Nigeria

Nach Blasphemie-Vorwurf getötet und verbrannt

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Zentralmoschee der nigerianischen Hauptstadt Abuja.

Nach einer hitzigen Diskussion mit einem muslimischen Geistlichen wurde in der nigerianischen Hauptstadt Abuja ein 30-jähriger Mann von einem wütenden Mob der Blasphemie bezichtigt, geschlagen und angezündet. Er ist bereits der zweite Blasphemie-Tote in Nigeria im Verlauf der letzten Wochen.

Erst im Mai 2022 war die christliche Studentin, Deborah Samuel Yakubu, in der nordwestnigerianischen Stadt Sokoto wegen ihrer Gebete zu Jesus von muslimischen Mitstudierenden der Blasphemie bezichtigt, totgeschlagen und angezündet worden. Nachdem Tatverdächtige verhaftet worden waren, hatte ein lauter Mob die Freilassung der Beschuldigten gefordert, da man den Tod Yakabus als Strafe für die vermeintliche Schmähung des Propheten Mohammed für gerechtfertigt hielt. Ein Tod, aus dem die Behörden offenbar nichts gelernt hatten, so dass Anfang Juni 2022 einen weiteren Menschen dieses Schicksal treffen konnte.

Nach Medienangaben war der 30-jährige Ahmad Usman, Mitglied einer Bürgerwehr, in der nigerianischen Hauptstadt Abuja mit einem nicht näher bekannten muslimischen Geistlichen in Streit geraten. Der Streit gipfelte in einer gefährlichen Blasphemie-Beschuldigung Usmans. Aufgestachelt durch den Kleriker bildete sich ein etwa 200 Personen umfassender Mob, der Usman schlug, steinigte und schließlich gar anzündete. Als die Polizei eingriff und Usman in ein Krankenhaus gebracht werden konnte, war es für seine Rettung bereits zu spät.

Obwohl Abujas Polizeisprecherin Josephine Adeh die Verfolgung der Schuldigen ankündigte, ist bis heute keine Verhaftung bekannt. Besonders bitter in Zeiten von Mobiltelefonen und Messengerdiensten, über die sich Täter vernetzen und Videos ihrer Taten austauschen. In Pakistan konnte die Auswertung von Videos auf Mobiltelefonen im Mai 2022 immerhin 90 an einem Lynchmob beteiligte Personen identifizieren und einer Bestrafung zuführen.

Der Tod Usmans führte zu Protesten christlicher und humanistischer Gruppen. Diese fordern unter anderem die Abschaffung der Anti-Blasphemie-Gesetzgebung, die in den letzten Jahren nicht nur zahlreiche Menschen für Lieder, andere Meinungsäußerungen oder kindliche Handlungen ins Gefängnis gebracht hat, sondern auch immer wieder wütende Menschenmassen dazu verleitet, vermeintliches Recht in die eigenen Hände zu nehmen.

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