Kolumne: Sitte & Anstand

Brasilien: Missionare warnen Indigene vor der Covid-Impfung

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Die Mehrheit der Indigenen leben im brasilianischen Urwald
Die Mehrheit der Indigenen leben im brasilianischen Urwald

Wie kommt die Covid-Impfung zu denen, die sie vielleicht am nötigsten haben? Indigene in abgeschiedenen Regionen sind oft diejenigen, die neuen Krankheiten am wenigsten entgegenzusetzen haben.

Daher ist man in Brasilien, Heimat von über 500.000 Indigenen, besonders bemüht, sie aufzusuchen und ihnen die womöglich lebensrettenden Spritzen zu setzen. Dass die Retter dabei immer wieder auf Skepsis stoßen, scheint auf den ersten Blick in der Natur der Dinge zu liegen: Oft gibt es Widerstand gegen die Spritzenbringer, der Guardian berichtet, dass ein Helikopter mit medizinischen Helfern an Bord mit Pfeilen beschossen wurde. Ganz natürliche Ablehnung der Ungebildeten aus dem Wald?

Claudemir da Silva, ein Vertreter der Indigenen am Rio Purus, hat dem Guardian anderes zu berichten: "Das passiert nicht in allen Dörfern, sondern nur dort, wo Missionare den Leuten erzählen, sie sollten sich nicht impfen lassen."

Die guten Christenleute können sich dabei darauf verlassen, dass in ihrem Einflussbereich das empirische Denken weniger verbreitet ist als anderswo. Etwa berichten sie laut da Silva den Indigenen: Wer sich impfen lasse, würde in einen Alligator verwandelt! (Was ja epidemiologisch nur insofern Sinn machen würde, als noch keine Covid-19-Infektionen bei Alligatoren belegt sind). Solche Missionare setzen das Zerstörungswerk fort, das die Eroberer Amerikas mit eingeschleppten Krankheiten anrichteten. Und nebenbei verbreitet sich neben Covid-19 auch noch eine Art Witz viral, den Präsident Bolsonaro neulich in seiner Eigenschaft als Impf-Kritiker gemacht hat: Hersteller Pfizer erkläre sich für nicht zuständig für Nebenwirkungen, sagte Bolsonaro. "Wenn der Impfstoff dich in einen Alligator verwandelt, dann ist das dein Problem!"

Was gibt es hier zu lernen? Nicht nur, dass die Welt furchtbar dumm sein kann, wenn man sie lässt. Wir lernen hier auch: Dort wo Menschen mit Hilfe echter Erkenntnis gerettet werden sollen, dort wo sich zur Abwechslung mal Heilung und Schutz verbreiten sollen – dort wäre es sinnvoller, zunächst weltliche Schulen und Krankenhäuser zu errichten statt Missionsstationen. Wissen ist meist der beste Nährboden für Gesundheit.

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