Kim und Struppi - Ferien in Nordkorea

BERLIN. (hpd) Was halten Sie von einem Urlaub in Nordkorea? Sightseeing mal anders: Das Land bietet die gefährlichste Grenze der Welt, die höchste Bauruine der Welt (die es eigentlich gar nicht gibt) und Sie werden permanent von mehr oder weniger charmanten "Reisebegleitern" betreut. Diese wurde vom Geheimdienst intensiv ausgebildet und werden nicht nur Sie bewachen, sondern auch sich gegenseitig.

Der Autor Christian Eisert hat Ferien in Nordkorea gemacht und seine bizarren Erlebnisse nun als Buch veröffentlicht. Einem urkomischen Buch. Aber: Darf man sich über Nordkorea überhaupt lustig machen?

Doch beginnen wir am Anfang. Christian Eisert, TV- und Comedy-Autor, der in seiner Schulzeit in der DDR für nordkoreanische Delegationen singen und mit Wimpeln wedeln musste, beschloss 25 Jahre später, relativ spontan, mit einer engen Freundin in das abgeschotteteste Land der Erde zu reisen.

Das erste Problem: diese Freundin ist Journalistin und Nordkorea lässt in der Regel keine Journalisten ins Land. Wie es mit Comedy-Autoren aussieht, war den beiden auch eher unklar. Also reisten sie mit gefälschten Biografien ein, was, formuliert man es mal diplomatisch, nicht ganz ungefährlich ist. In den nordkoreanischen Arbeitslagern sind nicht nur Koreaner interniert…

Viele Menschen wissen nicht, dass man "einfach so" als Tourist nach Nordkorea reisen kann, während das Land alles Menschenmögliche unternimmt, die Bürger drinnen und Informationen draußen zu halten. Wieso es trotzdem ein Tourismusprogramm gibt, ist schnell erklärt: Jang Jin-sung, vor seiner Flucht ein hochrangiger Mitarbeiter des Propaganda-Ministeriums, erklärte, dass für den Tourismus "Zimmer 38" zuständig ist. Jene Abteilung des Geheimdienstes, deren Aufgabe es ist, Devisen zu beschaffen.

Christian Eisert startet also, zusammen mit seiner Freundin Thanh, die 1.500 Kilometer lange Sightseeing-Tour durch ein Land, das gerne mit Atomwaffen droht und bei jeder noch so kleinen Form von Opposition gleich ganze Familien in Lager steckt oder gleich hinrichtet. Davon bekommen die beiden natürlich nichts mit. Oder besser: Sie bekommen es nicht zu sehen. Die drückende Stimmung und die generelle Angst, die unter solch einem Terrorregime herrschen, bekommen sie die ganze Zeit zu spüren.

Dafür sorgen nicht zuletzt Herr Chung und Herr Rym, ihre beiden "Reisebegleiter". Zu Beginn der Reise begleiteten die beiden Herren ihre Gäste sogar auf die Toilette, was zumindest bei Eisert zu einer gewissen Paranoia führte. Bereitwillig antworten sie auf alle willkommen Fragen, von alle anderen wird mit "Schauen Sie dieses Gebäude! Sehr schön, nicht wahr?" abgelenkt.

Wirkliche Angst hatte Christian Eisert auf der Reise nicht, außer vielleicht vor der sehr direkten Kritik seiner Mitreisenden Thanh am nordkoreanischen System gegenüber Herrn Chung und Herrn Rym. Reisegruppen wird übrigens vor ihrem Besuch dringend abgeraten, sich allzu kritisch zu äußern. Ein britischer Matrose zum Beispiel saß in Nordkorea einige Wochen im Gefängnis, weil er einen Witz über das recht stattliche Gewicht des "geliebten Führers" gemacht hatte.

Das persönliche Highlight des Autors war es, an der Grenze zu Südkorea zu "Tränen lügen nicht" zu tanzen. In einem Interview mit Radio Eins sagte Eisert kürzlich, dass er auch gerne wieder nach Nordkorea reisen würde, durch die Veröffentlichung seines Buches sei dies allerdings nicht mehr möglich.

Christian Eisert vermittelt dem Leser anschaulich die Atmosphäre, die in Nordkorea herrscht. Seine Fassungslosigkeit beim oftmals absurden Verhalten der Menschen, die er trifft, als auch die oft bedrohliche Stimmung im Land, kann der Leser gut nachfühlen. Und man muss beim Lesen oft lachen, womit wir wieder bei der Anfangsfrage sind, darf man sich über so ein Land lustig machen?

Was "Kim und Struppi" angeht: Christian Eisert macht sich nicht über das Land lustig. Die Komik entsteht aus den bizarren Situationen, in die der Autor und seine Reisefreundin Thanh geraten und ihrer unterschiedlichen Art dem Überwachungsdruck und den Absurditäten Nordkoreas zu begegnen.

Wer sich mit dem Land beschäftigt, wird oft Schwierigkeiten haben, das schier grenzenlose Leid großer Bevölkerungsteile zu ertragen. Für alle Nicht-Experten ist "Kim und Struppi" eine ideale Möglichkeit, sich auf sehr unterhaltsame Weise zu informieren; während man sich bei diesem urkomischen Reisebericht köstlich amüsiert, erhält man ganz nebenbei zuverlässige und gut nachrecherchierte Informationen über Land und Ideologie.

 


"Kim und Struppi - Ferien in Nordkorea", Ullstein Extra, 320 Seiten, 40 Fotos, 14,99 Euro