Rezension

Extremismus – was ist das? Ein Einführungsband

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Die Medien berichten häufig über Extremismus? Doch was ist damit eigentlich gemeint? Antworten auf viele Fragen will dazu Steffen Kailitz geben.

Der Begriff "Extremismus" kommt in unterschiedlichen Kombinationen oft in den Medien vor. Doch was ist damit eigentlich gemeint? Wer Antworten auf diese Frage sucht, der kann zu einem Buch mit dem Titel "Extremismus? Frag doch einfach! Klare Antworten aus erster Hand" greifen. Der Autor heißt Steffen Kailitz. Er ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden tätig. Darüber hinaus wurde er durch zahlreiche Aufsatzveröffentlichungen zum Thema bekannt. Sein genanntes Buch erschien in einer festen Schriftenreihe des UVK-Verlags. Bände in der "Frag doch einfach"-Reihe gibt es zu den verschiedensten Themen. Mal geht es um "Armut", mal um "Lobbyismus", mal um "Populismus", mal um "Seenotrettung". Damit soll ein informativer Einblick in die jeweiligen Themen gegeben werden. Dies geschieht im "Frage-Antwort-Format", das heißt auf bestimmte Fragen folgen erläuternde Statements. Und so ist auch der Band zum "Extremismus" und seinen Facetten konzipiert.

Am Anfang steht eine allgemeine Begriffsbestimmung mit Differenzierungen zu ähnlichen Konzepten, etwa "Populismus" oder "Radikalismus". Dabei werden auch erste Deutungsmöglichkeiten präsentiert, sei es aus der sozialpsychologischen Forschung, sei es mit dem "Rational-Choice-Ansatz". Anschließend geht es um Definitionen und Ideologien, zunächst bezogen auf den Rechts-, danach auf den Links- und schließlich auf den religiösen Extremismus. Deutlich wird bei diesen Ausführungen, dass es sich jeweils um Sammelbegriffe handelt, welche auch Unterschiede aufweisen. Aufmerksamkeit finden ebenso "Extremisten an der Macht", womit insbesondere diktatorische Systeme gemeint sind. Die Darstellung konzentriert sich indessen auf (noch) oppositionelle Phänomene. Diese agieren auf unterschiedlichen Ebenen, als Intellektuelle, Medien, Parteien, Protestbewegungen, Subkulturen oder Terroristen, was jeweils gesondert Thema ist.

All dies beschreibt und kommentiert Kailitz in komprimierter Form. Dabei versteht es sich bei der Herangehensweise von selbst, dass tiefschürfende Untersuchungen nicht vorgesehen sind. Insofern ist das Buch auch eher als erste Einführung und Überblicksdarstellung anzusehen. Dies gilt ebenfalls für die am Ende behandelten Themen, wo es etwa um Einstellungspotentiale in der Gesellschaft, Erklärungsansätze für den Extremismus oder Schutzmaßnahmen zugunsten des demokratischen Verfassungsstaates geht. Kailitz gelingt es dabei auf engem Raum, die wichtigsten Informationen im verständlichen Sinne zu vermitteln. Nicht immer, aber meist gibt er auch noch Hinweise auf weiterführende Literatur. Dabei nennt der Autor häufig englischsprachige Handbücher, die die deutsche Forschung indessen noch nicht breiter zur Kenntnis genommen hat. Er hätte aber auch  durch eine kommentierte Bibliographie noch weitere Hinweise geben können. Möglicherweise sieht dies aber die Konzeption der Reihe nicht vor.

Ähnlich verhält es sich eventuell in anderer Hinsicht: Mitunter hätten Analyseansätze noch genauer thematisiert werden können, ohne viele Seiten damit zu verschenken. So gibt es nur kurze Ausführungen zur Differenzierung von Extremismusintensitäten oder zu den allen Extremismen eigenen ideologischen Strukturmerkmalen. Dafür macht der Autor kurz auf ansonsten ignorierte Gesichtspunkte aufmerksam, etwa dass es auch einen extremistischen Konservativismus gab und – das wäre zu ergänzen – dass er in der Neuen Rechten fortlebt. Für die AfD konstatiert Kailitz eine Entwicklung hin zu einer "rechtsextremen Kraft", aus einer "eurokritischen Protestpartei" heraus.

Manche Einordnungen könnten auch Kritik finden. Aber darauf bezogene Einwände minimieren nicht den Nutzen, der für viele Leser in einem informativen und systematischen Sinne entsteht.

Steffen Kailitz, Extremismus? Frag doch einfach. Klare Antworten aus erster Hand, Tübingen 2026, UVK-Verlag, 234 Seiten, 24,90 Euro

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