Rezension

"Muskismus" als Symptom: Ein neues Buch zum "Technoking"

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Elon Musk (2022)
Elon Musk

"Muskismus. Aufstieg und Herrschaft eines Technoking", so ist ein neues Buch über den reichsten Mann der Welt überschrieben. Die beiden Autoren, Quinn Slobodian und Ben Tarnoff, sehen in ihm ein bedrohliches Symptom für unsere Zeit.

Bekanntlich ist er der reichste Mann der Welt: Elon Musk. Der über siebenhundertfache Milliardär hat diesen Status durch diverse Unternehmensgründungen beziehungsweise -übernahmen erlangt. Dazu gehören PayPal, SpaceX, Tesla und das ehemalige Twitter, das er in X umbenannte. Außerdem nutzt er seine Berühmtheit für politischen Einfluss, auch wenn dieser durch einen Konflikt mit US-Präsident Donald Trump etwas zurückging. Etwa empfahl er die AfD in Deutschland zur Wahl, dazu kommunizierte Musk gar digital anlässlich eines Parteitages mit Alice Weidel, Bundessprecherin der Partei.

Es gibt demnach gute und unterschiedliche Gründe, sich mit seiner Person aufmerksam zu beschäftigen. Anregungen dazu liefert eine passende Buchveröffentlichung: "Muskismus. Aufstieg und Herrschaft eines Technoking". Die beiden Autoren sind Quinn Slobodian und Ben Tarnoff, ein Historiker und ein Technologieexperte, die beide demnach von ihrem fachlichen Hintergrund her für die Thematik besonders qualifiziert sind. Sie wollen indessen keinen Enthüllungsbericht vorlegen oder Skandale thematisieren. Es geht ihnen um den öffentlichen Elon Musk.

Dabei fällt der Blick nicht primär auf den Genannten als Person, sondern auf Musk als Typus für unsere Zeit. Es gehe demnach laut der Einleitung nicht um die Frage: Wer ist Musk? Angemessener wäre die Erörterung von: Wofür ist Musk ein Symptom? Allerdings muss man bereits hier kritisch anmerken, dass diese Perspektive nicht konsequent eingehalten wird. Beide Autoren sind doch stärker als beabsichtigt auf die Person fixiert: Sie gehen intensiv auf deren beruflichen Lebensweg mit all seinen Umbrüchen ein. Demgegenüber ist die Aufmerksamkeit für den "Muskismus" nicht systematisch genug ausgeprägt, obwohl das Buch doch genau diesen Titel trägt. Diese Feststellung mindert nicht dessen Qualität, die insbesondere in der akribischen Recherche zu dem biographisch-beruflichen Werdegang besteht. Denn beide Autoren haben auf Basis von öffentlich zugänglichen Quellen einschlägiges Wissen zusammengetragen. Damit erklären sie nicht alle Besonderheiten von Musk, aber viele seiner Praktiken.

Keine beruhigende Wirkung

Zunächst geht es aufgrund des eher biographischen Ansatzes um die jungen Jahre in Südafrika, dem sich die ersten finanziellen Erfolge in diversen ökonomischen und technologischen Kontexten anschließen. Die Autoren machen dabei auf prägende Einflüsse aufmerksam, weniger durch philosophische Klassiker, sondern mehr durch Science Fiction im filmischen oder literarischen Sinne. Detailliert wird über mehrere Etappen der ökonomische Siegeszug thematisiert. Insbesondere die Kombination einer technologischen und wirtschaftlichen Sphäre war von Wichtigkeit. Die Autoren vertreten die Auffassung vom Fehlen einer Ideologie, wenngleich libertäre Einstellungen bei Musk gleichzeitig mit Staatsdistanzen und -nähen auftreten. Da ist dann doch auf einmal von einer "Ingenieursideologie' die Rede. Aber auch eine "Cyborg"- Fixierung wird hervorgehoben, um die Richtung der erstrebten Veränderungen aufzuzeigen. Dazu gehört die erkennbare politische Ausrichtung nach rechts, die wohl nicht allein oder primär etwas mit der Ablehnung des linken "Wokeismus" zu tun hat. Gegenwärtig scheint der Einfluss von Musk zurückgegangen zu sein, hatte er sich doch mit einem anderen Egomanen in politischer Verantwortung überworfen.

Gleichwohl bleibt Musk als Person wichtig, aber auch das mit seinem Namen verbundene Syndrom. Die Autoren hätten das Gemeinte noch etwas stärker systematisieren können, etwa mit Hilfe von ideologie- oder systemorientierten Vergleichen. Eine abgerundete Definition von "Muskismus" fehlt daher in der kenntnisreichen Publikation. Sie ist angesichts der inhaltlichen Ausrichtung auch stark in einer technologischen Sprache gehalten, während die für eine Demokratie bestehenden Herausforderungen häufiger nur am Rande thematisiert werden. Die Autoren schließen mit dem Blick auf vier Szenarien, die aber alle bei der Lektüre und anschließenden Reflexion darüber keine beruhigende Wirkung entfalten können.

Quinn Slobodian/Ben Tarnoff, "Muskismus. Aufstieg und Herrschaft eines Technoking", Suhrkamp/Insel Verlag, Berlin 2026, 281 Seiten, 22 Euro

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