Zur Dunkelfeldstudie von BKA, BMFSFJ und BMI

Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelfall – sie ist System

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Symbolbild
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Vor zwei Tagen wurde in der Bundespressekonferenz die Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag" vorgestellt. Darin ging es auch um nicht angezeigte Partnerschaftsgewalt. Terre des Femmes nennt das Ausmaß "schockierend".

"Die LeSuBiA-Studie zeigt es schwarz auf weiß: Gewalt gegen Frauen ist keine 'Ausnahme', kein 'Beziehungsdrama', keine 'Familientragödie', sondern findet leider täglich statt und gipfelt zu oft in einem Femizid. Das Ausmaß in Deutschland ist schockierend", sagt Gesa Birkmann, Geschäftsführerin für Politik und Themen bei Terre des Femmes.

Laut Bundesinnenministerium wird ein Großteil der Gewalterfahrungen nicht angezeigt, sondern nur weniger als 10 Prozent. Bei ehemaligen und aktuellen Partnerschaften rangieren die Quoten der zur Anzeige gebrachten psychischen und körperlichen Gewalt sogar unter 5 Prozent.

"Die neue Datenlage ist ein wichtiger Schritt. Jetzt braucht es zwingend weitere Maßnahmen, um die Menschen in Deutschland, insbesondere Kinder, Frauen und vulnerable Gruppen, die die Gewalt besonders hart und mehrfach trifft, vor Gewalt zu schützen", so Gesa Birkmann weiter.

"Täterarbeit, Frauenhäuser, Beratungsstellen oder polizeiliche Wegweisungen sind sehr wichtige Maßnahmen. Es wäre aber gleichzeitig unerlässlich, schon anzusetzen, bevor Gewalt ausgeübt wird. Terre des Femmes fordert, Präventionsmaßnahmen umgehend und konsequent auf die Frühintervention auszurichten, um Gewalt bereits im Entstehungsprozess zu verhindern – nicht erst nach ihrer Eskalation."

Darüber hinaus fordert die Frauenrechtsorganisation eine Modernisierung von Risikoanalyse und Gefahrenmanagement durch die Einführung verbindlicher, standardisierter und kontextangepasster Gefährdungsanalysen als Grundlage für Schutzmaßnahmen. Damit könnten Rückfallquoten von Tätern um bis zu 50 Prozent gesenkt werden.

Terre des Femmes sieht Arbeitsplätze als zentrale Orte der Prävention: Häusliche Gewalt mindere die Produktivität Betroffener um bis zu 48 Prozent. Die Organisation plädiert für flächendeckende Schulungen für Personalabteilungen, Führungskräfte und Mitarbeitende, insbesondere auch im öffentlichen Dienst. Dabei sollten Gewerkschaften sowie Arbeitgeberverbände eine Multiplikatorenrolle übernehmen.

Schulen müssten Gewaltprävention als Pflichtinhalt verankern, denn Jugendliche erlebten bereits in frühen Beziehungen Gewalt. Internationale Programme belegten, dass Aufklärung Gewalt messbar reduziere. Häusliche Gewalt müsse daher als fester Bestandteil in Curricula, Lehrerfortbildungen und Elternarbeit aufgenommen werden, um Rollenbilder und Machtstrukturen frühzeitig zu reflektieren.

Politische Verantwortung für Frühintervention sei unabdingbar. Daher fordert Terre des Femmes die klare politische Priorisierung durch nachhaltige Finanzierung von Präventionsmaßnahmen, verbindliche Rahmenbedingungen und eine bundesweite Strategie zur Gewaltprävention.

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