Religion und Sexualität passen irgendwie nicht zusammen. Wobei die Aversion nicht von der Sexualität ausgeht – ihr ist es nämlich völlig egal, ob Menschen an einen Gott glauben. Der Konfliktfaktor sind die Glaubensgemeinschaften. Mir ist keine bekannt, die ein unverkrampftes Verhältnis zur Geschlechtlichkeit von uns Menschen hat.
Ein Foto geht um die Welt, auf dem eine Frau ihr Kopftuch abnimmt und wie eine Fahne nach oben streckt. Es ist nun zu einem Symbol der Proteste gegen die islamische Regierung im Iran geworden. Ein Überblick über einige Reaktionen.
An der Universität Würzburg hat es einen Streit über das Kopftuch einer Studentin gegeben, nachdem alle Anwesenden einer Vorlesung aufgefordert wurden, ihre Kopfbedeckung abzunehmen. Der Politologe und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad ruft in einem Kommentar zur differenzierten Debatte auf.
Berlins Integrationsbeauftragter Germershausen kritisiert das Berliner Neutralitätsgesetz. Dem epd gegenüber vertrat er die Auffassung, das Gesetz habe "sich nicht integrationsfördernd ausgewirkt" und müsste deshalb "komplett auf den Prüfstand gestellt werden."
Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes hat auf ihrer Jahresversammlung mit großer Mehrheit den Beschluss gefasst, das Kopftuch für minderjährige Mädchen im öffentlichen Raum, vor allem in Betreuungs- und Ausbildungsinstitutionen, gesetzlich zu verbieten. Politiker von Bündnis 90/Die Grünen und Linke stehen dem Vorschlag skeptisch gegenüber. Die Radikalisierung des Islam und ihr Niederschlag in Bildungseinrichtungen sehen Experten aber als gegeben.
Die Frage, ob im Staatsdienst – Verwaltung, Polizei, Armee, Gerichte, Schule – von den Angestellten oder Beamten religiöse Symbole getragen werden dürfen, ist eine politische Frage. Die Frage ist durch das muslimische Kopftuch, das in bestimmten Glaubensausprägungen des Islam für Frauen aus religiösen Gründen verpflichtend ist, brisant geworden. Zurecht gibt es hierzu inzwischen in den meisten Bundesländern gesetzliche Regelungen.
Die Schauspielerin Sibel Kekilli erhält heute neben 12 weiteren Frauen von Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sie wird für ihren langjährigen Einsatz für die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen ausgezeichnet. Ein Engagement, das sich aus einer persönlichen Motivation speist.
Schwedische Politikerinnen tragen bei einem Staatsbesuch im Iran Kopftücher und helfen so mit, dass Rechte das Thema "Kopftuch" besetzen können. Da sich Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National bei ihrem aktuellen Nahost-Besuch weigert, ein Kopftuch zu tragen, wird sie nämlich nun von den Abendlandrettern als Heldin verehrt. Dank dem unreflektierten Handeln vermeintlicher Feministinnen, die dem Kopftuchzwang nicht entschieden genug entgegen treten. Ein Kommentar von hpd-Redakteurin Daniela Wakonigg.
Der Landesverband Berlin-Brandenburg des Internationalen Bundes der Atheisten und Konfessionslosen e.V. (IBKA) hat an die Linksfraktion und die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen sowie den Justizsenator und den Kultursanator einen offenen Brief gesandt.
Der Weltschachbund FIDE hat Mitte September beschlossen, dass die Frauenschach-WM 2017 im Iran stattfinden soll. Doch im Iran müssen Frauen in der Öffentlichkeit Kopftuch tragen – das gilt auch für auch Ausländerinnen und Nicht-Musliminnen. Führende Schachspielerinnen protestieren deshalb gegen den Veranstaltungsort.
Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zeigen, dass die Zahl der verschleierten Frauen im internationalen Sport ansteigt. Erstaunlicherweise nimmt bei Sportgroßereignissen kaum jemand die Kopftücher als das wahr, was sie sind: politische Statements.