Straffreiheit für Abtreibung gefordert

Mexiko: 120 Frauen wegen Abtreibung im Gefängnis

Der nordamerikanische Staat Mexiko hat keine einheitliche Gesetzgebung zur Abtreibung. Während in Mexiko-Stadt eine Abtreibung bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei durchgeführt werden können, wird im wenige Kilometer entfernten Bundesstaat Hidalgo verhaftet, wer versucht, eine Schwangerschaft zu beenden, die nicht Resultat einer Vergewaltigung ist, das Leben der schwangeren Person gefährdet oder bei der ein schwer deformierter Fötus heranwächst.

Nachdem eine 17-jährige versucht hatte mittels Medikamenten ihre Schwangerschaft zu beenden, ging alles schief. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich so sehr, dass sie eilends in die Notaufnahme gebracht und gerettet werden musste. Als es ihr einige Tage später besser ging, wartete bereits eine Anweisung der Behörden auf sie. Ihr drohen bereits drei Jahre Haft wegen Abtreibung und womöglich noch einmal drei Monate bis zwei Jahre Haft wegen Abtreibung aus Angst vor sozialer Ausgrenzung oder extremer Armut.

Erst im Dezember 2019 hatte der Bundesstaat Hidalgo bekräftigt, Abtreibung nicht legalisieren zu wollen. Und somit wird sich die Zahl der 120 wegen Abtreibung inhaftierter Frauen noch erhöhen.

Ohnehin setzt Mexiko einiges an Ressourcen in die Untersuchung potentieller Abtreibungen. Allein im Jahr 2019 wurden 622 Untersuchungen angestrebt.

Mexiko hat einen Flickenteppich an Gesetzgebungen, die einen Schwangerschaftsabbruch betreffen. Jedes Bundesland erlaubt eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung. Bis auf drei Bundesstaaten (Guanajuato, Guerrero und Querétaro) ist auch die Lebensgefahr der Schwangeren durch die Schwangerschaft oder die schwere Deformation des Fötus ein Grund zum legalen Abbruch.

Yucatán stellt die Abtreibung ebenfalls straffrei, wenn eine Person bereits mindestens drei Kinder zur Welt gebracht hat und nachweisen kann, weitere Kinder finanziell nicht erhalten zu können.

In Mexiko-Stadt und seit September 2019 auch im Bundesstaat Oaxaca können in Not geratene Menschen straffrei bis zur 12. Schwangerschaftswoche abtreiben. Die Entscheidung Oaxacas, einem der ärmsten Bundesstaaten mit großer sozialer Ungleichheit, wird als wichtiger Schritt nicht nur für die Menschenrechtsbewegungen Mexikos gesehen, die klar dafür eintreten, dass eine Person entscheiden dürfen muss, ob und wann sie Kinder bekommen möchte. Es wird auch als Wegweiser für ganz Südamerika gesehen, wo katholische Ideen weniger Raum einnehmen und Frauen immer lauter für ihre Rechte kämpfen.

Aktuell jedoch sind die Aktivist*innen, die sich für Fortpflanzungsrechte einsetzen noch Anschuldigungen katholischer Gruppen ausgesetzt, die selbst vor der Verbreitung von Fake News über Frauenrechtler*innen nicht zurückschrecken.

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