Donald Trump zum neuen USA-Präsidenten gewählt
Sieg des Populismus
Foto: Steve Case bei Twitter
Es ist tatsächlich passiert: die Wähler in den USA haben Donald Trump zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Die Reaktionen in den europäischen Hauptstädten reichen von Entsetzen bis zur Begeisterung. Das spiegelt sich auch in den Medien wider.
Die Süddeutsche bezeichnet Trumps Sieg als eine Zäsur für die USA und die Welt. Und tatsächlich: Die Machtverschiebung in den USA ist beträchtlich. "Donald Trump wird Präsident des Landes, die beiden Kammern des Kongresses werden von den Republikanern beherrscht, und die Vakanzen des Supreme Court werden nun von der konservativen Mehrheit in ihrem Sinne besetzt. Die Machtverschiebung in den USA ist umfassend und vollkommen. Die drei Säulen der Nation, die Exekutive, die Legislative und die Judikative, sind in der Hand einer radikalen und unberechenbaren Partei und eines Präsidenten, den man wohlwollend noch als skurril bezeichnen kann."
Die FAZ fragt: "Was kommt jetzt?" und weist auf die Wahlversprechungen und Drohungen hin, die Trump in seinem Wahlkampf äußerte und resümiert: "Die Welt muss sich auf große Veränderungen einstellen. Denn die Wahl in Amerika hat der Weltpolitik eine Überdosis Unberechenbarkeit injiziert."
"Den Durchbruch schaffte Trump … genau mit jener Wählerschaft, die er mit seinen provokativen, oft beleidigenden Aussagen direkt angesprochen hatte: die früher gewerkschaftlich linke, weisse Unter- und Mittelschicht, die sich von den Eliten in Washington, von Wall Street und von der Demokratischen Partei verraten und verkauft fühlte…" schreibt die NZZ in einem ersten Kommentar zum Wahlergebnis.
Auch wenn Trump in einem ersten Statement nach der Wahl sagte, dass er "Präsident aller Amerikaner" sein werde, zeigten sich Politiker in ihren ersten Reaktionen geschockt. Der deutsche Justizminister Heiko Maas twitterte am Morgen: "Die Welt wird nicht untergehen, sie wird nur noch verrückter."
Die Welt wird nicht untergehen, sie wird nur noch verrückter. (hm)
— Heiko Maas (@HeikoMaas) 9. November 2016
Der Vorsitzende im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, Norbert Röttgen, zeigte sich in einem Interview mit n-tv sichtbar geschockt vom Ausgang der Wahl. "Ich bin darüber schockiert, was stattgefunden hat. Dass ich damit nicht gerechnet habe, ist nicht das Wesentliche. Meine Befürchtung ist, dass das eine dramatische Zäsur auch von historischer Dimension ist für die USA selber, aber auch für die Rolle der USA in der Welt und auch für das transatlantische Verhältnis. Ich glaube, das wird eine tiefe Entfremdung geben und darum halte ich das für einen dramatischen historischen Moment, den wir erleben."
Auch die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat den Wahlsieg Trumps als "schweren Schock" bezeichnet. Laut Spiegel-Online sagte sie in der ARD: "Auch wenn dieser Wahlkampf getränkt war von Herabwürdigung, von Spaltung - es ist eine demokratische freie Wahl. Wir müssen uns jetzt mit den Realitäten auseinandersetzen."
Wenn dieser Rechtspopulist und sexistische Hassprediger US Präsident wird, dürfen wir uns auf einen politischen Kälteschock gefasst machen.
— Ralf Stegner (@Ralf_Stegner) 9. November 2016
Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir bezeichnete es als einen Bruch mit den bisherigen Traditionen, nach denen der Westen für liberale Werte steht. "Die Vereinigten Staaten verabschieden sich unter Trump vom Rest der Welt."
Ruprecht Polenz schreibt im Magazin The European: "Für mich ist diese Wahl eines unberechenbaren Populisten zum mächtigsten Mann der Welt ein Alptraum. Ich hätte nicht gedacht, dass er Wirklichkeit werden könnte. Jetzt bleibt erst einmal nur die Hoffnung, dass es so schlimm nicht werden möge." Damit greift er eine Haltung auf, die bei vielen Kommentatoren zu beobachten ist: man zieht den Kopf ein und hofft, dass die nächsten vier Jahre irgendwie vorüber gehen.
Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) nannte Trump einen "Vorreiter einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationalen."
In den sozialen Netzwerken machte sich am frühen Morgen (mitteleuropäischer Zeit) Panik, Zynismus und Fassungslosigkeit breit. Das Bild der Freiheitsstatue, die die Hände vors Gesicht schlägt, machte weltweit die Runde.
#ElectionNight pic.twitter.com/CrqxUqo2iP
— Steve Case (@SteveCase) 9. November 2016
Die Börsen reagierten mit einem Kurssturz. Die Börse in Tokio vermeldete einen Sturz des Nikkei-Index um mehr als fünf Prozent und der Deutsche Aktienindex Dax brach zur Eröffnung ein, genau wie die Börsen in London und Paris. Das allerdings wird sich vermutlich in den nächsten Tagen wieder Einpegeln: bislang hat noch keine Wahl irgend etwas an der Geldmaschine "Börse" verändern können.
Interessant ist auch, dass in der US-Wahlnacht die Website der kanadischen Einwanderungsbehörde nicht mehr zu erreichen war – offenbar wegen Überlastung. "Viele Amerikaner hatten während des Wahlkampfes immer wieder angekündigt - manche im Scherz, andere ernsthaft -, aus den USA auszuwandern, sollte Präsidentschaftskandidat Donald Trump gewinnen."
Zu den ersten Gratulanten zum Wahlsieg gehörten übrigens Russlands Präsident Wladimir Putin, der britische Populist Nigel Farage, Marine Le Pen, die Chefin des französischen Front National, der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders und der Ku Klux Klan.
Jens Berger fasst bei den Nachdenkseiten zusammen: "Es war eine Wahl zwischen Pest und Cholera und die Pest hat knapp gewonnen. Der Sieg Donald Trumps ist jedoch nicht überraschend und seine Wähler sind nicht nur durchgeknallte Rednecks. Es ging bei dieser Wahl auch nicht um 'links' oder 'rechts'. Trump hat es vielmehr geschafft, sich selbst als Kandidaten zu inszenieren, der einen Feldzug gegen das Politik-Establishment führt. In einem Land, in dem die etablierte Politik abgewirtschaftet hat, nur noch 9% der Bevölkerung hinter dem gewählten Kongress stehen und auf Seiten der Demokraten mit Hillary Clinton die Personifizierung des politischen Establishments zur Wahl stand, hatte Trump am Ende die besseren Karten."
Kommentare (14)
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Heiko Maas der Kinderehen
Heiko Maas der Kinderehen zulässt, Beschneidung, sagt der Trump wäre unzuverlässig. soweit seine Selbsteinschätzung, aber sein Anzug sitzt. und Trump finde ich von allen Kandidaten welche antreten wollten noch am wenigsten schlecht. ich hoffe das sich Putin und Trump gut verstehen. das wunder was beide machen können ist die Entmilitarisierung von Europa, wie von gorbi vorgeschlagen
Leider ist der überwiegende
Leider ist der überwiegende Teil der Amerikaner dumm (The stupid white Men) und Prof. Horst Hermann beschreibt den Amerikaner in seinem Buch "Der Moloch" ebenfalls als dumm und das macht den Amerikaner auch so gefährlich und unberechenbar. Die Menschen sind leicht zu manipulieren und markige Worte treffen den Nerv der unzufriedenen Wähler. Nie wird so viel gelogen wie nach der Jagd, im Krieg und vor Wahlen.
(Otto von Bismark, dt. Staatsmann, 1815-1898)
Glaube keinen Politiker und Theologen, denn du wirst stets nur angelogen.
Das schwere und unberechenbare Problem, Trump ist gar kein Politiker!
Ausschlagend wird m. E. in
Ausschlagend wird m. E. in näherer Zukunft sein, wie er dem skrupellosen Machtpolitiker Putin - hoffentlich schnell - begegnen wird. Der hat ihm ja übrigens eilig gratuliert.
Demokraten, die "hehre" Ideale verwirklichen wollen, sind dem letzteren ja nur als schwächlich, Quatschtanten und Feiglinge vor dem geistigern Auge.
Wenn er die Grenzen sucht, vielleicht kann ihm ein unberechenbarer Materialist und Kapitalist diese verdeutlichen, ehe schlimmes passiert.
Es ist angerichtet.
Vor Wochen schon habe ich
Vor Wochen schon habe ich gewettet, dass Trump gewinnen wird - und jetzt das Zehnfache meines Einsatzes zurückbekommen. Wer meint, die USA zu kennen, ja in die Abgründe des Menschen überhaupt zu schauen, wird über das Ergebnis dieser Präsidentenwahl nicht erstaunt sein. Was mich ärgert, sind die blauäugigen Äußerungen deutscher Politikerinnen und Politiker: So weit kann man/frau sich doch nicht von den Menschen entfernen, um jetzt "schockiert" zu sein. Umfrageergebnisse: für die Katz, Analysten: eine lärmende Schar. Sollten wir nicht häufiger und intensiver dem Volk aufs Maul schauen, ohne zu fürchten, das sei eine populistische Attitüde? Das Projekt der Aufklärung, für das ich stehe, richtet sich nun einmal nicht nur an die Klientel des hpd. Aufklärung muss alle erreichen, sonst hat sie keine Chance. In den USA nicht, auch nicht in Deutschland. Es muss nur ein deutscher Trump auftauchen und viele, alles andere als auf einer Insel der wissenden Seligen, werden sich noch wundern.
Nun, es wäre an der Zeit
Nun, es wäre an der Zeit gewesen, den alles verkleisternden Begriff "Populismus" endlich einzumotten und analytische Fragen und Daten zu bringen. So könnte man endlich mal Kategorisierungen wie "die früher gewerkschaftlich linke, weisse Unter- und Mittelschicht, die sich von den Eliten in Washington, von Wall Street und von der Demokratischen Partei verraten und verkauft fühlte" mit Inhalten, Zahlen, Vorgeschichte und Zukunftstrends ablösen. Eigentlich möchte man die etwas beschränkte Sicht "Es war eine Wahl zwischen Pest und Cholera" nicht mehr hören, sondern fragen, was denn wirklich los ist mit diesem "politischen Establishment" und wie es bei uns, in Frankreich etc. damit aussieht. Wäre es denn so abwegig, zu vermuten, dass Demokratien letztlich instabil sind und irgendwann "erodieren"?
CW
Die FAZ hat es geschafft die
Die FAZ hat es geschafft die eigene Sichtweise etwas genauer zu betrachten:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/alle-gegen-donald-trump-die-hybris-der-meinungsmacher-14516918.html
Aber ich sehe das auch so, Politik muss den Menschen wieder zu hören und etwas für die Menschen machen, also Populärer werden.
Ach, und hier fehlt noch etwas was der Röttgen AUCH gesagt hat:
http://www.deutschlandfunk.de/us-wahl-roettgen-trump-erfolg-ist-warnung-fuer-europa.1947.de.html?drn:news_id=675905
"Man habe die Radikalität unterschätzt, mit der Wähler bereit seien, aus ihrer persönlichen Situation die Konsequenzen zu ziehen, ..."
Geil!
Daran erkennt man wie sehr die Politiker die Menschen verachten
Na ja, Demokratien sind wie
Na ja, Demokratien sind wie ein schönes Anwesen. Sie müssen eben auch gepflegt werden. Wenn der Besitzer alles verkommen lässt...
Nun ja, aus meinem
Nun ja, aus meinem Blickwinkel waren die US-Wahlen seit der flächendeckenden Ausstattung mit Fernsehen populistische Wahlen. Von daher: Im Westen nichts Neues.
Verhaltensoriginelle Amtsinhaber gab es hüben wie drüben (u.b. Boris Jelzin) auch schon. Wir haben sie überlebt.
Und ja, es gab im Ganzen 6 Kandidaten bei dieser Wahl. Warum es sich auf die beiden Schlimmsten konzentriert hat…
Ob sich die Führung der
Ob sich die Führung der Demokratischen Partei die Frage stellen wird, ob sie gut daran getan haben, die Kandidatin Hillary Clinton statt Bernie Sanders unterstützt zu haben? Sei es wie es sei, Konrad Adenauer hätte gesagt: "die Situation ist da." Ja, die Situation ist da. Auch in Deutschland. Ob unsere SPD etwas aus diesem Wahlausgang lernt? Im Moment sieht es nicht danach aus. Es reicht nicht, unliebsame Politiker als Populisten zu bezeichnen. Besser wäre es, eine Politik zum Wohle aller Mitbürger zu machen, statt immer nur diejenigen zu privilegieren, die schon privilegiert sind.
Die Dummokraten haben
Die Dummokraten haben denjenigen, der noch am ehesten den Populisten Trump hätte stoppen können, selbst ausgebotet: Bernie Sanders.
Schaun wir mal, wieweit Trump auch in die Strukturen des Establishments eingebundenist oder wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht vorher geklärt wurde.....
Und jetzt? Nix.
Und jetzt? Nix.
Herabwürdigende, eitle Gockel mit einem gewissen Charisma werden gewählt und irgendwann wieder abgewählt. Das Schlimme ist, dass solch soziopathischen Narzissten in der Zwischenzeit ganze Generationen vergiften können.
Kennt man.
Das Schöne ist, dass der
Das Schöne ist, dass der Trumpet-Gockel für vier (oder sogar acht) Jahre ein Schlachtfest für Kabarettisten und Cartoonisten abgeben wird. Die 'Versöhnungsrede' nach seiner verbalen Wahlkampfonanie ist ein guter Anfang.
Man braucht doch gar nicht
Man braucht doch gar nicht nach Amerika schauen, wie viele dumme Menschen hängen hier an den Lippen von Heiratsschwindlern, Bankberatern, fliegenden Verkäufern, kuriosen Moderatoren, so genannten Comediens und lachen bei jedem Scheiß, auch wenn sie noch so stark beleidigt werden und beschissen werden!
Der Politiker verspricht im Diesseits ein schönes Leben, der Theologe verspricht im Jenseits ein schönes Leben aber beide versprechen sich letzten Endes ein eigenes gutes Leben im Diesseits! Von wegen nix! Und jetzt erst recht!
Mann reibt sich die Augen bei
Mann reibt sich die Augen bei so viel neuem in DE geäußertem "ANTIAMERKANISMUS". Bisher war dieses Prädikat ja für die Diffamierung von Globalisierungs- und Freihandelskritiker reserviert... Nicht das am Ende nun all die gläubigen Transantlantiker als neue Antis von ihrem Glauben abfallen.