Das Strafverfahren gegen den Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly vor einem Moskauer Gericht hat zwar am Heiligabend mit einer nicht öffentlichen Voranhörung begonnen, wurde dann aber vom Richter Otschirow auf den 28. Januar vertagt. Tilly wird laut Anklage vorgeworfen, Fakes über die russische Armee verbreitet zu haben. Offenbar sind seine bissig-satirischen Karnevals-Mottowagen gemeint, mit denen er immer wieder Russlands Präsident Putin aufs Korn genommen hat.
Als Grund für die Vertagung des Prozesses, in dem Tilly eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren droht, wurde die Abwesenheit einer beteiligten Anwältin genannt. Gemeint ist offenbar eine Pflichtverteidigerin des Düsseldorfers. Was besonders bizarr ist, weil Tilly selbst noch nicht einmal eine Anklageschrift erhalten hat, geschweige denn etwas von einer Verteidigerin gehört hat.
Jacques Tilly, der auch Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung ist, kommentiert die neueste Entwicklung gegenüber dem hpd so: "Zwar soll nun die Verhandlung Ende Januar sein. Aber es wäre schön, wenn die Urteilsverkündung erst Ende Februar kommt. Dann kann unsere exquisite Putin-Satire vom diesjährigen Rosenmontagszug noch in die Urteilsfindung einfließen."
Beim Gardeumzug der Mainzer Narren am Neujahrstag durch die Mainzer Innenstadt zeigten die Karnevalisten ihre Solidarität mit dem Düsseldorfer Kollegen. Schließlich gehe es darum, "den Mächtigen den Spiegel vorzuhalten – unbequem pointiert und im besten Sinne närrisch".






