Bund für Geistesfreiheit Augsburg verleiht Ludwig-Feuerbach-Preis an Dr. Gerhard Czermak

czermakportrrait.png

Dr. Gerhard Czermak
Dr. Gerhard Czermak

Am Donnerstag, den 9. November wird in einem Festakt der "Ludwig-Feuerbach-Preis" des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Augsburg an Dr. Gerhard Czermak vergeben. Die Laudatio hält der Philosoph, Schriftsteller und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Dr. Michael Schmidt-Salomon.

Der Vorsitzende des bfg Augsburg, Gerhard Rampp, spricht über das Engagement Czermaks in der säkularen Weltanschauungsgemeinschaft, deren zweiter Vorsitzender er fast zwei Jahrzehnte war. Ein Flötenduo sorgt für die musikalische Umrahmung des Festprogramms. Anschließend findet ein Stehempfang statt.

Der Ludwig-Feuerbach-Preis wird vom Bund für Geistesfreiheit Augsburg (KdöR) seit 2001 an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise für humanistische Werte und Belange engagieren. Er ist nach Ludwig Feuerbach, dem berühmten deutschen Religionskritiker und Aufklärer des 19. Jahrhunderts, benannt und mit 2.000 Euro dotiert. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der Schriftsteller und Religionskritiker Karlheinz Deschner, der Psychologe Franz Buggle, der Philosoph Norbert Hoerster, der Gründer der Giordano-Bruno-Stiftung Herbert Steffen und die Juristin und Politikerin Ingrid Matthäus-Maier.

Der diesjährige Preisträger Dr. Gerhard Czermak hatte bereits seine Doktorarbeit einem religionsverfassungsrechtlichen Thema gewidmet und schuf in der Folge mit seinem Engagement und zahlreichen Abhandlungen, Stellungnahmen und Büchern zum Religionsverfassungsrecht wesentliche Voraussetzungen für eine stärkere Beachtung des Verfassungsgebots der weltanschaulichen Neutralität des deutschen Staates. Neben seiner Tätigkeit als Verwaltungsrichter und in den Jahren nach seiner Pensionierung brachte er sein einzigartiges juristisches Fachwissen nicht zur in zahlreichen Publikationen zu Papier, sondern setzte es als maßgeblicher Impulsgeber und Direktoriumsmitglied auch bedeutsam beim Institut für Weltanschauungsrecht ein, das ihm viel zu verdanken hat.

Einige von Czermaks Publikationen werden neben weiterer einschlägiger Fachliteratur auf einen Büchertisch des Alibri Verlags präsentiert.

Über den Bund für Geistesfreiheit Augsburg

Der Bund für Geistesfreiheit (bfg) Augsburg wurde 1911 als "Freireligiöse Gemeinde Augsburg" gegründet. Doch die Ursprünge dieser Bewegung und der Bezeichnung gehen bis auf die 1848er-Revolution zurück.

In der Weimarer Republik gehörte die Augsburger Gruppe dem Volksbund für Geistesfreiheit an, der vor seiner Auflösung durch die Nazis bundesweit 780.000 Mitglieder hatte und dessen zentrale Themen neben der Auseinandersetzung zwischen Evolutions- und Schöpfungslehre das Recht auf Feuerbestattung und eine eigene Bestattungskultur waren, wie auch sein historisches Emblem symbolisierte.

Im Oktober 1950 wurde die Augsburger Gruppe neu gegründet. Den Namen "Bund für Geistesfreiheit" nahm sie 1958 an, weil der Begriff "freireligiös" missverständlich geworden war.

1980 war der bfg Augsburg wesentlich an der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) beteiligt.

Seit 1982, als er nur noch 54 Mitglieder hatte, wuchs der bfg Augsburg wieder stetig an. Am 8. Januar 1990, als es schon wieder rund 200 Mitglieder waren, wurde ihm die Eigenschaft einer weltanschaulichen Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. 2011 konnte der bfg Augsburg wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag sein 1.000. Mitglied begrüßen. Bis Ende 2018 war er auch Mitglied im Bund für Geistesfreiheit Bayern, aus dem er austrat, weil letzterer damals einen Staatsvertrag anstrebte, der dem bfg Augsburg als unvereinbar mit seiner Forderung nach konsequenter Trennung von Staat und Kirche einschließlich dem Ende aller Staatszuschüsse für Kirchen und andere Weltanschauungsgemeinschaften erschien. Seitdem ist der bfg Augsburg vom Kultusministerium als eigenständige säkulare Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt, die inzwischen bayernweit rund 2.200 Mitglieder hat.

Der Bund für Geistesfreiheit Augsburg war einer der elf Beschwerdeführer, die 2020 beim Bundesverfassungsgericht das Grundrecht auf ein selbstbestimmtes Lebensende durchsetzten. In Zusammenarbeit mit der DGHS bietet er Beratungen zu Patientenverfügungen und für ein selbstbestimmtes Lebensende an, die schwerpunktmäßig für Mitglieder des bfg und der DGHS gedacht sind.

Der Festakt findet am 09.11.2023 um 18 Uhr im Veranstaltungssaal (S-Forum) der Stadtbücherei Augsburg, Ernst-Reuter-Platz 1, 86150 Augsburg, statt. Alle Interessierten sind eingeladen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Der Eintritt ist frei.

Unterstützen Sie uns bei Steady!