Kommentar

Die Macht der Verzweiflung: Wenn die Kirche Star Wars spielt

burg_feuerstein.jpg

Die Burg Feuerstein in Ebermannstadt
Burg Feuerstein in Ebermannstadt

Gestern war weltweiter Star-Wars-Tag, denn der 4. Mai auf Englisch klingt wie "May the the Force (be with you)" – "Möge die Macht mit dir sein". Dieses Mantra hat sich neulich auch die Kirche zu eigen gemacht, und selten klang ein Satz in einer Kirche so hoffnungsvoll und gleichzeitig so unfreiwillig entlarvend. Wenn sich die katholische Kirche in Oberfranken als leuchtender Gegenentwurf zur dunklen Seite inszeniert, erinnert das Ganze eher an eine religiöse Faschingsveranstaltung.

Auf der Burg Feuerstein wurde tatsächlich ein Star-Wars-Gottesdienst gefeiert. Ein Priester im Obi-Wan-Kenobi-Kostüm, Lichtschwerterkämpfe zwischen einer Jedi-Ritterin und Darth Vader, dazu Beamerprojektionen und Pappaufsteller im Kircheneingang. Man muss sich das vorstellen: Jahrhundertealte Institution trifft Popkultur – und verliert dabei jedes Niveau im Kampf um Aufmerksamkeit.

Doch wer glaubt, das sei ein Ausrutscher, unterschätzt die Kreativität kirchlicher Eventplanung. Gottesdienste für Motorradfahrer, Hundehalter oder Fußballfans gehören längst zum Standardrepertoire. Die Botschaft ist klar: Wenn der Glaube nicht mehr trägt, muss eben eine zugkräftige Inszenierung her. Hauptsache, irgendjemand kommt noch.

Der Diözesanjugendpfarrer Gerd Richard Neumeier erklärte, in Star Wars gehe es schließlich um Gut und Böse, Licht und Dunkel – also um genau das, was auch das Christentum ausmache. Das ist insofern bemerkenswert, als die Kirche historisch nicht nur auf der Seite des Lichts stand. Kreuzzüge, Inquisition, Machtpolitik, Missbrauch – die Liste der dunklen Kapitel ist lang.

Vom Gottesdienst zur Galaxie-Show

Das Ganze wird als niedrigschwelliges Angebot verkauft: ein "intergalaktisches Erstlingswerk", bei dem Jugendliche "für das Gute einstehen" können. Übersetzt heißt das: Man versucht, mit Laserschwertern und Popkultur das zu kaschieren, was man inhaltlich nicht mehr überzeugend vermitteln kann.

Immerhin war der Andrang groß genug, dass das Konzept nun exportfähig ist. Andere Pfarreien können den Star-Wars-Gottesdienst gleich im Komplettpaket buchen – inklusive Kostümen, Technik und Ablauf. Franchise-Kirche statt Glaubensgemeinschaft. Wahrscheinlich konvertiert der für symbolträchtige Inszenierungen bekannte Star-Wars-Fan Markus Söder bald zum Katholizismus, wenn er die Rolle des Darth Vader im Erzbistum Bamberg dauerhaft einnehmen darf.

Man fragt sich unweigerlich, was als Nächstes kommt. Harry-Potter-Messen? Vielleicht ein "Game of Thrones"-Gottesdienst mit besonders realistischen Machtkämpfen – das würde zumindest historisch besser passen. Und während auf der Leinwand "Möge die Macht mit dir sein" erscheint, bleibt eine Frage offen: Wenn die Kirche wirklich für das Gute stehen will, warum setzt sie dann so oft auf Inszenierung statt auf glaubwürdige Aufarbeitung ihrer eigenen dunklen Seiten?

Denn eines hat Star Wars der Kirche voraus: Dort ist ziemlich klar, wer auf welcher Seite steht.

Unterstützen Sie uns bei Steady!