"Dieses Buch erzählt von 111 außergewöhnlichen Tagen – Tagen, die schockierten, inspirierten oder veränderten. Einige von ihnen sind in die Geschichtsbücher eingegangen, andere wurden beinahe vergessen. Doch sie alle haben die Welt bewegt." Der Historiker und hpd-Autor Ralf Nestmeyer führt auf einer spannenden Reise über 111 Stationen von Caesars Ermordung am 15. März 44 v.u.Z. zu Alexey Nawalnys Tod am 16. Februar 2024. Klar konzipiert, pointiert und kenntnisreich dargelegt werden historische Momente, die die Welt in Atem hielten oder, was sich manchmal auch erst später herausstellte, die Welt bewegten, in prägnant kurz gefasster Form sprachlich und bildlich vermittelt.
Ein gelungenes Buch zu historischen Begebenheiten zeichnet sich durch sorgfältige Recherche, authentische Darstellung der Zeit und Ereignisse sowie eine klare, verständliche Präsentation der Zusammenhänge aus. "111 Tage, die die Welt bewegten" erfüllt diese Anforderungen; Ralf Nestmeyer gelingt es, besondere Momente, Personen, Orte und Abläufe auf jeweils einer Seite anschaulich spannend in Szene zu setzen – ein jedem Thema beigestelltes großformatiges Bild, verbunden mit Literaturtipps, ergänzt die Ausführungen.
Beispiele
Tag 6 – Der unsterbliche Dichter
23. April 1564: Ein Genie, das die Welt bis heute bewegt. William Shakespeare wird als herausragender Dichter und scharfsinniger Beobachter seiner Zeit gewürdigt. Seine Sprache prägt bis heute den englischen Wortschatz. "Fast ein halbes Jahrtausend nach seinem Tod bleibt Shakespeare zeitlos".

Tag 30 – Die Oktoberrevolution
25. Oktober 1917: Ein historischer Wendepunkt mit globalem Nachbeben. Die Revolution brachte nicht nur Hoffnung auf eine Verbesserung der Lebensumstände, sondern auch Gewalt und Chaos. Es stellt sich die Frage, ob eine Revolution wirklich zu einer gerechteren Gesellschaft führen kann, oder unweigerlich neue Formen der Unterdrückung hervorbringt.
Tag 103 – Je suis Charlie
7. Januar 2025: Der Angriff auf die Pressefreiheit. Zwölf Menschen starben, elf Personen wurden teilweise lebensgefährlich verletzt. Doch der Versuch, eine kritische Stimme zum Schweigen zu bringen, scheiterte. Zum zehnten Jahrestag des Anschlags veröffentlichte Charlie Hebdo eine Sonderausgabe. Das Titelbild zeigte einen lachenden Mann, der auf einem Maschinengewehr sitzt und Charlie Hebdo liest.
Aus säkular-humanistischer Sicht sind besonders auch die Themen Galilei vor Gericht (Der Ketzer, der die Sterne bewegte), Lissabon in Trümmern (Ein Erdbeben verändert das Denken), die Französische Revolution (Der Aufstand, der die Welt veränderte), Auf den Galápagos-Inseln (Entdeckung der Entstehung der Arten), Decodierung des Lebens (Watson und Crick lüften das Geheimnis der DNA), Licht der Menschenrechte (Wie Amnesty International die Welt veränderte), Salman Rushdie in Gefahr (Die Folge der Todesfatwa) hervorzuheben.
"111 Tage, die die Welt bewegten" kann als Geschichtskompendium, als Bildband und, last but not least, Nachschlagewerk gesehen werden. Es erfüllt alle Anforderungen, Leserinnen und Leser gedanklich in das behandelte Ereignis beziehungsweise in die entsprechende Zeit zu versetzen. Multiperspektivität und kritische Distanz verhindern einseitige Sichtweisen, Zusammenhänge werden so vermittelt, dass sie für unterschiedliche Zielgruppen verständlich, aber nicht zu vereinfachend dargestellt sind.
Die Auswahl bietet einen chronologischen Querschnitt durch verschiedene Epochen mit thematischer Vielfalt – von politischen bis zu kulturellen oder technischen Durchbrüchen. Die beschriebenen Ereignisse werden nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit größeren Entwicklungen gezeigt, wobei nicht nur dramatische Stunden der Veränderung und Katastrophen, sondern auch Tage der Euphorie, der Hoffnung und des Fortschritts abgebildet werden. Ein Schmankerl für Geschichtsinteressierte aller Altersstufen.
Ralf Nestmeyer, 111 Tage, die die Welt bewegten, Emons Verlag, Köln 2025, 231 Seiten, 18,95 Euro, ISBN 978-3-7408-2598-0






