Zum Tod von Martin Perscheid
Der Großmeister der komischen Kunst
Foto: © Nadia Menze
Martin Perscheid ist tot. Der gefeierte Cartoonist und gbs-Beirat, der auch für den hpd zeichnete, erlag in der Nacht zum 31. Juli 2021 seinem Krebsleiden. Ein Nachruf von Ricarda Hinz.
Er war der Großmeister der Reduktion: sein schier unerschöpflicher Output von Ein-Bild-Geschichten brachten jede Komplexität treffsicher auf den Punkt. Kein Strich zu viel, keine Schnörkelei, keine Umwege, nein, immer mitten auf die Zwölf! Jeder, wirklich jeder kennt sein blau behemdetes, sagenhaft schlichtes Alter Ego, durch dessen Glasbaustein-Brille er uns zu wahrem Durchblick auf die Abgründe dieser Welt verhalf.
Mit Martin Perscheid, dem Großmeister der komischen Kunst, der im Alter von nur 55 Jahren von uns gegangen ist, verlieren wir nicht nur einen der großartigsten Cartoonisten, sondern auch einen humanen Aufklärer und wahrhaft sensiblen Freund. Seit 2020 verstärkte Martin Perscheid mit seiner Mitgliedschaft im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung den Anteil der Künstler und Künstlerinnen in der Stiftung. Wir hätten ihn liebend gern noch länger bei uns gehabt und viel besser kennen gelernt.
Sein Werk ist kolossal, seine Fangemeinde riesig und unser Respekt vor ihm war entsprechend groß, als wir ihn vor drei Jahren fragten, ob er auch für das Satirefenster "Spott sei Dank" des Humanistischen Pressedienstes zeichnen würde. Weltanschaulich rannten wir bei ihm offene Türen ein: Der in eine katholisch sozialisierte Familie geborene Perscheid war natürlich längst zum säkularen Humanisten und Atheisten konvertiert, wie viele seiner von uns zuvor schon sehr bewunderten Cartoons erkennen ließen. Er belieferte uns seither sehr engagiert mit weiteren religions- und gesellschaftskritischen Pointen.
Sein Werk wird noch lange unerreicht als hellster Stern am Firmament humorvoller Kunst stehen und nachfolgende Generationen über das Zwerchfell im Hirn erleuchten.

Kommentare (7)
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Das macht mich traurig.
Das macht mich traurig. Perscheid war einer von den Guten, einer von denen, die das Herz auf dem richtigen Fleck hatten. Ein wirklicher Verlust - nicht nur für den hpd.
Dem schließe ich mich an.
Dem schließe ich mich an.
Mit Bedauern nehme ich zur
Mit Bedauern nehme ich zur Kenntnis, das der Humanismus einen wertvollen Mitstreiter verloren hat, dessen Humor und Tiefblick in Sachen Humanität unvergessen bleiben wird.
Jetzt werde ich ihn nicht
Jetzt werde ich ihn nicht mehr kennenlernen. Wie schade. Von ihm stammt die beste, den religiösen Wahn veräppelnde Karikatur, die ich kenne - ich sage nur "Orthognomer Kalottischer Drubel", ihr wisst, was ich meine.
Ich weiß; auch mein
Ich weiß; auch mein Lieblingscartoon.
Vor ein paar Jahren stand ich
Vor ein paar Jahren stand ich mit ihm in Kontakt. Ich hatte um ein Interview angefragt u. a., weil Richard Dawkins ein Cartoon von ihm geteilt hatte und er regelmäßig religionskritische Inhalte veröffentlichte. Ich schlug ihm auch vor ausgesuchte Cartoons zu übersetzen und über die US-Seite der Richard Dawkins Foundation zu verbreiten. Er fand das Teilen der Cartoons "eine prima Idee". Sogar sein damaliges Komplettwerk schickte er mir per USB Stick zu.
Leider kam es aus diversen Gründen weder zum Interview noch der Zusammenarbeit hinsichtlich der Cartoons. Wie das Leben eben so spielt. Er wird uns schmerzlich fehlen. An seinem furchtlosen Werk, bei dem jeder sein Fett wegbekommt, erfreuen wir uns indes bis in alle Ewigkeit und danach.
Richard Dawkins, 18. April 2015:
This is one of the wittiest cartoons I've seen. Very funny indeed.
https://twitter.com/RichardDawkins/status/589387246664601602
Mit Martin Perscheid hatte
Mit Martin Perscheid hatte ich 2018 Kontakt, als ich ihn bat, mir die Verwendung einzelner seiner Cartoons für meinen Blog zu erlauben.
Die Erlaubnis wurde von ihm im Juni d.J. erteilt, im Oktober habe ich dann einen Artikel dazu geschrieben und ihm zugemailt:
https://darkcrystal666.wordpress.com/2018/10/21/perscheid-perfekt/
Seine Antwort war mehr als ich erwartete: Menschlich, persönlich und inspirierend.
Mein Herz betrauert den Verlust - ein auge freut sich jeden Tag über die Perscheids, die ich noch nicht kenne.