Heinz Gremer war seit früher Kindheit gehörlos. Dennoch meisterte er sein Leben: Er ergriff den Beruf des Schriftsetzers, wurde dreimal Vater, reiste viel und gründete die Ortsgruppe Kulmbach/Bayreuth des Bund für Geistesfreiheit. 42 Jahre lang gab er die Freigeistige Rundschau heraus. Nun ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.
Heinz Gremer wurde 1936 geboren. Als kleiner Junge verlor er im Vorschulalter durch eine nicht erkannte Mittelohrentzündung sein Gehör. Damals wurden ihm an der Universitätsklink Erlangen in beiden Ohren die Organe des Mittelohrs entfernt.
Die Schule besuchte er während des Dritten Reichs im katholischen Gehörloseninternat in Bamberg, wo der Kirchenbesuch wichtiger war als der Unterricht: zwei Mal am Tag, gebetet wurde mehrfach. Die Kinder in der Klosterschule mussten während der Schulzeit Küchen- und Feldarbeit verrichten. Heinz Gremer wurde außerdem als Ministrant herangezogen.
Nach der Schulzeit – in den 1950er Jahren – beschäftigte er sich intensiv mit dem Atheismus und dem Humanismus. In der Folge verbrannte er seine Bibeln und Gebetsbücher und trat aus der katholischen Kirche aus, was damals für einen Eklat sorgte.
Heinz Gremer lernte im E. C. Baumann-Verlag in Kulmbach den Beruf des Schriftsetzers. Er bildete sich fort, war als Korrektor tätig und arbeitete später als Satzgestalter am Computer, wobei er die Tageszeitung Bayerische Rundschau und wissenschaftliche Zeitungen wie die Ärztezeitung Medical Tribune erstellte. Ehrenamtlich war er im Gehörlosenverein Kulmbach als Kassier und Schriftführer
tätig.
Für den Bund für Geistesfreiheit (bfg) leitete er über viele Jahre und bis vor Kurzem die Ortsgemeinschaft Bayreuth/Kulmbach, die er auch gegründet hatte. Im Historischen Lexikon Bayerns publizierte er zusammen mit Helmut Steuerwald das Kapitel "Bund für Geistesfreiheit Bayern". 1982 begann er damit, die Freigeistige Rundschau zu verlegen und zu versenden, die bis 2024 einmal im Quartal als Vereinszeitung erschien und die der bfg Bayern vor Kurzem neu aufgelegt hat.
Heinz Gremers Leidenschaft waren Bergtouren. Er überquerte zweimal die Alpen vom Allgäu bis zum Gardasee. Nur mit dem Rucksack reiste er mehrfach durch Süd- und Mittelamerika, wobei er sich mit den dortigen historischen Kulturen befasste und Trekkingtouren von den Anden bis hinunter nach Patagonien unternahm. Dabei gelang ihm die Besteigung des ein oder anderen Gipfels über 5.000 Meter.
Zusammen mit der Bergwacht Kulmbach organisierte er 1987 eine Hilfslieferung von Rettungsausrüstung für Einsätze am 5.442 Meter hohen Vulkan Popocatepetl, der sich ganz in der Nähe der Metropole Mexico City befindet. Die mexikanische Bergrettung hatte beim Erdbeben 1985 ihre gesamte Ausrüstung verloren.
Trotz seines hohen Alters nutzte Heinz Gremer noch bis vor wenigen Wochen seinen Computer und seine Schreibmaschine und kommunizierte mit seinem Tablet über Messenger-Dienste und E-Mails. Am 01.04.2026 ging sein erfülltes Leben zu Ende. Um ihn trauern seine Frau, seine drei Kinder und sechs Enkelkinder. Eine seiner letzten Aussagen war: "Wir sehen uns wieder auf dem Regenbogen".







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Gerhard Baierlein am Permanenter Link
Ein kluger Mensch, der viel geleistet hat für seine Mitmenschen und letztendlich doch
auch ein Träumer war, wie es seine letzte Aussage bestätigt.
Gerhard B. 80 Jahre alt.