Zoos als Schlachthäuser

Was viele Zoobesucher nicht wissen oder nicht wissen wollen: auch in Zoos wird regelmäßig geschlachtet.
Was viele Zoobesucher nicht wissen oder nicht wissen wollen: auch in Zoos wird regelmäßig geschlachtet.

BERLIN. (hpd) Zoobetreiber versuchen gezielt, das mühsam erkämpfte Tierschutzrecht außer Kraft zu setzen, um völlig gesunde, aber "überzählige" Zootiere töten und an andere Zootiere verfüttern zu dürfen.

Anfang 2016 verlautbarte Dag Encke, Direktor des Nürnberger Tiergartens, in einem öffentlichen Vortrag1, er habe im Vorjahr sechzig "überzählige" Zootiere töten lassen. Es war diese Verlautbarung unschwer als gezielt eingesetzter "Versuchsballon" zu erkennen gewesen, über den die Reaktion der bundesdeutschen Öffentlichkeit auf die Tötung von Zootieren ausgelotet werden sollte.

Ein Aufschrei, wie er vor zwei Jahren in Zusammenhang mit der Tötung des vorgeblich nicht "reinrassigen" bzw. "nicht ins Zuchtprogramm passenden" Giraffenjungbullen Marius im Zoo von Kopenhagen erfolgt war,2 blieb aus. Insofern wird unter der Regie Enckes derzeit der gezielte Versuch unternommen, über flächendeckende Öffentlichkeitsarbeit das Töten "überzähliger" Zootiere gesellschaftsfähig zu machen und in der Folge eine Gesetzesänderung zu erwirken.3

Da deutsche Zoos gemäß den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes keine Tiere töten dürfen - mit Ausnahme eigens gezüchteter "Futtertiere" (Mäuse, Hamster, Kaninchen, Schafe, Ziegen etc., auch größere Huftiere und bestimmte Vögel, die alljährlich in millionenfacher Zahl in den Zoos getötet werden) -, fordern sie seit Jahren über ihren Dachverband (Verband der Zoologischen Gärten e.V./VdZ) eine rechtliche Befugnis, "überzählige" Tiere auch anderer Arten nach Bedarf und Gutdünken töten und ggf. auch verfüttern zu dürfen. Da gemäß § 17 Nr 1 TierSchG das Töten von Tieren nur bei Vorliegen eines "vernünftigen Grundes" erlaubt ist, plädiert der VdZ dafür, die Notwendigkeit des "Populationsmanagements" als ebensolchen Grund für die Tötung von Zootieren nach § 42 Abs.8 Satz 3 BNatSchG anzuerkennen.

Zeitgleich mit der Tötung des besagten Giraffenjungbullen im Zoo von Kopenhagen im Frühjahr 2014 - in Dänemark ist das Schlachten und Verfüttern von Zootieren prinzipiell erlaubt -, hatte der VdZ seine Forderung nach einer insofern "klareren Auslegung" des TierSchG bekräftigt. Da es seinerzeit aber - auch hierzulande - einen Sturm der Entrüstung gegen die Tötung der 18 Monate alten Giraffe gegeben hatte, war seitens des VdZ nichts weiter zur Sache unternommen worden. Erst jetzt, nachdem die öffentliche Empörung um den Tod von Marius sich gelegt hatte, suchte Encke, Vorstandsmitglied des VdZ, erneut auszutesten, auf welche Resonanz die Forderungen seines Verbandes im Jahre 2016 stoßen würden. Es geht Encke und dem VdZ um nichts weniger als den Versuch, das mühsam erkämpfte Tierschutzrecht außer Kraft setzen, um willkürlich nachgezüchtete und irgendwann - spätestens wenn sie ihre Rolle als Publikumsmagneten erfüllt haben - "überflüssige" Zootiere legal töten und ggf. als Futter weiterverwerten zu dürfen.

Da die Tötung der besagten sechzig Tiere im Nürnberger Tiergarten einen offenkundigen Verstoß gegen geltendes Tierschutzrecht darstellte, erstatteten zwei bundesweit agierende Tierrechtsorganisationen Strafanzeige gegen Zoodirektor Dag Encke. Das Ergebnis steht noch aus.

Rechtskräftig verurteilt

Ganz im Sinne des VdZ, gleichwohl nach geltendem Recht unzulässig, entledigte sich im Jahre 2008 der Zoo Magdeburg dreier "unbrauchbarer" Sibirischer Tiger. Die drei Tiere - Angehörige einer akut vom Aussterben bedrohten Art - wurden getötet, da sie nicht die "genetische Variabilität einer Unterart" aufwiesen, sprich: nicht "reinrassig" und damit zuchtuntauglich waren. Der zuständige Zoodirektor Kai Perret sowie drei seiner Mitarbeiter, darunter der angestellte Zootierarzt, wurden in der Folge auf Grundlage von § 17 Nr 1 TierSchG rechtskräftig verurteilt, da es bei der Tötung der Tiger an einem "vernünftigen Grund" gefehlt habe; diese sei, so das Landgericht Magdeburg (bestätigt vom OLG Naumburg), weder erforderlich noch angemessen gewesen.4

Es versteht sich, dass in den Zoos jährlich zigtausende "mysteriöser Todesfälle" auftreten, nach denen, sofern es sich nicht um publikumsattraktive und insofern individuell bekannte Großsäuger handelt, in aller Regel "kein Hahn kräht". Ein Zoo unterscheidet sich insofern nur unwesentlich von einem Schlachthaus.

"Halslangziehen"

Zum Berufsbild von ZootierpflegerInnen zählt zentral die Bereitschaft und Fähigkeit, eigenhändig sogenannte "Futtertiere" zu töten. Im Zuge ihrer Ausbildung werden sie angeleitet, diesen "fachgerecht" den Schädel einzuschlagen bzw. ihnen das Genick zu brechen. Die Fähigkeit, beim Töten von "Futtertieren" zusehen zu können "ohne mit der Wimper zu zucken", ist eines der entscheidenden Kriterien, um in die engere Auswahl für einen der begehrten Ausbildungsplätze zum Zootierpfleger zu kommen. Vielfach wird das "Halslangziehen" (=Genickbrechen) gar als eine Art "Initiationsritus" inszeniert.

Die "Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz" (!) empfiehlt in einem Maßgabepapier von 2011, beim "Töten von Kleinsäugern zu Futterzwecken" eines von drei "physikalischen Tötungsverfahren" anzuwenden: 1. Betäubungsschlag (Schlag auf den Kopf), 2. Dekapitation (Abtrennen des Kopfes), 3. Zervikale Dislokation (Genickbruch). Im Gegensatz zu "nicht akzeptablen Methoden" wie "Schlagen der Tiere über eine Kante oder Werfen auf den Boden", bei denen "Treffsicherheit und damit sicherer Eintritt des Todes nicht gewährleistet" werden könnten (die gleichwohl, wie PraktikantInnen verschiedener Zoos berichten, flächendeckend angewandt.werden, da sie schnell und unblutig vonstatten gehen), gelten die genannten Methoden als "tierschutzgerecht" und damit "akzeptabel". Alternativ seien auch "chemische Tötungsmethoden" wie etwa die Verabfolgung von Kohlenstoffdioxid (CO2) akzeptabel. 5


  1. vgl. www.nordbayern.de/region/nuernberg/im-tiergarten-nurnberg-mussten-60-ti… ↩︎
  2. vgl.www.spiegel.de/panorama/giraffe-marius-zehntausende-fordern-nach-toetun… ↩︎
  3. vgl./www.welt.de/wissenschaft/article155591028/Warum-gesunde-Zootiere-getoet… ↩︎
  4. LG Magdeburg: AZ: 26 Ns 120/10 vom 6.12. 2010 / OLG Naumburg: AZ: 2 Ss 82/11 vom 28.6.2011 ↩︎
  5. www.tierschutz-tvt.de/fileadmin/tvtdownloads/ToetenzuFutterzwecken2011.pdf 30.4.2016 ↩︎

Kommentare (16)

pavlovic (nicht überprüft)

Di. 24 Mai 2016 - 17:28

Weiß jemand ob Tiere die an Altersschwäche sterben verfüttert werden dürfen? Wenn ja, dann wäre der "Skandal" lediglich der Wunsch den Verlustbetrieb Zoo wirtschaftlicher zu machen. Lassen sich Zoos überhaupt wirtschaftlich betreiben? Interessanterweise war der Presse zu entnehmen, dass aufwendig "befreite" Tiere von sogenannten "Tierschutzorganisationen" getötet wurden, weil diese dann auch nicht wußten "wohin damit" und die Haltung der Tiere zu teuer war. D.h. nachdem die PR-Aktion "Befreiung" seinen Zweck erfüllt hatte - "weg damit". Ähnlich geht es zuweil auf "Gnadenhöfen" von Tierschützern zu - keine artgerechte Haltung "befreiter" Tiere und dadurch vorzeitiger Tod. Den engagierten Lebenswandel lässt man sich aber von Unterstützern finanzieren....

malte (nicht überprüft)

Di. 24 Mai 2016 - 19:30

"Die "Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz" (!) empfiehlt in einem Maßgabepapier von 2011, beim "Töten von Kleinsäugern zu Futterzwecken" eines von drei "physikalischen Tötungsverfahren" anzuwenden: 1. Betäubungsschlag (Schlag auf den Kopf), 2. Dekapitation (Abtrennen des Kopfes), 3. Zervikale Dislokation (Genickbruch)."

So what? Man kann die Ratten den Schlangen natürlich auch lebendig zum Fraß vorwerfen, aber das ist für die Tiere sicherlich auch nicht angenehmer. Fleischfressende Tiere brauchen nun einmal "Futtertiere", ob sie im Zoo sind oder in "Freiheit", ob diese vom Menschen getötet oder selbst erbeutet werden. Was ist hier eigentlich der Kritikpunkt?

Thomas (nicht überprüft)

Mi. 25 Mai 2016 - 15:22

Antwort auf von malte (nicht überprüft)

"Was ist hier eigentlich der Kritikpunkt?"
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Zoos wie Schlachthäuser sind Orte vermeidbarer Leiderzeugung und unnötiger Brutalisierung ohne einen Nutzen, der das auch nur im Entferntesten aufwiegen könnte. Goldner hat viel dazu geschrieben. Man braucht es nur zu lesen.

Ich denke auch, dass es gute Argumente gegen Zoos - zumindest in ihrer derzeitigen Form - gibt. Meine rhetorische Frage bezog sich auf den Abschnitt zu den Futtertieren. Goldner empört sich darüber, wie brutal diese getötet werden. Das entbehrt aber nicht einer gewissen Ironie, denn die Tiere, an die diese Ratten und Mäuse verfüttert werden, tun in der freien Natur genau das selbe: Sie töten andere Tiere auf "brutale" Weise, um zu überleben. Inwiefern handelt es sich da also um "vermeidbare Leiderzeugung"? Goldner erwähnt diese Tötungsmethoden, um Emotionen zu erzeugen, und das ist einfach eine billige rhetorische Masche, die man sonst eher aus den Boulevard-Medien kennt. Damit bekleckert er sich als "Irrationalismuskritiker" nicht gerade mit Ruhm.

"Goldner empört sich darüber, wie brutal diese getötet werden. Das entbehrt aber nicht einer gewissen Ironie, denn die Tiere, an die diese Ratten und Mäuse verfüttert werden, tun in der freien Natur genau das selbe: Sie töten andere Tiere auf "brutale" Weise, um zu überleben. Inwiefern handelt es sich da also um "vermeidbare Leiderzeugung"?"
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Alle in Zoos stattfindenden Leiderzeugungen sind vermeidbar, weil es gar keinen hinreichend schwerwiegenden Grund gibt, der die Existenz von Wildtiergefängnissen dieser Art überhaupt rechtfertigt. Ein rationaler und ethisch orientierter Mensch muß sich also nicht nur gegen die dort üblichen grausamen Tötungsmethoden wenden, sondern gegen die Einrichtungen selbst.

Klar, so kann man eine "Diskussion" natürlich auch führen: einfach alles ignorieren, was der andere geschrieben hat, und stur seine auswendig gelernten Phrasen abspulen.

Nix für ungut. Du kannst dir gerne weiterhin einbilden, dass Raubtiere ihre Beute zu Tode knuddeln, ohne dabei Leid zu verursachen. Aber hör bitte auf, das "rational" zu nennen. Und erwarte auch nicht, dass jemand deine "Zoo-Kritik" ernst nimmt, wenn sie mit solchen Argumenten daher kommt.

Thomas (nicht überprüft)

Mi. 1 Jun 2016 - 06:12

Antwort auf von malte (nicht überprüft)

"einfach alles ignorieren, was der andere geschrieben hat"
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Diesen Vorwurf muß ich leider zurückgeben, denn es macht nicht den Eindruck, als würdest Du überhaupt verstehen wollen, was ich geschrieben habe. Unklar formuliert ist es ja nun wirklich nicht.
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"Du kannst dir gerne weiterhin einbilden, dass Raubtiere ihre Beute zu Tode knuddeln, ohne dabei Leid zu verursachen."
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Zwischen dem von Menschen in Zoos und dem von Raubtieren in ihrer natürlichen Umgebung erzeugten Leid besteht exakt NULL Zusammenhang! Im Gegensatz zu nichtmenschlichen Tieren sind Menschen moralisch handlungsfähig, und deshalb sollten sie es unterlassen, andere Tiere zu quälen und zu töten, wie es in Zoos und Schlachthäusern Normalität ist. Das bedeutet: Schluß mit Zoos und Schlachthäusern!

PS.: Laß Dir auch das mal durch den Kopf gehen: http://www.peta.de/Zooirrtuemer#.V04OkGy6URk

"Zwischen dem von Menschen in Zoos und dem von Raubtieren in ihrer natürlichen Umgebung erzeugten Leid besteht exakt NULL Zusammenhang!"

Ich bleibe mal beim Beispiel der im Artikel erwähnten Kleinsäuger. Diese werden wohl im wesentlichen an Schlangen verfüttert. Was würde sich am Leid dieser Tiere ändern, wenn man die Schlangen frei ließe? Schlangen sind Raubtiere, und sie würden dann genau das tun, was sich für Raubtiere "gehört": andere Tiere töten um zu überleben. Am Leid dieser Tiere ändert sich also - um mal bei deiner Wortwahl zu bleiben - exakt NULL. Durch Abschaffung der Zoos würde nicht eine Ratte weniger getötet. (Wahrscheinlich eher mehr: Tiere, die selbst auf Nahrrungssuche gehen, verbrauchen dabei mehr Energie und müssen dann auch mehr Beutetiere töten). Du KANNST dieses Leid nicht verhindern - du willst es lediglich aus dem Blickfeld des Menschen verbannen.

Ja, es gibt berechtigte Kritik an Zoos. Ein vernünftiges Argument wäre z.B., dass man viele Tiere unter den Bedingungen eines Zoos nicht artgerecht halten kann, weil sie auf engem Raum ihr natürliches Verhalten nicht ausleben können. Aber als Argument gegen Zoos anzuführen, dass die dort gehaltenen Raubtiere skandalöserweise andere Tiere fressen, ist lächerlich. Es liegt an genau solchen Argumentationen, dass Tierrechtler oft nicht für voll genommen werden.

Ein sehr kluger Text zum Thema: http://blogs.taz.de/reptilienfonds/2012/07/13/tier-und-wir-uber-tierrechte-und-human-animals-studies/

"Ich bleibe mal beim Beispiel der im Artikel erwähnten Kleinsäuger. Diese werden wohl im wesentlichen an Schlangen verfüttert. Was würde sich am Leid dieser Tiere ändern, wenn man die Schlangen frei ließe?"
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Wer fordert denn solchen Unfug? Es geht darum, Wildtiere gar nicht erst einzusperren und bestehende Gefängnisse möglichst leidfrei aufzulösen. Bis dahin bleibt Menschen unglücklicherweise nichts anderes übrig, als entweder die carnivoren Häftlinge oder deren Futtertiere zu töten, aber das sollte so geschehen, daß es weder Angst noch Schmerzen bereitet und die Täter selbst nicht über das unvermeidbare Maß hinaus brutalisiert.
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"Durch Abschaffung der Zoos würde nicht eine Ratte weniger getötet."
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Doch, nämlich all jene Ratten, die an Zootiere verfüttert werden - ist doch ganz logisch. Und NOCH ein logischer Sachverhalt: durch die Abschaffung von Zoos gäbe es dort auch keine unter mangelhaften Haltungsbedingungen leidenden Tiere mehr, und letztlich fruchtlose Dispute darüber, was "artgerechte(re) Haltung" eigentlich sei, könnten entfallen. Außerdem bräuchte man keine brutalisierten Menschen mehr abzustellen, die sich ggf. das Leid der Häftlinge ebenso am A.... vorbeigehen lassen, wie das jener Tiere, die sie für sie töten. Zoos sind vollkommen überflüssig und daher nachteilslos verzichtbar.
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"als Argument gegen Zoos anzuführen, dass die dort gehaltenen Raubtiere skandalöserweise andere Tiere fressen, ist lächerlich."
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Noch einmal: keine Zoos -> keine unter inadäquaten Lebensumständen leidenden Tiere -> keine ethisch rückständigen und empathiegestörten Zoomitarbeiter, die gewohnheitsmäßig Futtertiere töten -> freiwerdende Ressourcen, die für ECHTEN Artenschutz im Sinne einer Förderung natürlicher Gleichgewichte eingesetzt werden können!
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"http://blogs.taz.de/reptilienfonds/2012/07/13/tier-und-wir-uber-tierrechte-und-human-animals-studies/"
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Langweilig (weil ohne einen einzigen Aspekt, den ich noch nicht reflektiert hätte), aber vor allem überhaupt nicht konstruktiv und entsprechend ärgerlich - ganz und gar typisch für jemanden, der lieber vorsätzlich mißverstehend und unzulässig verallgemeinernd über zugegebenermaßen teilweise unfertige oder fehlerhafte Gedanken Anderer herzieht, als sich den eklatanten Inkonsistenzen des eigenen Denkens und Verhaltens zu stellen. Übrigens kann ich mich mit Veganern ebenso streiten wie mit Vegetariern und Karnisten, und so sitze ich schon lange zwischen allen Stühlen.

Sag mal, wie lange willst du dich eigentlich noch argumentativ im Kreis drehen?

"Es geht darum, Wildtiere gar nicht erst einzusperren"

Meinetwegen. Mein Argument berührt das nicht im geringsten. Das lautete nämlich: Raubtiere in der freien Natur fressen nicht weniger Beutetiere als solche in Gefangenschaft. Es ist vollkommen egal, ob du das aus dem Blickwinkel des "Freilassens" oder des "Nicht-Einsperrens" betrachtest.

"Doch, nämlich all jene Ratten, die an Zootiere verfüttert werden - ist doch ganz logisch."

Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Es sterben dann vielleicht nicht genau die Rattenindividuen, die heute als Futtertiere gezüchtet werden - aber stattdessen eben andere!!! Oder Mäuse. Oder Frösche. Oder was Schlangen sonst noch so fressen. Du kannst das drehen und wenden wie du willst, es kommt auf das selbe raus. Wenn Raubtiere in Gefangenschaft andere Tiere fressen, findest du das ganz doll brutal, aber gleichzeitig trittst du für ein "natürliches Gleichgewicht" ein, das durch nichts anderes als brutales fressen und gefressen werden zustande kommt. Wie kannst du solche Widersprüche zusammendenken? Es ist ein Wunder, dass dein Kopf nicht schon längst explodiert ist...

"Du kannst das drehen und wenden wie du willst, es kommt auf das selbe raus."
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Irrtum. Es sei x die Menge aller Tiere, die von freilebenden Wildtieren gefressen werden, y die Menge aller Zootiere und z die Menge aller Tiere, die von Zootieren lebendig gefressen, bzw. von Zoomitarbeitern für sie mehr oder weniger grausam getötet werden (merke: der Begriff der Grausamkeit ist mit seiner ethischen Konnotation nur auf moralisch handlungsfähige Wesen anwendbar). Die Gesamtmenge des Leides, das die Elemente von x, y und z erleben, ist offensichtlich größer als die Menge des Leides, das nur die Elemente von x erleben. Zudem und vor allem ist das Leid der Elemente von y und z (sowie die Brutalisierung der Menschen, die es erzeugen) komplett vermeidbar, denn es wird vorsätzlich und ohne hinreichend schwerwiegende Gründe herbeigeführt. Daraus folgt die ethische Erforderlichkeit der Abschaffung von Zoos und vergleichbaren Einrichtungen.
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"Wenn Raubtiere in Gefangenschaft andere Tiere fressen, findest du das ganz doll brutal, aber gleichzeitig trittst du für ein "natürliches Gleichgewicht" ein, das durch nichts anderes als brutales fressen und gefressen werden zustande kommt. Wie kannst du solche Widersprüche zusammendenken?"
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Das sind keine Widersprüche, denn wie bereits festgestellt und oben expliziert, handelt es sich dabei um unterschiedliche und voneinander gänzlich unabhängige Sachlagen. Leid, ohne das natürliche Gleichgewichte einfach nicht bestehen können, ist in ethischem Sinne unvermeidbar und die geringstmögliche Menge Leides einer bestimmten Klasse, mit der wir uns abfinden müssen, da Eingriffe in die Funktionen letztlich undurchschaubar komplexer natürlicher Systeme vermeidbares Leid von unkalkulierbaren Dimensionen zur Folge hätten (und auch schon haben). Das Leid in Zoos hingegen wird ausschließlich von Menschen verantwortet, ist in Gänze vermeidbar und deshalb ethisch unakzeptabel!

"Es sei x die Menge aller Tiere, die von freilebenden Wildtieren gefressen werden, y die Menge aller Zootiere und z die Menge aller Tiere, die von Zootieren lebendig gefressen, bzw. von Zoomitarbeitern für sie mehr oder weniger grausam getötet werden."

Daran lässt sich dein Denkfehler gut demonstrieren. Leid (y) ist vermeidbares Leid - so weit sind wir uns einig. Leid (z) dagegen ist NICHT vermeidbar. Ohne Zoos wächst Leid (x) schlicht und einfach um den Wert von z an.

Es ist keinesfalls so, dass ich Zoos unbedingt verteidigen will. Viele Zootiere leiden, z.B. an einer reizarmen Umgebung oder an mangelndem Kontakt zu Artgenossen. Bei manchen Tieren lassen sich die Haltungsbedingungen verbessern, aber es gibt viele Arten, die man ganz grundsätzlich nicht in Zoos halten sollte. Im Prinzip ist mir Zoo-Kritik also durchaus sympathisch. Aber um mit der Kritik ernst genommen zu werden, sollte man sich schon überlegen, wie man argumentiert. Ich bin nicht "pro Zoo" - ich bin "kontra irrationale Argumente".

Damit sollte es jetzt langsam mal gut sein...

"Ohne Zoos wächst Leid (x) schlicht und einfach um den Wert von z an."
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NAHAIN!!! Nur sehr, sehr wenige Zootiere könnten ausgewildert werden. Alle übrigen würden einfach sterben, also ersatzlos und ohne jedweden Einfluß auf die Menge frei lebender Carnivore und deren Bedarf an Futtertieren "entfallen".
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"Damit sollte es jetzt langsam mal gut sein..."
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Das denke ich auch...

Luftikus (nicht überprüft)

Do. 26 Mai 2016 - 08:53

Antwort auf von malte (nicht überprüft)

Das frage ich mich allerdings auch. Und ist es jetzt aus Sicht eines Tierschützers wirklich besser, wenn statt der überzähligen Gazelle aus dem Zoo ein Schwein aus Intensivmast geschlachtet und verfüttert wird?
Oder im Fall der drei getöteten Tiger: durch diese Vorgehensweise werden (als Nebeneffekt) eine ganze Menge Futtertiere weniger sterben. Auch egal? Irgendwie klingt das wieder alles verdächtig nach Kuscheltierschützern...

Und solange in der Landwirtschaft als "vernünftiger Grund" für millionenfache Tötungen das Steigern des Profits anerkannt wird, mutet das alles ziemlich willkürlich an - nichts anderes haben die Zoodirektoren wohl im Sinn.

pavlovic (nicht überprüft)

Di. 24 Mai 2016 - 23:34

Die Zeit über Zoos: Orte der Kreativität! Siehe http://www.zeit.de/2016/20/orang-utan-kreativitaet-wildnis-zoo-vergleich

pavlovic (nicht überprüft)

Do. 26 Mai 2016 - 23:01

Wie Zoos in ihrer Funktion grundlegend eingeschätzt werden hängt ganz von der Sichtweise des Betrachters ab. Dass diese Einrichtung primär als sadistische Institution gedacht wurde und als Ort geheimer Schlächterei - wer kann dies so annehmen? Ist diese Unterstellung nicht selbst eine desorientierende Übertreibung und Verzerrung? An der Debatte über die Schulpflicht in Deutschland - hauptsächlich geführt von religiösen Fundamentalisten und Anarchisten kann man exemplarisch studieren wie eine Einrichtung - die ich unbefangen als Kind nie auch nur annähernd so erlebt habe - nicht als Orte der Bildung, sondern als Orte der menschlichen Massentierhaltung, moralischer Ab- und Zurichtung und Seelenzerstörung dargestellt werden. Jeder bilde sich seine eigene Meinung: http://www.freiwilligfrei.info/archives/3641

Colin Goldner

Der Autor ist klinischer Psychologe, Sachbuchautor und Wissenschaftsjournalist. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Sekten, Psychokulte, sogenannte Alternativmedizin und sonstige Heilslehren aus aller Welt. Er wurde insbesondere aufgrund seiner Arbeiten über Tendzin Gyatsho (den gegenwärtigen Dalai Lama) sowie Bert Hellinger und dessen Familienaufstellungen bekannt. Sein Buch über die Psychoszene setzte Standards für die Beratungsarbeit. Seit 1988 schreibt er u. a.

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