Donald Trumps 60-Dollar-Bibel ist ein "Handbuch des christlichen Nationalismus"

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Donald Trump besuchte am 1. Juni 2020 die St. John's Episcopal Church und präsentierte eine Bibel – falsch herum.
Donald Trump mit Bibel (2020)

Nach goldenen Hi-Top-Sneakern und einer wirklich atemberaubend aberwitzigen Kollektion digitaler Sammelkarten stellte der gescheiterte Ex-Präsident jüngst seine neueste Geschäftsidee vor: Die Trump-Bibel, inklusive Verfassung und Unabhängigkeitserklärung. Auf dem braunen Einband prangen eine US-Flagge und die Worte "God bless the USA" – alarmierend, warnt der Historiker Taylor Stroemer.

"Make America Pray Again", so Donald Trumps österliche Botschaft. Sorgen wir dafür, dass die USA wieder beten, und bitte mit Bibeln aus eigener Produktion. Trumps Salespitch ist ein offensichtlicher Rückgriff auf den Kampagnenslogan "Make America Great Again", der wohl nirgends auf der Welt noch einer Übersetzung bedarf. Um die Vereinigten Staaten wieder großartig zu machen, müsse mehr gebetet werden, so die Kernaussage: Die Religion "wird erstarkt zurückkommen, genau so wie unser Land erstarkt zurückkommen wird."

Aber eins nach dem anderen: Was verkauft Trump hier eigentlich und warum ist das problematisch? Die Bibel unterliegt keinem Urheberrecht, sie neu aufzulegen ist nicht illegal. Und im Kontext US-amerikanischer Präsidenten auch nicht ungesehen, bereits Thomas Jefferson hat in den Jahren nach seiner Präsidentschaft eine eigene Version der Bibel geschrieben.

Jeffersons Version zeigt anschaulich, welche Gefahr von Trumps "Gott schütze die USA"-Bibel ausgeht. Die Jefferson-Bibel war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, nur wenige Menschen bekamen sie zu Lebzeiten Jeffersons überhaupt zu Gesicht. Religion war für den Gründervater eine zutiefst private Angelegenheit, die im öffentlichen Raum fehlplatziert war. Diese Überzeugung spiegelt sich direkt in seiner Adaption der Bibel, in der Jesus keine Wunder mehr wirkt und auch nicht von den Toten aufersteht. Die Jefferson-Bibel ist erst posthum veröffentlicht worden, als sein Nachlass vom Smithsonian-Institut erworben wurde.

Im krassen Gegensatz dazu ist Trumps Bibel eine politische und damit öffentliche Kampagne. Man könnte sich nun darüber amüsieren, dass das Machwerk das zwei- bis dreifache dessen kostet, was die lokale Kirche für eine Bibel in der New King James-Version (die übrigens seit Jahrhunderten kein Mensch mehr überarbeitet hat und sich dementsprechend liest) verlangt. Aber damit würde man der Sache nicht gerecht.

Der Skandal hier ist nicht, dass Trump seine Fans über den Tisch zieht oder Alibi-Produkte verkauft, um ausländische Gelder einzusammeln, das ist seit Jahren keine Story mehr. Der Skandal ist, dass Trumps Bibel die Verfassung, die Unabhängigkeitserklärung und die sogenannte "Pledge of Allegiance", eine Art Treueeid auf Fahne und Land, beinhaltet. "Religion und Christentum sind die beiden Dinge, die unserem Land am meisten fehlen und ich glaube fest daran, dass wir sie zurückbringen müssen", so Trump bei der Produktvorstellung auf seinem Sozialen Netzwerk.

Für Taylor Stroemer ist Trumps Bibel "letztendlich ein Handbuch des christlichen Nationalismus". Der Historiker der John Hopkins-Universität warnt vor der Vermischung religiöser mit politischer Symbolik: "Die Nutzung der Nationalfahne und politischer Texte im Zusammenspiel mit der Bibel suggerieren eine gefährliche Politisierung des Christentums und der Religion im Allgemeinen – just das Phänomen, das Jefferson fürchtete".

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump die Bibel auf fragwürdige Weise für politische Zwecke instrumentalisiert. Während seiner Amtszeit ließ er den Weg vom Weißen Haus zum Lafayette-Platz räumen, der zu diesem Zeitpunkt von einer legal stattfindenden Demonstration belegt war – einzig und allein, um vor der dortigen Kirche medienwirksam eine Bibel zu präsentieren. Die Aktion allerdings war ein ziemlicher Flop. Nicht, weil Trump die Bibel falsch herum gehalten hätte (was nichtsdestoweniger passiert ist), sondern weil der überwiegende Teil der Vereinigten Staaten den Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken im Dienste eines Pressetermins als nicht besonders christlich empfand.

Der erste Zusatzartikel der US-Verfassung, der Trumps Bibel ironischerweise ebenfalls beiliegt, beinhaltet nicht nur das Recht auf Rede- und Pressefreiheit, sondern auch das Recht auf positive wie negative Religionsfreiheit. Der Kongress darf kein Gesetz verabschieden, das sich mit der "Etablierung" ("establishment") einer Religion befasst oder die "freie Ausübung" ("free exercise") einer solchen verbietet. Im Vertrag von Tripoli von 1796 zwischen den Vereinigten Staaten und Tripoli, dem heutigen Lybien, ist festgehalten, dass die USA keine christliche Nation sind.

"Zehn Jahre, nachdem das Verfassungskonvent seine Arbeit beendet hatte, versicherte das Land der Welt, dass die Vereinigten Staaten eine säkulare Nation sind, die in Verhandlungen dem rechtsstaatlichen Prinzip und nicht christlichen Glaubenssätzen folgt", schreibt der Professor der Geschichtswissenschaft Frank Lambert in The Founding Fathers and the Place of Religion in America (Princeton University Press 2006, S. 11). Die Idee Jeffersons einer absolut privaten Religionsausübung, die in keiner Weise mit staatlichen Angelegenheiten in Berührung kommt, zieht sich wie ein roter Faden durch die ersten Jahre der jungen Republik. Trumps Vision der Rolle des Christentums könnte gegensätzlicher nicht sein.

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