Altruismus bei Tieren? Gar ein Sinn für Gerechtigkeit bis hin zu so komplexen sozialen Interaktionen wie Reue und Vergebung? All das gibt es, unterbreiten Marc Bekoff, der vor allem das Verhalten der Wölfe untersuchte, und die Biophilosophin Jessica Pierce in ihrer Untersuchung "Sind Tiere die besseren Menschen?" Sie bringen empirische Beobachtung auf den systematischen Begriff und kommen der Entstehung der Moral im Tierreich auf die Spur.
Der Historiker Christian Gerlach will in seinem Buch "Der Mord an den europäischen Juden. Ursachen, Ereignisse, Dimensionen" eine Kontextualisierung des Völkermordes vornehmen. Dabei geht er über eine bestehende eindimensionale Perspektive hinaus, worin das Verdienst seiner Studie zu sehen ist, lässt die Opfer aber meist nur als Zahlenwerk erscheinen.
Ohne die alles miteinander verbindende Evolutionstheorie wären die vielen Teildisziplinen der Biologie jede für sich einsame Inseln, getrennt voneinander in einem großen Meer der Wissenschaft: Die Neurobiologen wären zwar immer noch gefesselt von zuckenden Nervenzellen, die Botaniker trotzdem fasziniert von der Vielfalt der Pflanzenwelt und die Paläontologen würden dennoch die spannenden Knochenfunde vergangener Epochen vergleichen können. Jede Disziplin würde aber irgendwann immer an die gleiche Grenze mit der gleichen Frage stoßen: Warum? Sie könnten sich nicht untereinander auf Konferenzen austauschen und ihre Befunde vergleichen, denn ihnen fehlte das Konzept, mit dem sie ihre doch so völlig verschiedenen Erkenntnisse über die Natur in Einklang bringen könnten.
Der Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker geht in seinem Buch "Die Salafisten. Der Aufstand der Frommen, Saudi-Arabien und der Islam" auf die Entwicklung des Salafismus im historischen, politischen, sozialen und theologischen Sinne ein. Das Buch ist als Gesamtdarstellung auf engem Raum konzipiert, bringt entsprechend komprimiert wichtige Inhalte, hätte aber noch ein Mehr an analytischen Einschätzungen verdient gehabt.
Der Philosoph Reinhard Olschanski untersucht in "Der Wille zum Feind. Über populistische Rhetorik" die Rhetorik von Populisten hinsichtlich ihrer Besonderheiten, wobei ihm die Feindbildprojektion als zentraler Punkt erscheint. Der Autor benennt zahlreiche wichtige Erkenntnisse, auch zur Differenzierung von demokratischer und populistischer Rhetorik, hätte aber insgesamt dem Buch mehr Struktur und Systematik zukommen lassen können.
Der Psychoanalytiker Fethi Benslama legt mit "Der Übermuslim. Was junge Menschen zur Radikalisierung treibt" eine Deutung zu den Ursachen vor, welche insbesondere auf Ent-Identifizierung- und Re-Identifizierungswahrnehmungen abstellen. Der Essay nimmt die individual-psychologischen Bedingungsfaktoren ins Visier, wirkt aber etwas zu assoziativ und unsystematisch konstruiert.
Der Philosoph Daniel-Pascal Zorn will in "Logik für Demokraten. Eine Anleitung" die formalen Merkmale populistischen, totalitären und demokratischen Denkens herausarbeiten. Zwar gelingt ihm eine kritische Betrachtung von Manipulationstechniken, gleichwohl fehlt es dem Buch an Aktualität und Struktur für ein wichtiges Anliegen.
Viele Menschen, besonders Kinder und Jugendliche, interessieren sich für Paläontologie, weil sie Geschichten von blutrünstigen Raubsauriern spannend finden, wenige wissen jedoch, welcher "Knochenarbeit" (in doppelter Bedeutung) es bedarf, der Erdgeschichte ihre diesbezüglichen Geheimnisse zu entreißen. Kai Jäger, der ebenfalls bereits als Kind der Faszination "alter Knochen" erlegen war, führt – als nunmehr 30jähriger Wissenschaftler – die Leser auf "eine Reise zu unseren Ursprüngen".
Der Philosoph Edgar Dahl legt mit "Warum sie Hitler folgten. Die andere Hälfte der Wahrheit" eine Deutung der Geschichte des Nationalsozialismus und Zweiten Weltkriegs vor. Dabei meint er u.a. die Hauptkriegsschuld nicht bei Hitler, sondern bei Roosevelt sehen zu können und bewegt sich auch ansonsten im Irrgarten der Zeitgeschichte.
Jetzt sind sie angekommen. Die Human-Animal Studies beginnen, sich im deutschsprachigen Raum zu etablieren. An der Universität Kassel wurde unlängst ein Lehrstuhl geschaffen. Die Universität Wien ermöglicht einen Masterstudiengang. Im englischsprachigen Raum entstanden sie in den 90ern. Die erste deutschsprachige Einführung von Gabriele Kompatscher, Reingard Spannring und Karin Schachinger liest sich immer noch wie ein Manifest.
Der Politikwissenschaftler Florian Hartleb legt mit "Die Stunde der Populisten. Wie sich unsere Politik trumpetisiert und was wir dagegen tun können" eine Darstellung zum aktuellen Populismus-Phänomen vor. Auch wenn es sich nicht um das Buch zum Thema handelt, liefert es auch im analytischen Sinne eine Fülle von Anregungen zur Analyse, mitunter etwas abschweifend vom eigentlichen Thema.
Die Journalistin Melanie Amann legt mit "Angst für Deutschland. Die Wahrheit über die AfD: wo sie herkommt, wer sie führt, wohin sie steuert" ein Buch zu der Partei vor. Es lebt inhaltlich von den Ergebnissen der intensiven journalistischen Recherche, ihm fehlt es aber an analytischem Tiefgang.
Der Philosoph Hans Albert, der bekannteste deutsche Repräsentant des Kritischen Rationalismus, legt mit "Zur Analyse und Kritik der Religionen" einen schmalen Band zum Thema vor. Gekonnt kritisiert er darin die Annahmen von Theologen eben aus der Perspektive des Kritischen Rationalismus, wobei dies etwas fragmentarisch und unsystematisch geschieht.
Anfang 2014 erschien der 6. Band der "Gesammelten Werke" von Rosa Luxemburg. Die darin enthaltenen Texte über Religion, den Diskussionen besonders zur "Staat-Kirche-Trennung", wie sie um 1900 im sozialdemokratischen Umfeld der Freidenker in Deutschland geführt wurden und bis heute fortwirken, wurden in einer Rezension im hpd vorgestellt. Der nun im März 2017 erschienene, abschließende Band 7 (1233 S., 2 Teilbände) ist ebenfalls von den Historikern Annelies Laschitza und Eckhard Müller ediert. Er wird im Folgenden von Horst Groschopp vorgestellt.
Ein kleiner Band widmet sich der Beantwortung der großen Fragen des Terrors. Dass der (Angst-)Begriff "Terror" im Titel ohne eine weitere Attribution verwendet wird, ist signifikant, denn es geht den Autoren um die Zusammenhänge von "Staatstyrannei", dem Terror der "strukturellen Gewalt" und dem (islamistischen) Terror. Die Beiträge beleuchten, womit der Terror zusammenhängt und wohin die Bekämpfung des Terrors die Weltgesellschaft geführt hat; sie lassen sich so auch als prägnante Bestandsaufnahme lesen.