Freigeistige Betrachtungen

Eine Sendung des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Bayern im Bayerischen Rundfunk, Programm Bayern II, UKW am Sonntag, den 20. Mai 2007

um 7.05 Uhr.

Sprecherin:

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, wir begrüßen Sie zu dieser Sendung des Bundes für Geistesfreiheit Bayern, kurz bfg.

Sprecher:

Islam-Konferenz

Der zu Jahresbeginn gegründete Zentralrat der Ex-Muslime in Köln hat die derzeit laufende zweite Runde der Islamkonferenz als integrationsfeindlich kritisiert und die Auflösung des Gremiums gefordert.
Die Deutsche Islamkonferenz wurde im September 2006 von Innenminister Wolfgang Schäuble initiiert. Sie ist auf einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren angelegt und soll die Integration der etwa 3 Millionen in Deutschland lebenden Muslime verbessern. Mitglieder der Konferenz sind einerseits Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen, andererseits Vertreter verschiedener muslimischer Verbände in Deutschland. Auch von der Bundesregierung eingeladene Einzelpersonen, darunter dezidierte IslamkritikerInnen, sind vertreten.

In einer Presseerklärung betonte der Zentralrat der Ex-Muslime, dass bei der Konferenz nicht über eine bessere sprachliche oder berufliche Integration gesprochen werde, die allen Zuwanderern zu Gute käme.

Gegenstand seien vielmehr die von muslimischen Verbänden geforderten Sonderregelungen für den Bau von Moscheen, den Islamunterricht, das Schächten, den geschlechtsgetrennten Sportunterricht und islamkonforme Berichterstattung in den Medien. Damit werde nicht die Integration gefördert, sondern dem Ausbau von parallelgesellschaftlichen Strukturen Vorschub geleistet. Die Ex-Muslime lehnen die Sprecherrolle der muslimischen Verbände ab.

Der deutsche Staat spiele mit der Islamkonferenz "Islamisten in die Hände", erklärte der Zentralrat. Die Konferenz solle deshalb aufgelöst werden. Stattdessen fordern die Ex-Muslime einen echten "Integrationsgipfel", in dem die Zuwanderer "nicht als Muslime, sondern als Menschen" eingeladen werden sollten. Verhaltensweisen wie Kopftuchzwang, Zwangsheirat oder muslimische Sonderregelungen müssten zurückgedrängt werden. Es sei ein Skandal, dass „dogmatische Kopftuchträgerinnen mit ihrem überkommenen Geschlechterrollenmodell" hierzulande als selbstbewusste „Vorreiterinnen der Emanzipation" geschönt würden.

"Integriert werden können nur anpassungsbereite Menschen, die moderne demokratische Lebensregeln akzeptieren", erklärten die Ex-Muslime. Eine Grundvoraussetzung dafür sei, dass Religion als Privatsache anerkannt werde und die islamischen Organisationen "nicht als politische Interessenverbände mit Alleinvertretungsanspruch agieren" könnten.

Sprecherin:

Heidenspaß am Karfreitag

Unter dem Motto "Heidenspaß statt Höllenqual" beging der bfg München am diesjährigen Karfreitag einen Tabubruch. Denn neben den bisher schon üblichen Filmveranstaltungen bat er anschließend zum "lustvollen Karfreitags-Tanz" mit der Rock-Band "Heilig" ins Oberanger-Theater München. Das bedeutete jedoch einen Bruch des Bayerischen Feiertagsgesetzes. Dieses untersagt nämlich Musikveranstaltungen an bestimmten christlichen Feiertagen - selbst dann, wenn dadurch keine religiösen Zeremonien gestört werden.

Es ist nach unserer Auffassung nicht in Ordnung, dass auch Nicht-Christen gezwungen werden, sich den christlichen Bräuchen unterwerfen zu müssen.

Es kam, wie es kommen musste. Das Kreisverwaltungsreferat forderte den bfg München vorab in einem schriftlichen Bescheid auf, die musikalische Veranstaltung zu unterlassen. Andernfalls drohe die Höchststrafe von 10.000,- €. Bei solch „überzeugenden" Argumenten blieb dem bfg München nichts anderes übrig, als den musikalischen Teil der Heidenspaßparty abzublasen. Jedoch wurde eine Klage gegen diesen Bescheid eingereicht. Die Verfassungswidrigkeit des Musikverbotes soll durch eine Feststellungsklage erstritten werden.

Die Vorsitzende des bfg München, Assunta Tammelleo, erinnerte in diesem Zusammenhang an historische Gesetzesverstöße, die bedeutende Veränderungen einleiteten:
- 1955 hat sich eine schwarze Bürgerin in Alabama (USA) geweigert, im Bus ihren Sitzplatz einem weißen Fahrgast zu überlassen, wie es das Recht forderte. Rosa Parks wurde verhaftet und verurteilt. Das führte zum „Montgomery Bus Boycot", der sich zur Bürgerrechtsbewegung ausweitete und mit Martin Luther King einen der berühmtesten Bürgerrechtler hervorbrachte.
- Die beliebte Schauspielerin Inge Meysel und andere Frauen haben 1971 mit dem Slogan „Ich habe abgetrieben" ihren Verstoß gegen den § 218 öffentlich gemacht. Dieses Bekenntnis wurde ein Meilenstein für die Frauenbewegung.

Wir hoffen, dass diese Heidenspaß-Aktion eine ähnliche Wirkung erzielt und religiöse Bevormundungen wie das Tanzverbot künftig gesellschaftlich geächtet werden. Wer weiß, vielleicht ist im nächsten Jahr am Karfreitag der Weg frei für eine Heidenspaß-Party mit Musik und Tanz!

Sprecher:

Abgeltungssteuer und Kirchensteuer

Die Bundesregierung plant eine Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge. Ab dem Jahr 2009 sollen Zinsen, Dividenden und private Gewinne aus Wertpapierveräußerungen pauschal mit 25 % besteuert werden. Dazu kommen noch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Dazu müssen die Anleger dem Kreditinstitut ihre Religionszugehörigkeit und den für sie zutreffenden Kirchensteuersatz mitteilen. Die Bank ermittelt die Kirchensteuer und führt diese über das Bundesamt für Finanzen in Berlin an die Religionsgemeinschaften ab.

Das Fernziel der Reform ist, ab 2011 auch bei der Erhebung der auf die Kapitalerträge anfallenden Kirchensteuer den Steuerabzug grundsätzlich an der Quelle vorzunehmen zu können. Diesem Ziel soll die Errichtung einer Datenbank beim Bundeszentralamt für Steuern in Berlin dienen. Die Datenbank enthält die konfessionsrelevanten Daten wie Kirchenmitgliedschaft und den geltenden Kirchensteuersatz. Die Geldinstitute rufen ihrerseits von dieser Datei alle Daten ab, um die Kirchensteuer automatisch abgelten zu können.

Argumente der Regierung für die Reform sind die „elektronische Machbarkeit", der „geringe Verwaltungsaufwand", die „Einfachheit" des Verfahrens insgesamt und seine „Effizienz".

Bei einer Anhörung Anfang Mai im Deutschen Bundestag ist diese Steuer auf ein überwiegend positives Echo vor allem bei Banken und Wirtschaft gestoßen.

Doch es gibt auch Argumente gegen die Abgeltungssteuer. Der Verein zur Umwidmung von Kirchensteuern hält es für fraglich, ob es überhaupt in die Kompetenz des Bundes fällt, Kirchensteuerangelegenheiten zu regeln. Einen neuen Kirchensteuererhebungstatbestand zu schaffen, stehe nur den Länderparlamenten zu.

In gleicher Weise bedenklich erscheint dem Verein der Versuch des Bundes, Datenschutz relevante Aspekte im Zusammenhang mit der Kirchensteuer per Bundesgesetz regeln zu wollen, z.B. die verpflichtende Information zum Konfessionsstatus an Banken und Sparkassen. Alle Datenschutzbeauftragten der Bundesländer haben auf Anfrage mitgeteilt, dass die Weitergabe solcher Daten durch die Kirchensteuergesetze ihres jeweiligen Bundeslandes nicht gedeckt sei.

Vor allem die ab 2011 geplante Praxis, den Geldinstituten den Konfessionsstatus offenbaren zu müssen, verstoße gegen das verfassungsmäßig garantierte Recht, die Religionszugehörigkeit nicht offenbaren zu müssen. Laut Bundesverfassungsgericht schließt die in Artikel 4 Absatz 1 Grundgesetz gewährte Bekenntnisfreiheit grundsätzlich auch das Recht ein, „auszusprechen und auch zu verschweigen, dass und was man glaubt oder nicht glaubt". Schon jetzt wird im Rahmen des Kirchensteuereinzugverfahrens das Grundrecht auf Religionsfreiheit als nachrangig geachtet. Arbeitnehmer müssen ihrem Arbeitgeber ihren Konfessionsstatus offenbaren.

Sprecherin:

Richard Dawkins' „Gotteswahn"

Vom renommierten „Time Magazine" wurde Richard Dawkins unter die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten unserer Welt gewählt. Der 66-jährige Evolutionsbiologe hat den eigens für ihn eingerichteten Lehrstuhl für „Public Understanding of Science" an der Universität Oxford inne.
Gleich sein erstes Buch „Das egoistische Gen" wurde ein internationaler Bestseller und gilt als Standardwerk der Evolutionsbiologie.

Dawkins erfolgreichstes Buch „The God Delusion" hat sich alleine in Großbritannien und den USA 700.000 mal verkauft. Im Herbst erscheint es mit dem Titel „Der Gotteswahn" auf Deutsch. Wir wollen Ihnen dieses Buch hier kurz vorstellen:

Hintergrund des Buches ist der zunehmende religiöse Fundamentalismus im mittleren Osten und den USA. Durch religiöse Dogmen werden Frauen und Homosexuelle diskriminiert. In vielen Ländern müssen Atheisten und Andersgläubige für ihre Überzeugung mit ihrem Leben bezahlen. Vergewaltigte Frauen dürfen nicht abtreiben, Todkranke erhalten keine Sterbehilfe, Intelligent Design hält Einzug in die Lehrpläne der Schulen. Ohne Religionen gäbe es diese Probleme nicht.

Dawkins kritisiert ungläubige Wissenschaftler, die sich einer religiösen Sprache bedienen und somit die Grenzen von Wissenschaft und Religion verwischen. Er weist nach, dass die USA nicht auf der christlichen Religion wurzeln und fragt, warum unter dem Deckmantel der Religion Verhaltensweisen akzeptiert werden, die normalerweise nicht tolerabel sind. Dawkins zerlegt angebliche Gottesbeweise und erläutert, warum es beinahe mit Sicherheit keinen Gott gibt. Er vergleicht Religion mit einem Virus, der sich innerhalb einer Familie oder Gruppe ausbreitet. Im Kapitel „Warum sind wir gut" gibt es Briefe und Emails, die Dawkins erhalten hat. Diejenigen mit brutalen Gewaltfantasien stammen alle von religiösen Menschen. Und auch die Schriften der Weltreligionen sind denkbar schlecht geeignet, um ein friedliches Zusammenleben der Menschen zu gewährleisten. Das gefährlichste an den Religionen ist für Dawkins, dass der absolute Glaube an etwas Nicht-Beweisbares als positiv und erstrebenswert dargestellt wird.

Das Buch ist in einem klaren, oft humorvollen und gut verständlichen Englisch geschrieben.

Sprecher:

20 Jahre GWUP

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP, feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum. Im Oktober 1987 wurde die bundesweite gemeinnützige Skeptiker-Organisation gegründet. Anfangs nur ein kleiner Kreis von wissenschaftlich Interessierten, hat die GWUP mittlerweile knapp 800 Mitglieder. Ihr gemeinsames Ziel ist es, sich gegen pseudowissenschaftliche Behauptungen und esoterische Heilslehren und für Aufklärung, kritisches Denken und die Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden einzusetzen.

Die GWUP will damit ein Gegengewicht zur in den Medien vorherrschenden Desinformation bilden. Ihre Arbeit dient dabei auch der Abwendung möglicher Gefahren, wie sie vor allem im Bereich der so genannten alternativen Medizin gegeben sein können. Denn wer im Vertrauen auf ein Verfahren, dessen Wirksamkeit nicht belegt ist, auf notwendige Behandlung verzichtet, kann sich sogar in Lebensgefahr begeben.

In der Öffentlichkeit bekannt geworden ist die GWUP nicht zuletzt durch ihren jährlichen Wahrsagertest. Sie sammelt zum Jahresanfang die Prognosen von Astrologen und Wahrsagern über die Ereignisse des kommenden Jahres und prüft am Jahresende, was wirklich eingetreten ist. Das Ergebnis ist jedes Mal ein vernichtendes Urteil über die Fähigkeiten der selbsternannten Zukunftsseher.

Die Bereiche, mit denen sich die GWUP befasst, sind vielfältig und reichen von Astrologie über Feng Shui, Homöopathie, Parapsychologie und Wünschelrutengehen bis zu Ufo-Sichtungen und Verschwörungstheorien.

Mit religiösen Fragen beschäftigt sich die GWUP nur, falls diese Fragen mit wissenschaftlichen Methoden überprüfbar sind. So können beispielsweise das Turiner Grabtuch, weinende Madonnen oder angebliche Wunderheilungen ein Thema sein, nicht jedoch reine Glaubensfragen wie die Existenz eines Gottes.

Auf der Webseite der GWUP findet sich unter der Rubrik „Themen" eine Zusammenstellung knapper Informationen zu zahlreichen Wissensgebieten mit weiterführenden Literaturhinweisen. Die GWUP gibt eine Vierteljahreszeitschrift heraus, den „Skeptiker", der auf der Webseite abonniert werden kann. Ebenso kann dort ein kostenloser e-mail-Rundbrief, der e-Skeptiker, abonniert werden. Und auch die Kontaktadressen der Regionalgruppen, die es in Bayern derzeit in Bamberg, München, Regensburg und Würzburg gibt, sind dort erhältlich.

Sprecherin:

Unsere nächste Sendung wird am 8. Juli ausgestrahlt.
Im Internet sind wir erreichbar unter der Adresse: www.bfg-bayern.de. Dort finden Sie auch die Veranstaltungen der einzelnen Ortsgemeinschaften.

Texte: Monika Hendlmeier, Karl Bierl, Dietmar Michalke
SprecherInnen: Martina Fischer, Karl Bierl

Nichts in meinem Leben fehlt mir weniger als Gott.
Dr. Karlheinz Deschner