Petition gegen Kinder-Hijabs in Schulen und Kitas

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Während im Iran mutige Frauen das Kopftuch ablegen, werden in Deutschland bereits Kinder verschleiert.
Kleines Mädchen mit Kopftuch

"Es sollte ein Verbot des Kinder-Hijabs in öffentlichen Bildungseinrichtungen geben, um Kinder vor ideologischer Prägung zu schützen." Das fordern gut 20 deutsch-iranische Frauenrechtlerinnen. In Österreich gibt es bereits ein entsprechendes Gesetz.

Unter der Überschrift "Ein Statement deutsch-iranischer Frauen: Frauenrechte in Deutschland schützen!" wendet sich eine aktuelle Petition auf der Kampagnenplattform change.org dagegen, dass auch in Deutschland "kleine Mädchen mit Kopftuch in Schule und Kindergarten geschickt werden und dies von Teilen der Gesellschaft als Ausdruck religiöser Vielfalt gefeiert wird".

Die Unterzeichnerinnen der Petition warnen:

"Ein Kinder-Hijab ist kein Ausdruck von Religionsfreiheit, sondern trägt zu einer Frühsexualisierung bei und stellt in der Folge einen Ausdruck von Geschlechterungleichheit dar. Ein Kind kann keine bewusste Entscheidung über religiöse oder politische Symbolik treffen. Der Kinder-Hijab markiert Mädchen früh als "anders" oder "verantwortlich für Moral" – und auferlegt ihnen eine Bürde, die kein Kind tragen sollte. Kinder dürfen nicht für politische, traditionelle oder moralische Ideologien instrumentalisiert werden. Kein Mädchen darf soziale Ausgrenzung, Einschränkungen seiner Freiheit oder Eingriffe in seine körperliche Unversehrtheit erleiden müssen, um einer vermeintlich moralischen Erwartung zu entsprechen."

In Österreich dürfen muslimische Mädchen bis zum Alter von 14 Jahren künftig in Schulen kein Kopftuch mehr tragen. Das Gesetz tritt mit Beginn des Schuljahrs 2026/2027 in Kraft. Bei Verstößen gegen das Verbot soll die Schulleitung zunächst ein Gespräch mit dem betroffenen Mädchen und seinen Eltern führen. Sollte das Kind weiterhin Kopftuch tragen, müssen die Eltern mit der zuständigen Schulbehörde sprechen. Als äußerste Maßnahme drohen Geldstrafen zwischen 150 und 800 Euro.

Argumente für ein Verbot

Mit Blick auf ihre Herkunft verweisen die Unterzeichnerinnen der Petition darauf, dass sie aus einem Land kommen, in dem die Zwangsverschleierung ein Symbol staatlicher Unterdrückung ist. Der Hijab sei im Iran eben kein Kleidungsstück der Wahl, sondern "ein politisches Instrument zur Kontrolle des weiblichen Körpers und damit der gesamten Gesellschaft". Millionen mutiger Frauen im Iran riskierten heute ihr Leben, um das Recht zu verteidigen, nicht zur Verschleierung gezwungen zu werden.

Auch in Deutschland, so wird in der Petition gemahnt, sei das Tragen des Hijabs kein bloßes Modeaccessoire, sondern "ein Symbol patriarchaler Strukturen und der Kontrolle über den weiblichen Körper – häufig als Folge familiärer Einflussnahme, sozialer Erwartungen, kulturellen Drucks und eines identitätsstiftenden Normzwangs."

Wenn jedoch Verschleierung – bis hin zur Vollverschleierung – als unkritischer Bestandteil des Alltags normalisiert werde, ohne die dahinterstehenden Strukturen der Unterdrückung zu hinterfragen, bedeute dies einen Rückschritt für die Frauenrechte. Und wenn dies durch eine vermeintliche Freiwilligkeit als selbstbestimmtes Handeln der Frauen bezeichnet werde, so blende dies die strukturellen Zwänge und die dahinterstehenden Machtverhältnisse aus.

Gesellschaftliche Fortschritte der Vergangenheit in Sachen Gleichberechtigung dürften nicht durch falsch verstandene Toleranz oder politische Instrumentalisierung wieder verloren gehen. Doch eine zunehmende ideologische Durchsetzung stereotyper Geschlechtsnormen führe zu einer faktischen Normalisierung der Trennung der Geschlechter im öffentlichen Raum. Dies sei in den vergangenen Monaten etwa bei Demonstrationen, an Schulen und Universitäten sowie in Bussen und anderen öffentlichen Bereichen zu beobachten gewesen.
In Wahrheit dienten Verschleierung und der vermeintliche "Schutz" von Frauen systematisch dazu, Frauenrechte zurückzudrängen und den sozialen sowie räumlichen Handlungsspielraum von Frauen einzuschränken. Eine freie Gesellschaft müsse solchen Entwicklungen entschieden entgegentreten.

Die politische Diskussion in Deutschland

In der Politik treffen die deutsch-iranischen Frauenrechtlerinnen auf Zustimmung von einer Seite, die ihnen nicht behagen dürfte. Erst im November stellte die AfD im nordrhein-westfälischen Landtag den Antrag, dem Vorbild Österreichs zu folgen und das "Kinderkopftuch" in Schulen und Kindergärten bis zur Religionsmündigkeit zu verbieten. Der Antrag wurde mit den Stimmen von CDU, Grünen, SPD und FDP abgelehnt. Die Positionen der Grünen erläutert deren Abgeordneter Benjamin Rauer so: Der Antrag der AfD instrumentalisiere Kinder und Jugendliche für ihre eigene Agenda. Das habe nichts mit Kinderschutz zu tun. Die behauptete Kindeswohlgefährdung lasse sich doch wohl eher damit begründen, dass Mädchen mit Kopftuch angefeindet, ausgegrenzt und diskriminiert werden. "Ein Verbot, das dem Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung dasjenige Verhalten verbietet, das Auslöser der Diskriminierung ist, schützt schlussendlich nur den Täter." Es gelte Religionsfreiheit und "der Schutz im Grundgesetz garantierter Rechte muss auch in Schulen gelten. Wenn Mädchen aufgrund des Tragens eines religiösen Zeichens Opfer von Diskriminierung werden, muss der Staat seiner Schutzpflicht gegenüber diesen Schülerinnen nachkommen", argumentiert der Grüne.

In Hessen gab es den Vorstoß des dortigen Europaministers Manfred Pentz (CDU), der via Bild gefordert hatte, man möge doch ernsthaft in Deutschland die Übernahme der österreichischen Regelung prüfen. Pentz wurde aber sogleich von seinem Parteifreund und Ministerpräsident Boris Rhein zurückgepfiffen. Das sei kein Thema.

Die Wochenzeitung Die Zeit zitiert dagegen Stefan Düll, den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, der durchaus das Problem sieht, auf das auch die Frauenrechtlerinnen mit ihrer Petition aufmerksam machen. Er fragt: "Ist das noch Religionsfreiheit, wenn man Mädchen in einem so jungen Alter bereits ein solches patriarchales Frauen- und Rollenbild aufdrängt? Für uns als Schule wird das Kopftuch dann zum Problem, wenn den Kindern mitgegeben wurde, du solltest dich mit nichtmuslimischen Kindern nicht anfreunden, und mit Jungs schon gleich gar nicht."

Die Autorin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş meint, die österreichische Regelung solle weltweit zum Vorbild werden. In einem Interview mit Welt-TV sagte sie, es brauche auch Aufklärung bei denjenigen, die sich aus Minderheitenschutz und Religionsfreiheitsschutz solidarisierten. "Ich würde all den Linksliberalen, die jetzt aufschreien, raten, dass sie sich einen Monat lang verhüllen, sich verschleiern und so rumlaufen und ihre Töchter auch verhüllen und verschleiern. Dass man mal erlebt, was das bedeutet, wenn sich Mädchen so einschränken müssen."„

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