Der tödliche Anschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo schockierte vor fünfeinhalb Jahren die Welt. Gestern hat in Frankreich der Prozess gegen mutmaßliche Komplizen der Attentäter begonnen. Zum Prozessauftakt veröffentlichte Charlie Hebdo erneut jene Mohammed-Karikaturen, die den Islamisten 2015 als Anlass für ihren Anschlag gedient hatten.
Mina Ahadi ist Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, bekannte Islamkritikerin und kämpft seit langem für Frauen- und Menschenrechte. Dass ein solcher Aktivismus auch Gegenwehr verursachen kann, weiß Ahadi aus Erfahrung selbst am besten, dennoch hat sich die Gefahrenlage für sie in letzter Zeit wieder akut erhöht. Im letzten Monat erhielt sie neun telefonische Morddrohungen.
Auf der einen Seite gibt es in Teilen der deutschen Gesellschaft muslimfeindliche Ressentiments mit rassistischer Tragweite, auf der anderen Seite existiert ein Milieu, das mittels des "legalistischen Islamismus" eine Gesellschaft mit totalitärem Weltbild anstrebt. Weder das Verharren in Ressentiments noch eine Immunisierung gegen Kritik werden uns weiterbringen, stattdessen sollten humanistische Werte gestärkt werden.
Nurhan Soykan, die stellvertretende Vorsitzende und frühere Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime in Deutschland ist als ständige Beraterin ins Referat "Religion und Außenpolitik" des deutschen Außenministeriums berufen worden. Sie berät das SPD-geführte Außenministerium und die Bundesregierung in Sachen gesellschaftliche Organisationen in islamisch geprägten Ländern. Die Juristin Soykan ist seit Jahren Spitzenfunktionärin diverser muslimischer Dachverbände.
Nicht erst mit dem Aufstieg der islamistischen Terrormiliz IS wurde deutlich, dass Teile der deutschen Politik weder eine eindeutige Definition des Islamismus-Begriffes haben noch dass sie überhaupt in der Lage sind, die Tragweite der Problematik auch fernab von radikalen Salafisten überblicken zu können.
Islamistische Terroristen haben am letzten Dienstag die Bevölkerung des Nomadendorfes Faduma Kolomdi im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias zum Gebet zusammengerufen und sie dann standrechtlich erschossen. Mindestens 81 Menschen starben im Feuer der Maschinenpistolen, unter ihnen auch viele Frauen und Kinder. Bei dem Massaker wurden 13 Personen verletzt, sieben Dorfbewohner wurden von den Angreifern verschleppt.
Auch wenn sie hierzulande aus den Schlagzeilen verschwunden sind: Die Terrorgruppe Boko Haram verbreitet in Nigeria weiterhin Angst und Schrecken durch neuerliche Gräueltaten. Ein Kindersoldat richtete einen Christen hin, einem anderen wurde die Kehle durchgeschlitzt und es gab mehrere Enthauptungen.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kam die Rede von einem nach Nationalsozialismus und Stalinismus kommenden "dritten Totalitarismus" (Yehuda Bauer) auf, wodurch sich die Frage stellte: Ist der Islamismus der Totalitarismus der Zukunft? Boualem Sansals Dystopie "2084" beantwortet die Frage mit einem "Ja".
Seit kurzem ist es im Handel: Das Buch "Politischer Islam: Stresstest für Deutschland" der Ethnologin Susanne Schröter. Andreas Kyriacou hat es gelesen und empfiehlt es als gut zu lesende und profunde Analyse, die aufrütteln soll.
Das westafrikanische Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Seit Jahren terrorisiert die islamistische Gruppierung Boko Haram das Land im Wunsch, die Scharia als Rechtsgrundlage zu etablieren sowie als westlich bezeichnete Bildung auszumerzen.
Der Religionswissenschaftler Christian Röther will in "Islamismus von außen. Religionswissenschaftliche Analyse der islamkritischen Szene in Deutschland" das im Titel genannte Phänomen darstellen und untersuchen.
Der ägyptische Atheist Sherif Gaber musste im vergangenen Jahr untertauchen, da ihm wegen islamkritischer Videos eine langjährige Haftstrafe droht. Auf Twitter bittet er verzweifelt um Hilfe.
Der religionskritische Blogger Amed Sherwan mischte sich unter eine Pro-Palästina-Demo, um ein Statement für eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts zu setzen. Dabei wurde er nicht nur verbal, sondern auch körperlich attackiert. In einem Kommentar erklärt er die Hintergründe seiner Aktion.
Wo die Scharia praktiziert wird, herrschen Unterdrückung, Ausgrenzung und Gewalt. Der Politologe und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad warnt vor einer naiven Verharmlosung, von der insbesondere die Islamisten profitieren.
Die beiden Unionspolitiker Carsten Linnemann und Winfried Bausback drucken in ihrem Sammelband "Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland" 15 Beiträge, welche aus verschiedenen Perspektiven die Gefahren des Islamismus durch unterschiedliche Verfasser erörtern.