Umfrage in den USA

Nonnen beurteilen Missbrauch in der katholischen Kirche kritischer als Priester

Eine Umfrage des US-amerikanischen Fernsehsenders NBC unter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der katholischen Kirche in den USA zeigte erstaunliche Unterschiede bei der Beurteilung kirchlicher Problematiken durch Männer und Frauen. Während Nonnen sexuellen Missbrauch durch Geistliche mehrheitlich noch immer für ein großes Problem halten, ist die Mehrheit der Priester der Auffassung, dass der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche niemals ein größeres Problem war als in anderen Organisationen, in denen mit Kindern gearbeitet wird.

Ende November veröffentlichte der US-amerikanische Fernsehsender NBC die Ergebnisse seiner groß angelegten Umfrage unter Mitarbeitern der katholischen Kirche in den USA. Mehr als 32.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden angeschrieben, rund 2.700 nahmen an der Umfrage teil.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass sich die Ansichten von männlichen und weiblichen Mitarbeitern der katholischen Kirche stark unterscheiden. Deutlich wird dies insbesondere bei Fragen zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Während 55 Prozent der befragten Nonnen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche noch immer für ein großes Problem halten, gilt dies nur für 26 Prozent der Diözesanpriester. Dass Missbrauch kein großes Problem in der katholischen Kirche mehr ist, denken 9 Prozent der Nonnen, jedoch 20 Prozent der Priester. 54 Prozent der Priester sind darüber hinaus der Meinung, dass der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche niemals ein größeres Problem war als in anderen Organisationen, in denen mit Kindern gearbeitet wird. Diese Meinung vertreten nur 35 Prozent der Nonnen.

Unter allen Befragten waren 39 Prozent der Meinung, dass der sexuelle Missbrauch noch immer ein Problem in der katholischen Kirche darstellt, 14 Prozent, dass dies nicht der Fall ist und 46 Prozent, dass der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche niemals ein größeres Problem war als in anderen Organisationen. Rund 82 Prozent der Befragten vertreten jedoch die Auffassung, dass die Kirche angemessen mit dem Missbrauchsskandal umgegangen sei.

Deutliche Unterschiede bei den Geschlechtern zeigten sich auch bei der Beurteilung der Frage, ob in der katholischen Kirche die Weihe von Frauen zu Priesterinnen erlaubt werden solle. Während sich 71 Prozent der Nonnen dafür und nur 29 Prozent dagegen aussprachen, die Frage weiter zu diskutieren, sprachen sich 76 Prozent der Priester gegen die Frauenweihe aus. Unter allen Befragten sprachen sich 42 Prozent für und 58 Prozent gegen weitere Diskussionen um die Frauenweihe in der katholischen Kirche aus.

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Kommentare (3)

Junius (nicht überprüft)

Di. 10 Dez 2019 - 12:54

"Während 55 Prozent der befragten Nonnen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche noch immer für ein großes Problem halten, gilt dies nur für 26 Prozent der Diözesanpriester. Dass Missbrauch kein großes Problem in der katholischen Kirche mehr ist, denken 9 Prozent der Nonnen, jedoch 20 Prozent der Priester. 54 Prozent der Priester sind darüber hinaus der Meinung, dass der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche niemals ein größeres Problem war als in anderen Organisationen, in denen mit Kindern gearbeitet wird. Diese Meinung vertreten nur 35 Prozent der Nonnen."

Dreimal dürft ihr raten, warum!

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Di. 10 Dez 2019 - 14:30

„dass der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche niemals ein größeres Problem war als in anderen Organisationen...“
Sehen wir‘s mal positiv: Es setzt sich die Auffassung durch, dass die katholische Kirche keinen höheren moralischen Ansprüchen genügt als jede Feld- Wald- und Wiesen-Organisation. Fehlt nur noch, dass sie u.a. strafrechtlich und steuerrechtlich genauso behandelt wird und auch ihre Mitgliedsbeiträge selbst einzieht.
Außerdem wage ich die Hypothese, dass der Missbrauch zuzeiten als der Herr Pfarrer noch mit Hochwürden anzureden war – sagen wir mal vor 1968 – systemisch bedingt weitaus umfangreicher war als das was heute ans Tageslicht kommt.

Brunhild Krüger (nicht überprüft)

Fr. 20 Dez 2019 - 00:07

Es tut mir immer wieder weh, wenn ich für den Tatbestand bzw. das Verbrechen der sexuelle Gewalt gegen Kinder die aus meiner Sicht euphemische Formulierung "sexueller Missbrauch" lesen muss.
"Missbrauch" setzt voraus, dass ein "normaler Gebrauch" existiert oder zur Zeit, als diese Formulierung aufkam, existierte.
Noch mehr erschüttert mich, dass es für diesen eindeutigen Straftatbestand offenbar keine juristische Möglichkeit gibt, Mitarbeiter der Kirche vor staatlichen Gerichten zur Verantwortung zu ziehen.
Das ist nicht nur eine kirchliche, sondern vor allem auch eine Frage des Rechtsstaates: wieso duldet ein Rechtsstaat, dass diese Verbrechen, so sie von Kirchenvertretern begangen werden, nicht als Verbrechen bezeichnet und juristisch verfolgt werden?
(Das ist keine rhetorische Frage, ich möchte wirklich wissen, wieso das so ist.)

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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