Amerikas junge Frauen wenden sich zunehmend vom Glauben ab. Inzwischen bezeichnen sich bereits 43 Prozent der unter 30-jährigen Amerikanerinnen als nicht religiös.
Der Anteil der nicht religiösen jungen Frauen (von 18 bis 29 Jahren) hat seit 2013 stetig zugenommen – von 29 auf 43 Prozent (2025). Der Begriff (im Original: none) umfasst Atheisten, Agnostiker und andere, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören. Ein Großteil dieses Zuwachses resultiert aus einem Rückgang der Religionszugehörigkeit bei jungen Frauen aus ethnischen Minderheiten (Women of Color). Dagegen blieb der Anteil der nicht religiösen jungen Männer im selben Zeitraum bei 35 Prozent stabil.
Zu diesen Ergebnissen kommt die jetzt veröffentlichte Studie Census of American Religion 2025 des Public Religion Research Institute (PRRI) in Washington, D. C. Über alle Geschlechter hinweg identifizierten sich demnach 9 Prozent der unter 30-Jährigen in den USA als nicht religiös.
Eine bedeutende Rolle bei der Abwendung junger Frauen von den Kirchen spielen die traditionellen Geschlechterrollen in konservativen Glaubensgemeinschaften, sagt die PRRI-Direktorin Melissa Deckman. "Ich glaube, wir erleben gerade einen frontalen Zusammenstoß: Viele jüngere Frauen legen ihre religiöse Selbstbezeichnung ab, weil sie die Ansichten konservativer und lautstarker Kirchen nicht unterstützen."
Während die Frauen gehen, drängen junge Männer mit christlich-fundamentalistischen Überzeugungen – die sogenannten "Theo Bros" – zunehmend an die Öffentlichkeit. Einige Wortführer der Bewegung fordern in den sozialen Medien sogar eine Abschaffung des Frauenwahlrechts. Beobachter vermuten deshalb auch einen erhöhten Zulauf junger Männer zu den Kirchen. Dem widerspricht Deckman: Nach ihrer Ansicht sei es unwahrscheinlich, dass dieser Trend viele Menschen in die Kirchen locken wird.
So verzeichnet auch die PRRI-Studie keine nennenswerte Veränderung beim Anteil religiöser junger Männer. Tatsächlich ergaben frühere Untersuchungen, dass der "Gender Gap" bei der Religionszugehörigkeit unter Amerikas jungen Erwachsenen zusehends schwindet. 57 Prozent der jungen Frauen und 58 Prozent der gleichaltrigen Männer sehen sich demnach als Angehörige einer Religion, so eine Untersuchung des Pew-Instituts. Die schwindende Religiosität junger Frauen habe dazu geführt, dass sie nun mit ihren männlichen Altersgenossen gleichauf liegen, so Deckman.
Was bedeutet all dies für die religiöse Landschaft der USA? Junge Menschen stellen dort nur etwa 14 Prozent der Kirchenmitglieder, obgleich sie rund ein Viertel der Bevölkerung ausmachen. Dennoch gebe es keinerlei Anzeichen, dass Religion in absehbarer Zeit aus Amerika verschwinden wird, so die Sozialwissenschaftlerin Charissa Mikoski vom Hartford Institute for Religion Research.
Zudem bestätigt die PRRI-Studie frühere Ergebnisse, dass die Quote der Nicht-Religiösen in allen Altersstufen über die letzten Jahre weitgehend stabil bleibt. Laut einer früheren Untersuchung des Pew-Instituts stieg ihr Anteil zwischen 2007 und 2022 von 16 auf 31 Prozent und hat sich bei etwa 28 Prozent eingependelt.







2 Kommentare
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Kommentare
gerhard baierlein am Permanenter Link
Na das lässt doch hoffen, daß in den USA die Vernunft bei der Jugend den klerikal verseuchten älteren Bürgern ein Beispiel zeigt, wie real diese auf die Welt schauen und
kaum noch aufzuhalten, und Europa sollte sich daran orientieren.
Matt Sand am Permanenter Link
Mit Rhetoriken wie "klerikal verseucht" wird man der Religionskritik keinen Dienst erweisen, lieber Gerhard Baierlein.
Die Gleichsetzung der Abwesenheit von religiösen Bindungen mit Denken und Wissen hat auch nicht wirklich eine Grundlage in der politischen Realität: Das liberale Lager hat es nicht vermocht, die zweite Präsidentschaft Trumps zu verhindern. Wie viele derer, die Ihrer Auffassung nach "real auf die Welt blicken" und "sich nicht von uralten Märchen einlullen lassen", mögen wohl Trump gewählt haben? Und wie viele derer, die Ihrer Ansicht nach offenbar intellektuell benachtet sind, nicht? Auch der dramatische Rückgang der Wahlbeteiligung überhaupt, auch in den USA, wird dort nicht auf religiöse Menschen begrenzt sein.
Auch in Europa warten wir noch darauf, dass die große Zahl der Konfessionslosen sich politisch eindeutig organisiert und ihr theoretisch großes Gewicht in die Waagschale wirft. Ob das zu einer Liberalisierung führen würde, ist mitunter zweifelhaft.