USA: Oberster Gerichtshof erlaubt zeitweilig Abtreibungspille per Versand

Das Abtreibungsmedikament Mifepriston darf in den USA vorerst weiterhin uneingeschränkt per Post versandt werden. Das entschied der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) der Vereinigten Staaten im Eilverfahren. Damit stehen medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche vorerst auch wieder ungewollt Schwangeren offen, die in einem Bundesstaat mit strengen Abtreibungsgesetzen leben.

Mit dem Richterspruch setzte der Supreme Court die Entscheidung eines Berufungsgerichts in New Orleans außer Kraft. Das konservativ besetzte Dreiergremium hatte einer Klage des republikanisch regierten Bundesstaates Louisiana stattgegeben. Durch den Postversand sah der Bundesstaat sein fast vollständiges Abtreibungsverbot unterlaufen. Zudem behauptet die Regierung von Louisiana, die Arzneimittelbehörde FDA habe bei einer Neuregelung 2023 Risiken des Präparats, wie schwere Infektionen oder Blutungen, unterschätzt.

Nach dem Urteil des Berufungsgerichts zog der Hersteller des Medikaments, Danco Laboratories, vor den Supreme Court. Das Unternehmen argumentierte, die Entscheidung führte zu "sofortiger Verwirrung" bei Ärzten, Apothekern und Patientinnen. Es sei nicht klar ersichtlich, was gegenwärtig erlaubt sei.

Die aktuelle Anordnung des Obersten Gerichtshofs gilt zunächst für eine Woche. In dieser Zeit prüft das Gericht die Argumente beider Seiten genauer, bevor eine längerfristige Entscheidung über die Verfügbarkeit des Präparats fällt.

Das Präparat Mifepriston kommt in den USA bei der Mehrheit der Schwangerschaftsabbrüche zur Anwendung, meist in Kombination mit einem zweiten Medikament, Misoprostol. Doch in vielen republikanisch regierten Bundesstaaten herrscht striktes Abtreibungsverbot – und ungewollt Schwangere dürfen nicht zum Abbruch in einen anderen Bundesstaat reisen (der hpd berichtete). Deshalb bestellen viele Betroffene die Mittel auf dem Postweg.

Unterstützen Sie uns bei Steady!