Elf Jahre nachdem der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg begann, legt das Bistum Berlin ein Gutachten einer Anwaltskanzlei über sexuellen Missbrauch durch Priester vor: Ohne Verantwortliche zu identifizieren, ohne Täter zu benennen, ohne mit Opfern zu sprechen. Konkrete Informationen für die Fälle, die dabei untersucht wurden, werden nicht veröffentlicht. Die Beschäftigung damit soll der "innerkirchlichen" Aufarbeitung überlassen
bleiben.
So berechtigt die Empörung über die Sklaverei in und durch die westliche Welt ist, so darf sie nicht zur Ignoranz gegenüber der Sklaverei in der nicht-westlichen Welt führen. Das Ausblenden der einen wie der anderen Blickrichtung führt zu einem bedenklichen Menschenrechtsrelativismus. Eine kritische Aufmerksamkeit für die nicht nur historische Sklaverei ist nötig, unabhängig von den konkreten Profiteuren und Verantwortlichen.
Vergangene Woche fand die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz statt. Neben der Zementierung der weit hinter den Expertenempfehlungen zurückbleibenden Anerkennungszahlungen fielen einige abenteuerliche Äußerungen des Vorsitzenden Bischof Georg Bätzing auf, die einen nur noch wütend machen können.
Matthias Katsch hat vergangene Woche zusammen mit anderen Betroffenen und Betroffenenvertretern des sexuellen Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda kritisch begleitet. Der hpd hat mit ihm über sein Fazit des dort beschlossenen Systems für Anerkennungszahlungen und seinen Austausch mit Bischof Ackermann am "eckigen Tisch" gesprochen.
Derzeit tagt die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) in Fulda. Die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) ist mit der Kunstinstallation "Die Lange Bank des Missbrauchsskandals" vor Ort, um auf die noch immer unzureichende Aufarbeitung der Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder in der katholischen Kirche hinzuweisen. Gestern kam es zu einer bemerkenswerten Begegnung vor dem Dom.
Die Zeit des Versteckspielens ist vorbei − auch für die katholischen Ordensgemeinschaften in Deutschland. Es ist Zeit für eine staatliche Untersuchungskommission. Die Orden müssen sich bereiterklären, an der Aufklärung und Aufarbeitung der dunklen Aspekte ihrer Vergangenheit mitzuwirken. Sollten sie sich einer Aufklärung verweigern, müsste ihnen der Status von Körperschaften öffentlichen Rechts entzogen werden.
Die evangelische Kirche hat eine Aufarbeitungsstudie zum Thema Missbrauch angekündigt, die Ursachen, Spezifika und bestehende Risikofaktoren aufklären soll. Dafür sind drei Jahre veranschlagt. Der Anti-Kindesmissbrauchs-Beauftragte der Bundesregierung äußerte sich derweil kritisch zum Aufarbeitungsprozess der Protestanten und sieht die katholische Kirche in einer "Vorreiterrolle". Schwer tun sich beide Kirchen beim Thema Entschädigung.
Heute jährt sich der 117. Geburtstag des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, der wie kein Zweiter zur Aufklärung und Strafverfolgung nationalsozialistischer Verbrechen beitrug. Langsam wird dem Ausnahmejuristen die Ehre zuteil, die er verdient.
Der mexikanische Dokumentarfilm "The Devil’s Freedom" hat den Amnesty International Filmpreis erhalten. Der Friedensfilmpreis ging an den chilenischen Film "Adriana’s Pact", in dem die Folgen der Pinochet-Dikatur in der Familie der Regisseurin thematisiert werden. Auch den Berlinale-Besuchern lagen in diesem Jahr Menschenrechte am Herz. Philipp van Leeuws Kriegsdrama "Insyriated" und Raoul Pecks Dokumentarfilm "I’m Not Your Negro" wurden mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet
(hpd) Rechtzeitig zu einem aktuellen Jahrestag hat Katrin Rohnstock eine wichtige Anthologie von Erinnerungen herausgegeben: “Mein letzter Arbeitstag. Abgewickelt nach 89/90. Ostdeutsche Lebensläufe.” Das ebenso spannende wie aufklärende Buch erschien pünktlich 25 Jahre nach der “Wende” in der DDR.
GREIFSWALD. (hpd) Für die DDR-Führung war die Evangelische Studentengemeinde Greifswald eine Konkurrenz bei der Erziehung der Jugend, sagen Wolfgang Gräfe und Guntram Schulze, frühere Gemeindemitglieder.