Die Stadt Paderborn distanziert sich öffentlich von den beiden früheren, verstorbenen Kardinälen Lorenz Jaeger und Johannes Degenhardt. Vorangegangen war die am 12. März veröffentlichte Studie "Sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. Eine historische Untersuchung (1941-2002)" (der hpd berichtete).
Die Kardinäle Jaeger (Amtszeit von 1941 bis 1973) und Degenhardt (Amtszeit 1974 bis 2002) haben laut Wissenschaftlern der Universität Paderborn Priester als mögliche Täter geschützt, Fälle vertuscht und Opfer und deren Familien unter Druck gesetzt. Es soll um mindestens 210 Beschuldigte und um mindestens 489 missbrauchte Kinder und Jugendliche gehen.
Der Rat der Stadt hatte den beiden Kardinälen 1955 und 1991 das Ehrenbürgerrecht zugesprochen. Nun beschloss der Stadtrat, die Namen der beiden aus der Ehrenbürgerliste der Stadt Paderborn zu streichen. Und: Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße und des Kardinal-Degenhardt-Platzes vorzubereiten.
Zur Begründung des von Bürgermeister Stefan-Oliver Strate (CDU) eingebrachten Beschlusses hieß es: "Die nun vorgestellten Ergebnisse erschüttern mich zutiefst. Es ist schwer zu fassen, dass Kirche und Gesellschaft systematisch weggesehen und Straftaten billigend in Kauf genommen haben. Dass das Erzbistum einen klaren Weg der Offenheit und der Verantwortung geht und diesen auch weiterverfolgen wird, begrüße ich daher sehr."





