Rezension

Mit Gott gegen die Demokratie

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Trump wird von einigen seiner Anhänger*innen sogar religiös verehrt
Trumpverehrung

Der christliche Nationalismus stellt eine ernsthafte Gefahr für demokratische Strukturen dar, vor allem in den Vereinigten Staaten. Der Journalist Arnd Henze beschreibt in seinem Buch, wie Religion dort zunehmend als politisches Machtinstrument missbraucht wird.

Seit dem erneuten Regierungsantritt von Donald Trump treten Vertreter eines christlichen Nationalismus immer offensiver in Erscheinung und prägen die politische Agenda. Der Präsident ist von einer ihm eng verbundenen Männerriege umgeben, die dieses Programm auf allen Ebenen vorantreibt – darunter JD Vance, Pete Hegseth und Russell Vought.

In seinem Buch "Mit Gott gegen die Demokratie" analysiert der Journalist Arnd Henze das Versprechen hinter "Make America Great Again" (MAGA): "Es kündigt den Raum des Politischen auf, führt in die Welt apokalyptischer Endkämpfe – und verbindet sich genau darin mit der Gefühlswelt christlicher Nationalisten." Trump werde, so Henze, nicht trotz, sondern gerade wegen seiner "zügellosen Rache- und Vergeltungsfantasien" verehrt und nahezu religiös überhöht.

Diese aufgeladene Emotionalität verbindet sich mit einem gesellschaftspolitischen Programm: Ziele sind die Rückkehr zu traditionellen Familienbildern, die Stärkung eines christlich geprägten Weltbildes im Bildungssystem – etwa durch die Verbreitung kreationistischer Vorstellungen – sowie die Zurückdrängung von Minderheitenrechten. Fortschritte im Kampf gegen Diskriminierung sollen ebenso revidiert werden wie die gesellschaftliche Öffnung gegenüber LGBTQ+-Themen. Die Devise lautet: Traditioneller Glaube statt Vielfalt.

An zahlreichen Beispielen zeigt Henze anschaulich, wie der christliche Nationalismus die Demokratie untergräbt. Zentral ist dabei die Vorstellung, Amerika sei von Gott auserwählt und stehe deshalb über anderen Nationen. Religiöse Motive werden gezielt genutzt, um Verschwörungserzählungen zu emotionalisieren und dadurch politisch zu mobilisieren. Da evangelikale Gruppen eine zentrale Machtbasis Trumps bilden, wird diese Entwicklung politisch weiter ausgebaut.

Problematisch werden die Ausführungen im letzten Drittel des Buches. Dort versucht Henze zu skizzieren, "wie sich die Demokratie retten lässt" und biegt leider in eine seltsame Richtung ab, wenn er die Frage stellt: "Was lässt sich von Dietrich Bonhoeffer und von den Erfahrungen des Kirchenkampfes in den 1930er-Jahren für die Auseinandersetzung mit dem christlichen Nationalismus heute lernen?" Hier wird deutlich, dass Henze evangelische Theologie studiert hat und als Mitglied der EKD-Synode selbst Teil jenes religiösen Diskurses ist, den er kritisch beleuchten will. Das schwächt die argumentative Schärfe seines Ansatzes.

Im Schlussteil entwirft Henze verschiedene Zukunftsszenarien: vom dystopischen Gottesstaat, in dem demokratische Institutionen weiter ausgehöhlt werden, bis hin zu einer möglichen politischen Wende durch neue demokratische Mehrheiten. Doch gerade hier verliert das Buch an Überzeugungskraft. Wenn Henze schließlich Bonhoeffers Idee eines "religionslosen Christentums" ins Spiel bringt und auf ein "Beten und Tun des Gerechten und Warten auf Gottes Zeit" verweist, wirkt das mehr wie ein peinlicher theologischer Rückzug denn wie eine politische Analyse.

Arnd Henze, Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2026, 224 Seiten, 20 Euro

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