionalismus. Sie fragen sich vermutlich, warum nun etwas falsch sein soll, was tausende oder zig Jahrtausende so unter Menschen praktiziert wurde und dies auch noch zusätzlich (heute jedenfalls)von der Mehrzahl. Dies ist aber insofern eine unlogische Schlussfolgerung, weil wir als gesamte Menschheit nun ganz offensichtlich das Leben und Überleben für die gesamte Schöpfung an die Wand gefahren haben! Da kann ja wohl die Mehrheit seit langer Zeit nicht "im Recht" gewesen sein, oder?

Ernst Voll (nicht überprüft)

Sa. 26 Sep 2015 - 20:02

Weder ein anthropozentrischer noch ein veganer Humanismus wird in einer kapitalistischen Welt funktionieren. Längst steht doch nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt, sondern das Kapital. Wirtschaftswachstum ist Ziel aller Politik und nicht eine humanere Welt. In einer Welt, in der zunehmend der Mensch selbst den Wirtschaftszwängen untergeordnet wird, ist die, vermutlich durchaus berechtigte Forderung, die Ausbeutung und Ausnutzung von Tieren zu beenden unmöglich unfragmentiert und strukturiert zu begründen. Insofern ist dem Autor hier kein Vorwurf zu machen. Es stellt sich aber die Frage, ob nicht ein anderer Ansatz nämlich eine fundierte Kritik am Kapitalismus, der zwangsläufig zur Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt führen muss, hier zielführender wäre. Ich persönlich halte es nicht für möglich, in dem geschlossenen System des Kapitalismus nur eine der drei Komponenten Mensch, Tier oder Umwelt, von der Ausbeutung die im Kapitalismus systemrelevant ist, zu befreien.
Dennoch ist das Buch sehr lesenswert, weil es durchdachte Argumente bringt und vor allem die Verweigerung der Selbstreflektion der Ausbeuter, im Buch die Fleischesser und Fleischproduzenten, verdeutlicht.
Allerdings ist dies nicht nur ein Verhalten bei den Fleischkonsumenten, sondern bei allen aktiven Protagonisten in einer kapitalistischen Gesellschaft.

Frank Linnhoff (nicht überprüft)

Mo. 28 Sep 2015 - 17:21

"Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann. Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem Herrn Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer. Aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an."

Dieser Ausschnitt aus dem Buch Genesis zeigt uns, wie sehr das Volk der Hebräer fettes Fleisch den Früchten des Ackerbaus vorzog. Es kam dann sogar noch schlimmer, als der Ackermann Kain seinen Bruder Abel erschlug.

Ist nicht wahrer Humanismus, wenn Schäfer und Ackermann als gleichwertige Menschen angesehen werden, sich keine Feindschaft aufbaut? Ich, für meinen Teil, halte nicht viel vom "Manifest des veganen Humanismus". Wahrer Humanismus trennt nicht, sondern verbindet.

Naiver Skeptiker (nicht überprüft)

Mo. 28 Sep 2015 - 17:21

Der HPD scheint sich immer mehr zum Sprachrohr der Verkünder der veganen Heilslehre zu entwickeln.

Ich halte diese Entwicklung für außerordentlich bedauerlich, zumal Veganismus eine zutiefst inhumane Ideologie bzw. Glaubenslehre darstellt, deren Vetreter - wie sollte es auch anders sein - sachlichen Argumenten kaum mehr zugänglich sind.

Im Übrigen halte ich es für bedenklich, wie die Vetreter des Veganismus bzw. Tierrechtler den Begriff Humanismus vereinnahmen.

Und zum Essen:
Die menschliche Ernährung im Sinne des Veganismus zu moralisieren, ist ein Irrweg, der die Biologie missachtet, der umerziehen soll und die Freiheit mit Füßen tritt.

Möge die Menschheit ein solches vegan-tierrechtslerisches Experiment überleben!
Von mir weiß ich: ich würde es nicht (die weiter oben beschriebenen Nahrungsmittelunverträglichkeiten).

Antonietta (nicht überprüft)

Di. 29 Sep 2015 - 16:08

Eine vegane Ernährung ist deutlich umweltfreundlicher als die übliche, fleisch- und käsebetonte Durchschnittskost: Sie verbraucht weniger Energie, Rohstoffe und Wasser, belegt weniger Landfläche und erzeugt deutlich weniger Klimagase. Aus ethischer Sicht ist die vegane Ernährung die konsequenteste Art, verantwortlich mit unserer Mitwelt umzugehen und so wenigen Mitlebewesen wie möglich durch unsere Lebensmittelauswahl zu schaden.

Brigitta Blume (nicht überprüft)

Sa. 3 Okt 2015 - 08:57

Antwort auf von Antonietta (nicht überprüft)

"Belegt weniger Landfläche" ist richtig. Allerdings beudetet die Tatsache, daß 70% aller Weltagrarflächen für veganen Landbau nicht geeignet sind (absolutes Grünland) nicht, daß man auf den restlichen 30% alle Menschen ernähren könnte oder auch nur 100% Menschennahrung anbauen.

Brigitta Blume (nicht überprüft)

Fr. 2 Okt 2015 - 19:59

Schon wieder ein Pol/Soz , der an der Praxis vorbei denkt. Schöner Traum, für einige wenige Reiche auf Kosten der Anderen, aber auf der Ebene der (Ur-)Produktion nun mal absolut nicht umzusetzen.

Armin Pfahl-Traughber

Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber, Jg. 1963, ist hauptamtlich Lehrender an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung mit den Schwerpunkten "Politischer Extremismus" und "Politische Ideengeschichte". Außerdem gibt er seit 2008 ebendort das "Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung" heraus.

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