Demnächst jährt sich zum zweihundertfünzigsten Mal die Unabhängigkeitserklärung der USA. Die welthistorische Dimension der damaligen Ereignisse dürfte dann wieder stärker zum öffentlichen Thema werden. Vor kurzem sind zwei erste historische Darstellungen zur "amerikanischen Revolution" erschienen.
Am 4. Juli feiert die Unabhängigkeitserklärung der USA zweihundertfünfzigstes Jubiläum. Deren Autoren wollten sich nicht einem König unterwerfen und einen unabhängigen Staat etablieren. Erstmals entstand eine moderne Demokratie, die auch individuelle Grundrechte beschwor. Bekanntlich heißt es in der Einleitung der Erklärung: "Wir halten diese Einsichten für selbstverständlich, dass alle Menschen gleich geschaffen sind." Die folgende Außen- und Innenpolitik des neuen Staates waren indessen nur partiell von diesen Werten geprägt. Gleichwohl deutete diese historisch-politische Entwicklung an, dass liberale Grundprinzipien fortan wichtig werden sollten. Die zitierte Aussage nutzte etwa 1963 Martin Luther King, um die Gleichstellung der Schwarzen einzufordern. Gerade dieser Bezug macht das Moderne der "amerikanischen Revolution" von 1776 deutlich. Doch welche historisch-politischen Ereignisse standen dafür? Antworten auf diese Frage geben anlässlich des Jubiläums zwei Neuerscheinungen in Buchform.

Der erste Band stammt von Volker Depkat, einem deutschen Historiker mit Schwerpunkt US-Geschichte. "Die Amerikanische Revolution" erschien in der "Wissen"-Reihe, in der einführende Bücher nur 128 Seiten haben. Dass man darauf eine gute Darstellung und Einschätzung präsentieren kann, macht Depkat in mustergültiger Form deutlich. Er definiert einleitend den historischen Prozess, der die Jahre von 1763 bis 1788 prägte und zu den Vereinigten Staaten von Amerika führte. Dabei handelte es sich sowohl um ein imperiales Ereignis wie einen nationalen Gründungsakt. Einschlägige Deutungen aus der Forschung thematisiert er dazu fair und komprimiert. Der Autor spricht bezüglich der Fernwirkung auch von der "Geburt der liberalen politischen Moderne". Danach geht er auf die historische Entwicklung ein, beginnend mit dem Ausgangspunkt des "kolonialen Britisch-Nordamerika" über den mit Großbritannien als Kolonialmacht geführten Steuerstreit bis hin zu den Revolutionskriegen und der Staatsgründung der USA.
Die Betonung der politischen Moderne bedingt dabei keine unkritische Schönschreibung. Dass das Gleichheitsversprechen der Unabhängigkeitserklärung erst spät wirklicher wurde, machen die Ausführungen zu der Behandlung der Indigenen und Schwarzen deutlich. Besondere Aufmerksamkeit finden auch die Kontroversen zur Verfassungsgebung, deren progressive Ausrichtung erst im historischen Kontext breiteres Verständnis findet. Auch bei all diesen Fragen beeindruckt der Historiker durch Problemorientierung und Unterscheidungsvermögen. Er packt viele Einzelerkenntnisse in die jeweiligen Sätze, ohne eine flache Darstellung mit undifferenzierten Wertungen zu präsentieren. Die sozioökonomischen Aspekte spricht Depkat ebenfalls an, etwa wenn es um die "Herrschaft der Männer von Besitz und Bildung auch in einem republikanisch verfassten Gemeinwesen" (S. 92 f.) geht. Derartige Aspekte hätten noch stärker thematisiert werden können, wenn auch es kein unkritisches Werk ist.

Das zweite Buch stammt von Joseph J. Ellis, einem bekannten amerikanischen Historiker, der zahlreiche Arbeiten zur Frühgeschichte des Landes veröffentlicht hat. Bereits 2014 erschien die Originalausgabe von "1776. Der Sommer der Revolution", eine eher kurz gehaltene Beschreibung der gemeinten Ereignisse. Der Autor orientiert sich an einer traditionellen Blickrichtung, ist seine Darstellung doch meist auf handelnde Einzelpersonen fixiert. So verhält es sich auch in dem genannten Buch, das die militärische und politische Dimension gut verbindet. Andere Darstellungen von Historikern aus dem Land neigten eher zur Separierung der jeweiligen Themen. Ellis bleibt jedoch auch hier seiner Personenfixierung treu. Das macht die Ereignisbeschreibung plastisch und spannend. Mitunter erlaubt er sich literarische Formulierungen, um Spannungsmomente auszulösen. Dann endet ein Kapitel schon einmal mit "Es war ein unheilvolles Zeichen" (S. 63), was an einen Cliffhanger in einem Krimi erinnert. Ellis bleibt dabei aber durchgängig seriöser Historiker.
Gleichwohl begrenzt sein methodischer Ansatz den Erkenntnisgewinn der genannten Monographie. Der für die geschilderten Ereignisse relevante historisch-politische Hintergrund ist nur an wenigen Stellen inhaltlich ein relevantes Thema. Der Autor treibt in seiner Darstellung die historischen Ereignisse wie in einem Spannungsbogen voran, aber eben ohne die konkrete Bedeutung dieser Handlungen auch in welthistorischer Sicht verständlich zu machen. Kapitelüberschriften wie "Männer unter Waffen", "Der Nebel des Krieges" oder "Herzen und Gedanken" veranschaulichen diese Vermittlungsform. Die amerikanischen Akteure stehen dabei im Mittelpunkt, ihnen werden zwar gelegentlich Fehler zugeschrieben, aber letztendlich doch ein Heroenbild gemalt. Ellis spricht durchaus widersprüchliche Haltungen an, so ist etwa die Sklaverei gelegentlich ein Thema, doch nur kurz und an wenigen Stellen. Die allgemeine Bedeutung der geschilderten Ereignisse in einem weltpolitischen Sinne wird so nicht veranschaulicht.
Volker Depkat, Die amerikanische Revolution, München 2026, C. H. Beck-Verlag, 128 Seiten, 14 Euro
Joseph J. Ellis, 1776. Der Sommer der Revolution, München 2026, C. H. Beck-Verlag, 249 Seiten, 28 Euro






