SkepKon 2018

Skeptical: Busting the Bullshit

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Die Skeptical-Akteure: Axel Ebert, Dr. Anna Zakrisson, Bernd Harder, Lydia Benecke, Dr. Natalie Grams (v.l.n.r.)
Die Skeptical-Akteure

Kann man im Doppelblindtest Kölsch von Altbier unterscheiden? Oder verschiedene homöopathische Mittel identifizieren? Wie ticken Impfgegner und Reichsbürger? Und was ist eigentlich dran an den Gerüchten von Satans-Sekten, die angeblich im großen Stil Verbrechen wie sexuellen Missbrauch begehen?

Solche Fragen standen im Mittelpunkt des Skepticals, der Auftaktveranstaltung zur diesjährigen GWUP-Jahreskonferenz SkepKon in Köln. Nach der erfolgreichen Premiere 2017 erwies sich das Format Skeptical auch diesmal wieder als Publikumsmagnet. Nicht weniger als 280 Zuschauer strömten am 10. Mai ("Christi Himmelfahrt") in den ausverkauften KOMED-Saal, um sich einen ganzen abwechslungsreichen Nachmittag dem hochaktuellen Themenfeld Fake-News, Verschwörungstheorien, Wissenschaft und kritisches Denken zu widmen. Durch das Programm führten Dr. Claudia Preis und Bernd Harder.

Die Homöopathie-Challenge

Mit dabei waren auch die Ärztin und ehemalige Homöopathin Dr. Natalie Grams sowie Dr. Norbert Aust, beide aktiv im Informationsnetzwerk Homöopathie (INH). Für die Fans der süßen Zauberkügelchen eröffnete Aust eine besondere Herausforderung: 50.000 Euro winken demjenigen, der es als erster schafft, im Versuch den hochverdünnten homöopathischen Wirkstoff in unbeschrifteten Globuli-Fläschchen korrekt zu benennen.

Das müsste ein Kinderspiel sein – falls die Grundannahmen der Homöopathen stimmen. Nach ihrer Ansicht geht bei der Herstellung homöopathischer Arzneien die "Information" der Grundsubstanz auf das Lösungsmittel über und macht das Mittel wirksam. Gleichwohl ist ab einem bestimmten Verdünnungsschritt kein einziges Molekül des Ausgangsstoffs mehr in dem homöopathischen Mittel enthalten. Deshalb betonen kritische Wissenschaftler, dass die Mittel keinerlei physiologische Wirkung haben können. Anmeldung und ausführliche Informationen zur Homöopathie-Challenge auf einer extra eingerichteten Webseite.

Counter Speech

Zu den weiteren Referenten gehörten der Psychologe und Buchautor Axel Ebert aka Bullshit Buster, der Richter und GWUP-Vorstand Ralf Neugebauer sowie die Biologin und YouTuberin Dr. Anna Zakrisson, bekannt durch ihren Kanal "Dr. Anna's Imaginarium". Als engagierte Wissenschaftskommunikatorin zieht sie den Hass von Impfgegnern auf sich. Die Szene ist umfangreich, die Mitglieder verbunden durch Angst, Verschwörungsdenken, Gemeinschaftsgefühl, traditioneller Religion und Autoritätsglauben. Und die professionellen Akteure machen ordentlich Profit mit Spendengeldern, wie Zakrisson erklärte. Als weiteres Übel identifizierte sie die wachsende Zahl von "predatory journals", also Fachzeitschriften, die Artikel ohne hinreichende Fachprüfung veröffentlichen – gegen Gebühr. Was tun? Ein paar Tipps von Wissenschaftskommunikatorin Dr. Anna: Emotional argumentieren und Mensch bleiben. Zugegeben, die hartgesottenen Impfgegner werden sich auch von freundlich vorgetragenen Argumenten nicht überzeugen lassen. "Aber die Unentschlossenen können wir erreichen", ist Zakrisson überzeugt.

Das Böse ist immer und überall

Eine andere Überzeugung, die sich beinhart in einigen Köpfen festgesetzt hat, ist der Mythos von mächtigen Satans-Sekten, die in großem Stil Vergewaltigungen, Menschenopfer und andere abscheuliche Verbrechen begehen. Das Gerücht geistert immer wieder durch die Medien. Dennoch kommen nie konkrete Details ans Licht, weil auch hochrangigen Persönlichkeiten verstrickt sind, die alle Ermittlungen abwürgen – heißt es. Wer jetzt eine Immunisierungsstategie erkennt, liegt offenbar richtig.

Dirk Bosse, Erster Kriminalhauptkommissar der Polizei in Braunschweig, hat in einem solchen Fall ermittelt: Eine Therapeutin glaubte, eine ihrer Klientinnen sei Opfer solcher Machenschaften geworden, und wandte sich an die Ermittler. Doch alle Nachforschungen blieben ergebnislos, sodass Bosse heute von einer "Verschwörungsphantasie" spricht.

Was Satanisten wirklich so treiben, konnten die Besucher anschließend aus erster Hand erfahren. Nämlich von einem Vertreter der "Brotherhood of Samael", der unter dem Pseudonym "Dollarhyde" auftat. Bereits im September 2017 hatte er sich anlässlich einer Tagung des Bistums Münster zum Thema "Rituelle Gewalt" an einer Facebook-Diskussion der Münsteraner Kirchenzeitung beteiligt. Dort widersprach er der Behauptungen, dass extreme Gewalt gegen Kinder "Teil des Auftrags, der Identität und des Verhaltens" von satanistischen Gruppierungen in Deutschland sei.

Seine Äußerungen fielen damals dem Lösch-Button der Redaktion zum Opfer. Beim Skeptical nun stellte sich Dollarhyde den Fragen aus dem Publikum: anonym und live zugeschaltet. Dabei verlas er populäre Gruselstorys von Teufelsanbetung ins Reich der frommen Legenden. Hauptäschlich gehe es um Individualismus, "dass wir die eigene Existenz gestalten, ohne uns von etwas anderem als den geltenden Gesetzen und den Grundregeln des gesunden Menschenverstands beeinflussen zu lassen."

Ausführliche Interviews mit dem Ermittler Dirk Bosse und dem Satanisten "Dollarhyde" lesen Sie in der kommenden Ausgabe des Skeptiker, die Mitte Juni erscheint.