Esoterik in der Erwachsenenbildung, Pseudomedizin im Nationalsozialismus und die weltweite Bedrohung von Wissenschaft und Meinungsfreiheit sind Themen der kürzlich erschienenen Skeptiker-Ausgabe 4/2025.
In Krisenzeiten erlebt Esoterik einen wahren Boom. In Sinnangeboten wie Astrologie hoffen viele Menschen, Orientierung und psychische Entlastung zu finden. Entsprechend schlagen sich esoterische Angebote auch in der Erwachsenenbildung nieder, etwa im Programm von Volkshochschulen. Philipp Wilhelm Kranemann arbeitet als Dozent in der außerschulischen politischen Bildung. Für die aktuelle Skeptiker-Ausgabe hat er sich die Lage genauer angeschaut. Und kommt zu einem ernüchternden Fazit: "Es sieht nicht gut aus für die Erwachsenenbildung." Mit klassischer Bildungsarbeit lasse sich offenbar nur wenig ausrichten, wenn Esoterik in der Gesellschaft immer wieder auf Resonanz stoße. Vor allem überzeugte Anhänger, etwa der Astrologie, ließen sich auf diese Weise nicht vom Glauben abbringen. Doch Kranemann sieht auch Hoffnung, denn es gebe eine große Gruppe von Nicht-Überzeugten. Bei ihnen könne man ansetzen, indem man den vermeintlichen psychischen Entlastungen durch esoterische Angebote Hilfen zur emotionalen Bewältigung gegenüberstellt.
Zudem findet sich im Heft der zweite und abschließende Teil des Beitrags über Verflechtungen der sogenannten Alternativmedizin mit der Politik im Nationalsozialismus (Teil 1 siehe Skeptiker 3/2025). Der hpd-Autor Michael Scholz und der Mediziner Edzard Ernst betrachten darin exemplarisch die Biografien von Ärzten, die die nationalsozialistische Medizinpolitik aktiv unterstützten und auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges unbehelligt blieben. Ein Beispiel ist Rudolf Kießwetter, der an Menschenversuchen im KZ Dachau beteiligt war. Dabei wurde untersucht, ob sich pseudomedizinische Präparate (Schüßler-Salze) bei Infektionen als Ersatz für Sulfonamide anwenden lassen. Wie zu erwarten, erwiesen sich die Mittel als unwirksam und die meisten der so behandelten Häftlinge starben. Nach Kriegsende wurde Kießwetter zwar zu zehn Jahren Haft verurteilt, konnte dem Gefängnis jedoch entgehen und arbeitete später in der DDR als Arzt weiter.
Ebenfalls betrachtet wird Alfred Brauchle, der eine zentrale Rolle in der NS-Rassenmedizin und Euthanasiepolitik spielte. Er vertrat eine völkische und rassistische Gesundheitsideologie und verfolgte das Ziel, durch "Naturheilkunde" zur Stärkung des "arischen Volkes" beizutragen. Die moderne "Schulmedizin" diffamierte er als "entartet". Brauchle war aktiv an der Diskriminierung jüdischer Ärzte beteiligt und lieferte mit seinen Theorien eine ideologische Rechtfertigung für die nationalsozialistische Euthanasiepolitik. In abgeschwächter Form wirkte seine rassehygienische Argumentation nach 1945 fort.
Die Grundsätze der Wissenschaft – Offenheit für Korrekturen und Unabhängigkeit von Autoritäten – sind heute erneut bedroht: Spirituelle und indigene Weltanschauungen werden zunehmend mit empirischer Wissenschaft gleichgesetzt. Was als moralisches Projekt zur Beseitigung historischer Ungleichgewichte begann, entwickelt sich zu einer Gefahr für die Idee universeller Beweisstandards. Das schreibt der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) Amardeo Sarma. Sarma, der sich zudem als Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation Scientific Temper engagiert, illustriert dies anhand von Beispielen aus Indien.
So habe Indiens erster Premierminister Jawaharlal Nehru das wissenschaftliche Denken als essenziell für den Fortschritt des Landes betrachtet, und heute zeige die indische Biologin und Wissenschaftsphilosophin Meera Nanda, wie nichtwissenschaftliche – ayurvedische und vedische – Konzepte im Land allein durch Autorität überdauern – ohne jegliche empirische Stütze. "Afrikanische und indische Stimmen erinnern uns daran, dass die Ablehnung der universellen Vernunft die ehemals Kolonisierten nicht befreit, sondern sie in intellektueller Abhängigkeit gefangen hält", schreibt Sarma. Der Weg nach vorne bestehe nicht darin, die Wissenschaft durch alternative "Erkenntniswege" zu ersetzen, sondern ihre Reichweite auszudehnen. Ganz wichtig dabei: Demut, Transparenz und Inklusion.
"Konzentrieren Sie sich wie ein Laser auf die Leistung!" Das empfiehlt der amerikanische Sozialpsychologe Prof. Lee Jussim im Interview mit Timur Sevincer und Nikil Mukerji von der GWUP. Gerade bei der Personalauswahl sei der konsequente Fokus auf konkrete Leistungen die effektivste Methode, um den Einfluss von Vorurteilen auf Entscheidungen zu verhindern, sagt Jussim und verweist auf eine umfassende Meta-Analyse. Multikulturalismus und "Farbenblindheit", also die Überzeugung, dass die Hautfarbe irrelevant sei, hätten sich dagegen als anfälliger für Fehleinschätzungen erwiesen.
Ein weiterer Beitrag widmet sich dem Thema Meinungsautoritarismus, das durch die Politik der Trump-Regierung neue Aktualität gewonnen hat, sich aber ebenso rigoros bei einigen "woken" Aktivisten zeigt. Eine dramatische Situation, in der Nikil Mukerji gleichwohl einen Hoffnungsschimmer erkennt. Der wissenschaftliche Leiter der GWUP zitiert Beobachter, die in der Situation eine fear equity, eine "Gleichheit der Angst", feststellen. Das bedeutet: Im gegenwärtigen politischen Klima müssen liberalkonservative Stimmen ebenso mit Sanktionen rechnen wie Akteure der akademischen Linken. Mukerji schreibt: "Die aktuelle Cancel Culture, die vom Umfeld des US-amerikanischen Präsidenten ausgeht, könnte paradoxerweise etwas Nützliches bewirken: einen Grundkonsens, Freiheitsrechte prinzipiell und nicht nur für die eigene Seite zu verteidigen." Ziel müsse es sein, Debatten zu ermöglichen, in denen allein das bessere Argument zählt – und Organisationen wie die GWUP spielten dabei eine zentrale Rolle.
Außerdem gibt es im Heft, wie immer, aktuelle Berichte und Buchkritiken. Und der Physiker Prof. Sascha Skorupka verrät, was alternative Reinigungsmittel wirklich können und wie Kleidung und Wohnung am besten sauber werden.






