Von der Theologie zur "Kraft des Atheismus"

Paul Schulz

* 29. August 1937 in Frankfurt/Oder;
ursprünglich evangelischer Theologe und Pastor, heute bekennender Atheist.

 

Er stammt aus einem protestantisch-konservativen Elternhaus. Von klein auf wollte er Theologie studieren und Pastor werden. Nach dem Theologiestudium in Hamburg, Erlangen und Heidelberg absolvierte er 1963 und 1965 theologische Examen in Hamburg.

Seine Kernfragen, die ihn zutiefst beschäftigten waren dabei: „Wer war der historische Jesus? Was hat er gesagt? Was hat er getan? Können wir überhaupt etwas von ihm wissen?” Für den jungen Paul Schulz waren dies die zentralen Fragen seiner theologischen Arbeit überhaupt - nicht so sehr als eine Glaubensfrage, vielmehr als eine Frage, die seinen Verstand, sein rationales Denken, sein kritisches Forschen herausforderte.

Promotion (Doktor der Theologie) an der Universität Erlangen über die Original-Qumran-Texte vom Toten Meer mit dem Thema: „Der Autoritätsanspruch des Lehrers der Gerechtigkeit in Qumran".

1970 bis 1979 war er Pastor an der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg. Einer seiner Schwerpunkte dort waren die Predigten - mit einem offenen Denkprozess insbesondere über die Frage „Gott" und allen sich daraus ergebenen theologischen Fragen wie Historischer Jesus, Auferstehung und Rechtfertigung, Moral und Lebenswandel, Kirche und moderne Gemeinde, Tod und ewiges Leben.

In diesen „Weltlichen Predigten” entwickelte sich zwischen Schulz und einer stark anwachsenden Gemeinde eine dialogische Dynamik, die nicht durch kirchliche Denkstopps aufhaltbar war. Diese dialogische Denkdynamik mit Schulz trieb die theologische Diskussion in immer schwerwiegendere In-Fragestellungen. Aus dieser Zeit stammen die Veröffentlichungen der Bücher „Ist Gott eine mathematische Formel?” und „Weltliche Predigten”.
Gegen Schulz hat die evangelische Kirche daraufhin - nach dem Kirchengesetz für Lehrbeanstandungen wegen Glaubensdifferenzen - einen Glaubensprozess durchgeführt, ein so genanntes „Lehrzuchtverfahren”. Die Presse sprach von einem „Ketzerprozess” und von „Ketzerpastor Schulz”. Er ist der einzige Pastor und Theologe gegen den die evangelische Kirche einen solchen Prozess durchgeführt hat.
1979 - nach vier Verhandlungsjahren in verschiedenen Instanzen - fällte das Spruchkollegium sein Urteil sinngemäß: Die Theologie von Dr. Schulz entspricht nicht den alten Bekenntnissen der protestantischen Kirche. Schulz verliert deshalb sein Amt als Pastor und alle damit verbundenen geistlichen Rechte. Er verliert zugleich auch alle materiellen Ansprüche wie Beamtenpension etc.

Nach Ausscheiden aus dem Kirchendienst hat er im leitenden Management der freien Wirtschaft gearbeitet, bis er dann 1996 die Senioren-Akademie Alstertal e. V. gründete und seitdem als ihr Leiter führt.

Im Oktober 2006 veröffentlichte Paul Schulz sein Buch „Codex Atheos. Die Kraft des Atheismus". In ihm beschreibt er Grundpositionen des abendländischen Denkens ohne Gott. Sein aufklärendes Ziel: Erst mit der Loslösung von Gott als der größtmöglichen Bevormundungsautorität befreit sich der Mensch zu einem autonomen, sich selbst verantwortenden Ich.
Damit hat er den seinerzeitigen theologischen Diskurs über Gott pointiert in die Welt hinein weiter gedacht und als humanistischer Philosoph eine atheistische Weltanschauung als konsequent „Gottloser" begründet.

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Eine ausführliche Biographie ist auf www.drpaulschulz.de zu lesen.