Der Kampf gegen den „Saufteufel” wird offiziell

Beginn der Prohibition in den USA

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Am 16. Januar 1920 trat das nationale Verbot (Prohibitation) von Alkohol in den USA in Kraft. Unter dem Druck der Abstinenzbewegung, die vor allem von der englisch-anglikanisch orientierten Oberschicht ausging, verbot der Senat der USA den Verkauf, die Herstellung und den Transport von Alkohol.

 

Die so genannten „Goldenen Zwanziger Jahre” waren für viele Menschen keineswegs so positiv. Kriegsfolgen, Inflation und Arbeitslosigkeit sind nur wenige Stichworte. Auch in den USA traf eine bis dahin nicht gekannte Freizügigkeit der Kleidung, des öffentlichen Auftretens und der sexuellen Einstellungen auf einen gnadenlosen Feldzug der Puritaner. Sie sahen ihre christlichen Werte und damit auch den maßgeblichen Einfluss auf die Menschen schwinden. Ein letzter Versuch, diesen Einfluss zu erhalten, war das nationale Verbot von Alkohol.
Der 18. Verfassungszusatz, der 1917 im US-Kongress angenommen worden war und 1919 mit einer Dreiviertel-Mehrheit ratifiziert wurde, verbot die Herstellung und den Verkauf von Alkohol innerhalb der Grenzen der USA. Der „Volstead Act” von 1919 präzisierte diesen Verfassungszusatz, indem festgelegt wurde, dass alle Getränke mit mehr als 0,5 % Alkoholgehalt unter dieses Gesetz fallen.
Hintergrund war einerseits ein vehementer Konkurrenzkampf der florierenden Brauereien, die eigene Saloons für den Ausschank und Verkauf ihrer Erzeugnisse eröffneten, so dass es Gegenden gab, in denen es auf 200 Einwohner einen Saloon gab. Andererseits wurde der Alkohol von der „Anti-Saloon-Liga”, 1893 gegründet und maßgeblich von der „Christlichen Abstinenzler Union der Frauen” beeinflusst, für alle sozialen Missstände verantwortlich gemacht. Dem christlich inspirierten „Saufteufel” wurden Kriminalität und Korruption, viele sozialen Probleme, die große Zahl der Gefängnisse und Armenhäuser angelastet und mit einem Verbot sollte, so die Propaganda, speziell die Gesundheit der Kinder geschützt werden.
So begeisterte der Reverend Billy Sunday viele Menschen mit seiner Prophezeiung am Beginn der Prohibition: „Das Reich der Tränen ist vorbei. Bald werden die Slums der Armenviertel nur noch eine Erinnerung sein. Wir werden die Gefängnisse in Fabriken umwandeln und die Gerichtsgebäude in Lagerhallen. Männer werden nun aufrecht gehen, Frauen werden lächeln und Kinder werden lachen. Die Hölle wird auf Ewigkeit zum Vermieten angeboten.”
Dieser „Krieg gegen Drogen” zeigte nicht nur die christliche Beschränktheit, soziale Probleme durch Verbote und Verleugnen lösen zu wollen, sondern ging zudem zweifach verloren. Der Verfassungszusatz musste zum einen wieder aufgehoben werden, da keines der behaupteten Ziele erreicht werden konnte, und zum anderen hatte sich eine Mafia in den USA etabliert, die den Alkoholschmuggel organisierte und kontrollierte.
Insofern ist die Prohibition ein vortreffliches Beispiel, dass doktrinäres Wunschdenken an der Realität scheitert und - häufig - größere Übel erzeugt, als die, die vorgeblich verhindert werden sollen.

Der 21. Verfassungszusatz, der 1933 ratifiziert wurde, hob den 18. Verfassungszusatz wieder auf und das Alkoholverbot hatte in den USA ein Ende.