KORSO-Strategieklausur in Berlin

Gemeinsame säkulare Positionen für die Zukunft

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Arbeitsatmosphäre in den Arbeitsgruppen
Arbeitsatmosphäre in den Arbeitsgruppen

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Arbeitsatmosphäre in den Arbeitsgruppen
Arbeitsatmosphäre in den Arbeitsgruppen

Am vergangenen Samstag fand im Rahmen der "Säkularen Woche der Menschenrechte" in Berlin auch eine KORSO-Strategieklausur statt. In lebendiger und konstruktiver Arbeitsatmosphäre kamen Vertreter verschiedener säkularer Organisationen zu einem Arbeitstreffen zusammen, um sich auszutauschen. Zum Schluss verabschiedeten sie eine gemeinsame Resolution.

Nach Kassel (2014) und Klingberg (2016) fand in Berlin die dritte Strategieklausur des KORSO, des Koordinationsrates säkularer Organisationen, unter Leitung des Vorsitzenden Helmut Fink statt. Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter des IBKA (Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten), der gbs (Giordano-Bruno-Stiftung), des HVD (Humanistischer Verband Deutschlands), des bfg (Bund für Geistesfreiheit) Bayern und München, des DFV (Deutscher Freidenker-Verband), der Stiftung Geistesfreiheit Hamburg und des DFW (Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften). Außerdem waren Gäste der Schweizer Freidenker, der gbs Österreich und der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V. vor Ort.

Es gab mehrere Vorträge und Impuls-Referate mit anschließender Diskussion. Das erste hielt Sven Speer, Büroleiter der FDP-Bundestagsabgeordneten Katja Suding und Leiter des Think Tanks "Forum Offene Religionspolitik", über die Rolle säkularer Interessen in der Politik. Das zweite kam von Michael Wladarsch vom bfg München und drehte sich um die Themen gemeinsames Auftreten, Verbandskommunikation und die Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit. Den dritten Beitrag leistete Frank Nicolai, Chefredakteur des Humanistischen Pressedienstes (hpd). Er hatte Erfreuliches zu vermelden: So hätten sich die Klickzahlen in den letzten Jahren fast verdoppelt, wodurch die Reichweite enorm gestiegen sei und der hpd jetzt auch außerhalb der säkularen Szene wahrgenommen werde. Den vierten Vortrag hielt Nicolai Sprekels von der Menschenrechtsorganisation SARAM über die Funktionsweise von Lobbyarbeit. Anschließend legte Volker Mueller vom DFW ein Thesenpapier für ein verpflichtendes, integratives, wertebildendes Schulfach außerhalb des Religionsunterrichts vor. Wolf Merk vom Säkularen Forum Hamburg klinkte sich ein und berichtete, dass auf dem SPD-Landesparteitag im Oktober einstimmig beschlossen worden sei, den in der Hansestadt erteilten "Religionsunterricht für alle", der sich in der Hand der evangelischen Kirche befindet, für alle zu öffnen und dabei auch ganz bewusst die Konfessionsfreiheit einzubeziehen.

Das Thema wertebildende Schulfächer wurde ausführlich diskutiert und ging schließlich in ein Workshop-Thema über. Ein anderer Arbeitskreis behandelte das Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Nachdem die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen vorgetragen und besprochen waren, verabschiedeten die anwesenden Vertreter säkularer Organisationen folgende gemeinsame Resolution für die Zukunft:

Säkulares Staatsverständnis stärken!

Die im Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO e. V.) zusammengeschlossenen Verbände, Vereine und Stiftungen treten für ein säkulares Staatsverständnis ein. Die Grundwerte unseres Zusammenlebens bedürfen der ethischen Reflexion, nicht jedoch einer transzendenten Überhöhung.

Die Sphären von staatlicher Ordnung und religiösem Glauben getrennt zu haben, ist eine zentrale Errungenschaft der Aufklärung. Diese Trennung der Sphären ist zu einem Erfolgsmodell geworden, von dem in der weltanschaulich heterogenen Gesellschaft der Moderne auch alle Gläubigen profitieren. Dieses Modell sollte gemeinsam verteidigt werden.

Der säkulare Rechtsrahmen sichert die Freiheit des Einzelnen gegenüber religiöser Bevormundung und verhindert Diskriminierung aus weltanschaulichen Gründen. Wir begrüßen die jüngste Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) in Fragen des kirchlichen Arbeitsrechts. Loyalitätspflichten gegenüber religiösen Moralvorstellungen müssen auf verkündigungsnahe Bereiche beschränkt bleiben und juristisch überprüfbar sein. Religiöse Vorschriften begründen kein höheres Recht.

Die explizite Verankerung des Gottesbegriffs in den Präambeln des Grundgesetzes und der Länderverfassungen ist in einem säkularen Staat nicht angemessen. Ferner lehnen wir die Anbringung religiöser Symbole in den Räumen staatlicher Behörden, in Gerichtssälen und in der öffentlichen Schule entschieden ab. Staatsbürgerliches Bewusstsein hat viele persönliche, philosophische und historische Quellen, deren Symbolisierung in einer pluralen Gesellschaft nicht mehr weltanschaulich gebunden sein kann.

Im hundertsten Jahr nach Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung mit ihrem säkularen Religionsverfassungsrecht ist das Verfassungsgebot der Ablösung der historischen Staatsleistungen an die Kirchen noch immer nicht eingelöst. Wir fordern ein Rahmengesetz des Bundes und seine Umsetzung durch die Länder, um den Anachronismus dieser Zahlungen endlich zu beenden.

Der nächste wichtige Termin des KORSO steht bereits fest: Am 30. März 2019 kommen die Mitgliedsorganisationen in Kassel zu einer Ratsversammlung zusammen.